Experte stellt Analyse vor

Wie Waakirchens Verkehrsproblem gelöst werden kann

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Eine Kombination aus Südumfahrung und Spange um Hauserdörfl verspricht die größte Verkehrsentlastung für Waakirchen.

Waakirchen – Rund 300 Interessierte waren zur Vorstellung der Verkehrsanalyse in die Turnhalle Waakirchen gekommen. Und erlebten ein überraschendes Fazit des Experten.

Viele Fakten, viele Zahlen: Am Dienstagabend war es endlich soweit, dass Verkehrsgutachter Helmut Ammerl das Ergebnis seiner Analyse vorstellte. Rund 300 Bürger waren zur Präsentation in die Waakirchner Turnhalle gekommen und wurden von Ammerls Fazit überrascht: Die größte Verkehrsentlastung für Waakirchen würde eine Südumfahrung bringen, kombiniert mit einer um Hauserdörfl führenden Spange. Damit wäre auch dieser stark besiedelte Ortsteil geschützt. Allerdings ist die besagte Spange nicht Teil des Bundesverkehrswegeplanes (BVWP) 2030. Das bedeutet: Die Gemeinde müsste deren Bau selbst stemmen.

Zur Erinnerung: Im Juli 2018 hatte das Staatliche Bauamt Rosenheim neun Trassenvarianten präsentiert. Um sich ein genaues Bild machen zu können, welche der vorgeschlagenen Lösungen letztendlich für Waakirchen infrage kommt, war seitens des Gemeinderates Fachmann Ammerl vom Münchner Planungsbüro Obermeyer ins Boot geholt worden.

Der Experte untersuchte die Wirksamkeit der Varianten – von der einfachen Südumfahrung bis hin zum Ortstunnel. Bei den durchgeführten Knotenpunkts- und Querschnittszählungen via Videokamera und Seitenradar zeigte sich, dass der Freitag in Waakirchen am höchsten durch Verkehr belastet ist. Somit diente er für die Analyse als repräsentativer Werktag.

Von den knapp 18.000 Fahrzeugen, die an einem solchen Tag durchs Zentrum rollen, liegt der Anteil des reinen Durchgangsverkehrs bei stattlichen 65 Prozent. Laut Ammerls Studie bringen die vorgestellten Varianten zwar der Waakirchner Ortsmitte Entlastung, nicht aber Hauserdörfl. Im Gegenteil: Dort dürfte die Belastung sogar steigen. „Dabei leben in diesem Ortsteil mehr Menschen, als in Waakirchens Mitte“, gab Ammerl zu bedenken und brachte den Bau einer Spange um Hauserdörfl zur Sprache.

Im gleichen Zug widmete sich der Verkehrsplaner der Südumfahrung. Um diese menschen- und landschaftsfreundlicher zu gestalten, hatte Ammerl eine Planskizze gefertigt, bei der die Trasse mit Tunneln, Trögen, Brücken und einer Freistrecke versehen ist. Die Realisierung dieser Südumfahrung samt Spange um Hauserdörfl würde etwa 83,5 Millionen Euro kosten und wäre somit weitaus günstiger als der Ortstunnel, der mit mindestens 120 Millionen Euro zu Buche schlägt. Am kostengünstigsten ist die einfache Südumfahrung für 7,67 Millionen Euro.

Lars Hülsmann, Vertreter der „Bürgerbewegung Entlastung der B472“, machte einmal mehr darauf aufmerksam, dass die Südumfahrung im Landschaftsschutzgebiet verlaufe und deshalb rechtlich nicht haltbar sei. Hülsmann sieht nach wie vor den Ortstunnel, ergänzt durch eine Entlastung für Hauserdörfl, als beste Lösung. Auch Balthasar Brandhofer sprach sich für die unterirdische Variante aus und hob hervor: „3500 Leute haben für eine Tunnellösung unterschrieben.“

Franz Xaver März erinnerte daran, dass die Ortsumfahrungsvarianten „alle über Privatgrund führen“ und ließ wissen, dass 62 von 67 Eigentümern bereits schriftlich versichert hätten, keine Flächen für eine Umgehung abtreten zu wollen. Gerhard Voit von der „Bürgerinitiative Verkehr“ verwies darauf, dass Waakirchen die im BVWP vorgesehene Südumfahrung bekommen könne und meinte: „Das Leben ist doch kein Wunschkonzert.“

Wie geht es nun weiter? Vom 22. bis 24. November will der Gemeinderat eine Klausurtagung abhalten, um die Analyseergebnisse zu überarbeiten und einen Fragenkatalog für die Bürger zu erstellen, der dann an alle Wahlberechtigten geht. Anhand der Ergebnisse wird schließlich der Waakirchner Rat im Januar eine Entscheidung fällen.

Die von Ammerl vorgestellte Verkehrsanalyse ist auch auf der Homepage der Gemeinde zu finden. rei

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