Verspätungen und Zugausfälle: BOB muss Maßnahmenkatalog vorlegen

BEG fordert Verbesserungen

+
Die BOB schlängelt sich im Zeitplan durchs Oberland: Damit dies in Zukunft öfter der Fall ist, muss die Bayerische Oberlandbahn nun nachrüsten.

Holzkirchen/Landkreis – Ausfälle und Verspätungen bei der Bayerischen Oberlandbahn ärgern nicht nur die Fahrgäste, sondern auch die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG): Diese hat die Geschäftsführung der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) am vergangenen Donnerstag zum Krisengespräch einbestellt.

Die Fahrgäste der BOB „werden derzeit wieder mit erheblichen Qualitätsproblemen konfrontiert“, begründet die BEG, die den Regional- und S-Bahnverkehr im Auftrag des Freistaats plant, finanziert und kontrolliert, das erneute Krisengespräch mit der BOB-Geschäftsführung.

Schon zu Jahresbeginn war es laut BEG „aufgrund massiver Fahrzeugprobleme zu zahlreichen Zugausfällen, Verspätungen und Zugkürzungen gekommen – meist verbunden mit unzureichenden Fahrgastinformationen“. Mit einer durchschnittlichen Pünktlichkeit von 76,8 Prozent habe die BOB im Januar „den mit Abstand schlechtesten Wert aller bayerischen Verkehrsunternehmen erreicht“.

BOB-Sprecher Christopher Raabe zeigte sich auf Nachfrage enttäuscht: „Die BEG erwähnt leider nur den (vor allem schneebedingt nicht guten) Pünktlichkeitswert von 76,8 Prozent vom Jahresbeginn. Danach waren wir eines der besten Netze in Bayern.“ Die BEG erwähne laut Raabe nicht, „dass wir im Mai bei einer Pünktlichkeit von 93,8 Prozent lagen und auch im Juni noch über 90 Prozent liegen“. Nicht erwähnt werde zudem, „dass ein bedeutender Teil der Unpünktlichkeit, der Zugausfälle und Zugkürzungen auf Notarzt­einsätze und behördliche Anordnungen, die Gleissperrung in Bad Tölz von letzter Woche und Bahnübergangsstörungen zurückgeht“. Raab beteuert: „Nicht alle schlechten Pünktlichkeitswerte gehen auf Störungen unsererseits zurück. Sie sind zu einem erheblichen Teil auch infrastrukturbedingt.“

Dies war aber nicht das erste Gespräch zwischen BEG und BOB dieser Art: Bereits zu Jahresbeginn wurde die BOB-Geschäftsführung laut BEG „umgehend einbestellt“. Hier wurden „weitreichende Maßnahmen zur Verbesserung der Fahrzeugsituation, der Organisation der Betriebsabläufe sowie der Fahrgastinformationen gefordert“. Seither müsse die BOB-Geschäftsführung wöchentlich über die Anzahl und die Ursachen von fahrzeugbedingten Störungen sowie über deren Behebung Auskunft geben. Nach der Intervention habe sich der Betrieb laut BEG in den Folgemonaten zunächst stabilisiert. In den vergangenen Wochen sei jedoch „eine erhebliche Verschlechterung der Betriebslage im Oberlandnetz zu verzeichnen“ gewesen. „Der erneute Einbruch der Betriebsqualität stößt bei uns auf völliges Unverständnis“, sagte BEG-Geschäftsführer Thomas Prechtl. „Wir können die Verärgerung der Fahrgäste, die sich in zahlreichen Fahrgastbeschwerden widerspiegelt, gut nachvollziehen.“

Auch die Mehrheit der Zugkürzungen und Zugausfälle sei „durch die BOB selbst zu verantworten“, als wesentliche Ursachen nannte die BEG Fahrzeugstörungen und mangelnde Fahrzeugverfügbarkeit. „Hinzu kommen nach wie vor ungelöste Probleme bei den Klimaanlagen, nicht nachvollziehbare betriebliche Entscheidungen, mangelnde Fahrgastinformationen sowie eine Reihe von vermeidbaren personalbedingten Verspätungen oder Ausfällen. All das trägt in Summe zu einem negativen Gesamtbild bei“, sagte Prechtl.

Die BEG habe die BOB bereits vor dem jüngsten Gesprächstermin „eindringlich aufgefordert“, einen aktuellen Maßnahmenkatalog zu erstellen, um „umgehend für einen nachhaltig stabilen Betrieb und eine dauerhaft zuverlässige Fahrgastinformation zu sorgen“. Dieser sieht laut BOB unter anderem die Erhöhung der Fahrzeugreserve, Verbesserungen bei den Klimaanlagen, den Aufbau zusätzlicher Mitarbeiter für betriebsnahe Instandhaltung sowie den Einsatz von Reisendenlenkern bei Störungen, die Verteilung von Wasser bei hohen Innentemperaturen und den Anschluss an das DB Informationssystem vor. „Wir erwarten, dass die BOB schnellstmöglich wieder das Niveau der Vorwochen erreicht und werden bis dahin die ohnehin schon umfassende Berichterstattung durch die BOB-Geschäftsführung erneut deutlich intensivieren“, erläuterte BEG-Geschäftsführer Prechtl.

she

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Coronavirus im Landkreis Miesbach: 7-Tage-Inzidenz in einer Woche verdreifacht
Coronavirus im Landkreis Miesbach: 7-Tage-Inzidenz in einer Woche verdreifacht
In Otterfing nach Hufeisen gesucht und Überraschendes gefunden
In Otterfing nach Hufeisen gesucht und Überraschendes gefunden
Montessori-Schule Hausham hinterlässt Spuren an neuer Streuobstwiese
Montessori-Schule Hausham hinterlässt Spuren an neuer Streuobstwiese
Corona und mehr: So steht es um Otterfings Finanzen
Corona und mehr: So steht es um Otterfings Finanzen

Kommentare