Meinungsstarker Vermittler

Unterstützung von SPD und Freien Wählern: Fraunhofer geht ins Miesbacher Bürgermeisterrennen

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Walter Fraunhofer (M.) möchte Miesbacher Bürgermeister werden. Zwar gehört er keiner Partei an, bekommt aber doppelte Rückendeckung. „Wir stehen hinter ihm“, sagen Thomas Schneider (l.) und Markus Seemüller (Freie Wähler) stellvertretend für ihre Ortsvereine.

Miesbach – „Das Beste kommt zum Schluss“, sagt der Miesbacher Stadtrat Markus Seemüller (Freie Wähler) beim Pressegespräch am vergangenen Mittwoch und blickt zum Mann neben ihm: Walter Fraunhofer. Diesen schicken die Freien Wähler und die SPD als gemeinsamen Kandidaten ins Rennen um das Bürgermeisteramt im kommenden Jahr. Fraunhofer tritt als Parteiloser – er gehört seit Jahren der SPD-Fraktion des Stadtrates an, ist aber kein Mitglied – gegen die Kandidaten von CSU, Grünen und FDP an. „Ein parteiloser, parteiübergreifender Kandidat ist ein gutes Zeichen an die Stadt“, betont auch der SPD-Ortsvorsitzende Thomas Schneider. Schließlich könne ein solcher Bürgermeister über alle Grenzen hinweg vermitteln. Vorankommen durch gelungene Kommunikation ist das Ziel.

Fraunhofer ist der richtige Mann, wenn es brennt: 18 Jahre war er Erster Kommandant und Erster Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr Miesbach. Ein Team auch in schwierigen Momenten zusammenzuhalten, ist dem 51-Jährigen also nicht fremd. Im Februar legte er seine Posten nieder. Doch wie sollte es für den in vielen Miesbacher Vereinen engagierten Gas- und Wasserinstallateurmeister weitergehen? Vielleicht als nächster Bürgermeister der Stadt Miesbach. Schnell nahm Fraunhofer Kontakt zu den Stadtratsfraktionen auf. Seine Unabhängigkeit stellte er aber nie zur Debatte. „Das war die Voraussetzung“, sagt Fraunhofer. Bei der SPD und den Freien Wählern fand er Unterstützung für sein Vorhaben. „Wir haben die Themen abgestimmt, wir liegen nah beieinander.“ Das gemeinsame Ziel: Die Stadt in der kommenden Legislaturperiode voranbringen. „Ein Wechsel muss stattfinden“, betont der SPD-Ortsvorsitzende Schneider. Seemüller ergänzt: „Wir brauchen nicht nur einen Wechsel, sondern einen Neuanfang.“ Dieser hat die erste Hürde bereits genommen. Die Genossen zeigten sich bei der Nominierungsversammlung am vergangenen Dienstag begeistert: Ohne Gegenstimme machten sie Fraunhofer zu ihrem Bürgermeisterkandidaten. Auch bei den Freien Wählern traf die Idee auf große Gegenliebe. „Es gab eine Enthaltung, aber keine Gegenstimme“, sagt Seemüller.

Im Fokus eines möglichen Bürgermeisteramts steht für Fraunhofer die Kommunikation mit den verschiedenen Akteuren. „Man muss hören, was der Bürger will. Alle gehören ins Boot.“ Auch einen inoffiziellen Slo­gan gibt es schon: Viel Bürger, wenig Meister. „Das ist unser Motto bis zum 15. März und darüber hinaus“, sagt Seemüller. Fraunhofer stehe im Stadtrat für seine Meinung ein und habe schon die eine oder andere Diskussion ausgehalten, lobt Seemüller. Da komme ihm die Erfahrung bei der Feuerwehr zugute, erklärt Fraunhofer. „Da muss man auch mal eine steife Brise aushalten. Am Ende geht es aber um die gemeinsame Sache, auch wenn mal jemand anderer Meinung ist.“ Fraunhofers erklärtes Ziel: „Alle Parteien arbeiten für Miesbach. Es gibt schließlich genügend Themen, die wir angehen müssen.“

Gemeinsam angepackt werden müsse zum Beispiel das Thema Klimaschutz: „Wir brauchen keine radikalen Lösungen“, sagt Fraunhofer. „Der Bürger wird nicht gleich seine alte Heizung rausschmeißen, nur weil es was Neues gibt.“ Jedoch könne sich jeder überlegen, ob jede Verpackung beim Einkaufen oder jede Autofahrt nötig ist.

Zur gelungenen Kommunikation mit den Miesbachern gehört für Fraunhofer die Einführung von Bürgersprechstunden. Auch beim Thema Stadtentwicklung sei es notwendig, alle Seiten anzuhören. „Man muss wollen, dass die Aufenthaltsqualität besser wird. Wenn alle etwas nachgeben, geht das schon.“ Schließlich stärke dies die Innenstadt als Gesamtes. Der für die Kreisstadt wichtige finanzielle Aspekt dürfe natürlich nicht aus den Augen verloren werden. „Wir werden einen langen Atem haben müssen“, sagt Fraunhofer. „Aber man muss sich auch mal was trauen und darf nicht immer alles gleich am Tisch zerreden.“

Auch das Thema Kinderbetreuung ist dem Vater einer erwachsenen Tochter wichtig. „Da ist was verpennt worden.“ Gemäß Bedarf müssen Plätze geschaffen werden. Wie das geht, habe Fraunhofer bereits bei der Feuerwehr mit seinem Fahrzeugkonzept für mehrere Wachen bewiesen, sagt er. „Klar will jeder ein neues Auto. Da muss man den Bestand aufnehmen und wissen, wann was fällig ist und es in den Haushalt einstellen. Genauso ist es bei der Kinderbetreuung.“ Doch dazu gehören nicht nur genügend Plätze: „Ich muss die Stellen so attraktiv gestalten, dass ich auch Personal kriege“, erinnert Fraunhofer. Das funktioniere über ein gutes Gehalt und vor allem genügend Wohnraum. „Den brauchen wir, damit wir auch die anderen Themen bedienen können.“ Um diese anzugehen, brauche es „Akteure, die das in die Hand nehmen“, betont Fraunhofer. „Die Stadt schlummert vor sich hin, dabei haben wir beste Voraussetzungen. Die Leitplanken bleiben Finanzen und Haushalt, aber dazwischen gibt es Gestaltungsmöglichkeiten. Da sollte dann was Vernünftiges herauskommen.“she

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