Das ist viel besser als ein einfacher Brief

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MARTINA FISCHER, Fischbachau – Das hätten sich die Hauptschüler der Klasse 9 a in Fischbachau nicht erträumt. Nachdem sie der Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner einen Brief über ihre Zukunftssorgen geschickt hatten, kam nicht nur einfach ein Rückschreiben. Nein, die Ministerin schaute am vergangenen Freitag selbst bei den 24 engagierten Jugendlichen vorbei und diskutierte mit den Schülern. „Wie sieht unsere Zukunft aus?“ hieß das Projekt von JugendPerspektiveArbeit, bei dem sich die Neuntklässler Gedanken zu ihren Träumen und Ängsten machen sollten. Der niedrige Milchpreis stellte sich schnell als Angstthema heraus. „Und wollt ihr das hinnehmen oder etwas tun“, fragte Projektleiterin Karin Maichel. Die Schüler entschlossen sich für Engagement. Einen Tag zuvor sei die Ministerin noch in Paris gewesen und habe mit den EU-Landwirtschaftsministern gerungen und gestritten, erklärte Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner, der Aigner zusammen mit Schulleiter Johannes Raus begrüßte. „Heute erwartet Dich keine Streitkultur“, bedankte er sich für ihr Kommen. Spontan habe Aigner zugesagt. Eine „Superaktion“ attestierte Lechner den Jugendlichen, wobei es den Bürgermeister besonders freute, dass die Ministerin in eine Hauptschule gekommen sei, da deren Schüler oft unterschätzt würden. Die Neuntklässler hatten sich ein rundes Programm einfallen lassen: zur Begrüßung gab es eine Goaßlschnoizer- und eine Plattlervorführung. Zwei Kurzfilme hatten die Schüler zudem vorbereitet: einen über alles, was sie an ihrer Heimat so schätzen, und einen über eine Heimat, wie sie nicht werden soll, voller Bausünden, ohne Kühe und ohne Natur. Genau das spiegelte die Ängste aller Klassenmitglieder wieder, ob aus Landwirt- oder Nichtlandwirtfamilien. Sie fürchteten eine Heimat, die nicht mehr lebenswert und ertragreich ist und im schlimmsten Fall verlassen werden muss. Von der Ministerin erwarteten sich die Schüler Antworten auf ihre Fragen: Ob denn Landwirtschaft Zukunft habe? „Ja, Landwirtschaft hat Zukunft, aber man muss sie gestalten“, schilderte Aigner im Hinblick auf die wachsende Weltbevölkerung. Dabei riet sie zu einer fundierten Ausbildung als persönlichem Beitrag der jungen Leute – in der Landwirtschaft wie auch im Handwerk. Bei der Milch erläuterte die Ministerin Marktgesetze. Der Preis sei so niedrig, weil eine zu große Menge vorhanden sei, ein Mindestpreis aber unmöglich, da dieser marktabhängig entstehe. Auf die sorgenvolle Frage, wie lange die Landwirte noch überleben würden, fanden die Diskutierenden keine klare Antwort. Die Ministerin verwies aber auf neue Unterstützungsprogramme und das Beratungsangebot der Landwirtschaftsämter für einzelbetriebliche Hilfe. Als Dankeschön für Aigners Auskünfte zur Politik gab es ein liebevoll gestaltetes Präsent. Die Schüler hatten regionale Produkte mitgebracht: vom Selbstgebrannten über Honig, Eier, Platzerl bis zu einem selbst gehäkelten Topflappen und einem Marmorkuchen. Aigner: „Mein Lieblingskuchen, in Milli eibrockt.“ Neben den politischen Fragen wollten jüngere Schüler auch noch viel Persönliches wissen und die Ministerin stellte sich gerne für ein lockeres Gespräch zur Verfügung. In ihrer Freizeit ginge sie gerne Bergsteigen, lese, schaue sich Filme an und spiele Schafkopfen. „Gefällt Ihnen Ihr Beruf“, wollte eines der Kinder wissen. Aigner: „Ja. Er ist anstrengend, aber sehr interessant und vielschichtig.“ Wenn sie ihn nicht ausüben würde, könnte sie sich einen Beruf in der Jugendarbeit vorstellen. Ein weiterer Schüler fragt, ob sie verheiratet sei. „Nein, das hab ich nicht geschafft. Ich bin immer so viel weg und dann erwischt mich keiner“, so die fröhliche Auskunft. Über das Lieblingsessen – Gulasch, Brotzeit und Marmorkuchen – ging es zu den Vorbildern Alois Glück und Mathilde Berghofer-Weichner, der ersten Frau in einem bayerischen Kabinett, sowie zur Frage, wie denn Angela Merkel sei. „Cool, echt cool“, attestierte Aigner der Kanzlerin, dass sie einfach „gscheid“ sei. Bei der Frage, ob man als Ministerin einen Privatjet habe, musste sie die Kinder jedoch enttäuschen. Das Fortbewegungsmittel ist ein Audi A8.

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