Weitere Entscheidungen stehen aus

Uneinigkeit wegen MVG-Rad: Gemeinderäte in Warngau gegen Mietsystem

Station für MVG-Mieträder
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Per App und Bedienpanel lassen sich die Räder der MVG reservieren und bezahlen. Ein System, zu dessen Einführung die Meinungen im Landkreisnorden auseinander gehen.
  • vonSelina Benda
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Warngau/Landkreis – Die Gemeinderäte in Warngau haben sich jüngst gegen das MVG-Mietradsystem entschieden. Auch andere Kommunen im Nordlandkreis sind skeptisch.

Die Verkehrslast im Landkreis Miesbach ist hoch. Ein Problem, das sich alle Gemeinden teilen. Um zumindest einen Teil der Autofahrer auf die Schienen und Fahrräder umzulotsen, wäre das MVG-Mietradsystem eine Möglichkeit. Jedoch sprachen sich neben den Gemeinderäten in Waakirchen nun auch die Warngauer in ihrer jüngsten Sitzung gegen die Einführung des Leihradsystems aus.

Die Handhabung des Systems ist einfach: Per App können Nutzer ein Rad zehn Minuten vorab reservieren, dann zum Beispiel am Bahnhof aufs Rad steigen und den restlichen Weg bis in die Firma fahren. Bezahlt wird ebenfalls über die App – 8 Cent pro Minute, 12 Euro maximal am Tag. Vor allem für Gemeinden mit Bahnhöfen und Gewerbegebieten ist das eine mögliche Lösung, um ein paar Autos von den Straßen zu bekommen.

Weitere Station im Gewerbegebiet Birkerfeld

Doch auch Warngau wird nach seinem ablehnenden Beschluss zunächst kein Mitglied des Verbundsystems mit festen Stationen in der Gemeinde. Bürgermeister Klaus Thurnhuber stellte dem Gremium das Konzept vor. Zunächst wäre die kleinste Stele mit fünf Rädern am Bahnhof angedacht gewesen. Künftig hätte auch im Gewerbegebiet Birkerfeld eine weitere Station installiert werden können.

„Wir können mit dieser einen Stele testen, wie es angenommen wird“, erklärte Thurnhuber. Jedoch würde eine Installation nur in Frage kommen, wenn die Nachbargemeinden Holzkirchen, Weyarn und Valley ebenfalls Mitglied im Verbund wären.

„Das Material ist aus dem Mittelalter“

Dem Bürgermeister wehten nach der Präsentation jedoch kritische Stimmen entgegen. „Das Material ist aus dem Mittelalter“, monierte etwa Adolf Schwarzer (CSU) die Qualität der Räder. Diese seien aufgrund ihres Gewichts zudem nicht für längere Fahrten und ungeteerte Radwege geeignet. „Ich finde das ist rausgeschmissenes Geld“, sagte Schwarzer. Er äußerte zudem die Angst, dass die Räder Vandalismus zum Opfer fallen könnten. Durch das Bezahlsystem per App seien die Kunden jedoch nicht anonym, erklärte der Bürgermeister: „Dadurch können die Leute zur Rechenschaft gezogen werden.“

Vor allem über die Zielgruppe waren sich die Gemeinderäte uneins: Thurnhuber sah vor allem Berufspendler, aber auch Tages­touristen aus München im Fokus. Harald Stanke (FWG) und Engelfried Beilhack (CSU) etwa bezweifelten, dass für Letztere genügend attraktive Ziele vorhanden seien, um die Räder zu nutzen. Am Ende entschied sich das Gremium mit elf Nein- und sechs Ja-Stimmen gegen das MVG-Rad-System.

Weyarns Bürgermeister übernimmt Projektleitung

Eine Entscheidung, die Weyarns Bürgermeister Leonhard Wöhr nicht nachvollziehen kann. Er hat stellvertretend für die Rathauschefs der Nordgemeinden die Projektleitung der Systemeinführung übernommen. Es handele sich bei der Erstinstallation um einen niedrigen vierstelligen Betrag, der zudem zu 80 Prozent von Bund und Freistaat bezuschusst würde. Außerdem wäre der Plan, die übrigen 20 Prozent zur Hälfte vom Landkreis Miesbach über die Kreisumlage finanzieren zu lassen. Somit blieben lediglich 10 Prozent der Kosten bei den jeweiligen Gemeinden.

Man müsse den Verkehr im Landkreis entlasten. „Aber keiner will was dagegen tun, wenn es Geld kostet“, kritisierte er. Das Weyarner Gremium hat in einer der vergangenen Sitzungen bereits sein Go für das Radsystem gegeben. „Aber das hat nur Sinn für uns, wenn auch die Gemeinde Valley mitzieht“, erklärte Wöhr im Hinblick auf die Verbindung zum Bahnhof in Darching.

Valley und Sauerlach warten bei MVG-Rad ab

Die Gemeinderäte in Valley wollen für ihre Entscheidung laut Geschäftsleiter Franz Huber einen externen Berater der MVG hinzuziehen. Die Gemeinde Sauerlach wartet laut Geschäftsleiter Norbert Hohenleitner mit ihrer Entscheidung noch ab: „Der Gemeinderat hat in der Vergangenheit einen Beschluss gefasst, die Erfahrungswerte aus den Nachbargemeinden abzufragen.“ Otterfing hingegen hat bereits sein Einverständnis zum Verbundsystem gegeben.

In ihrer nächsten Sitzung im Mai möchten sich nun auch die Marktgemeinderäte in Holzkirchen mit dem Thema befassen. Laut Eva-Maria Schmitz, Leiterin der Standortförderung, könne man sich sogar einige Standorte vorstellen: am Rathaus eine Stele, jeweils auf der Ost- und Westseite am Bahnhof sowie in den Gewerbegebieten im Osten und Norden eine Station. Rund 60 MVG-Räder würden dann zur Verfügung stehen.

Holzkirchen gemeinsam mit Otterfing

„Ein in sich geschlossenes System“, erklärt Schmitz. Auch sie hätte eine Gegenstation im Warngauer Gewerbegebiet Birkerfeld gut gefunden. Zumindest die Verbindung zu Otterfing wäre nun gegeben. „Das ist im Hinblick auf den Radwegausbau dorthin natürlich super“, freut sich die Standortförderin.

Es bleibt also abzuwarten, welche Kommunen sich noch für das MVG-Leihradsystem aussprechen und dem Verbund im Landkreisnorden beitreten möchten. sb

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