Zukunftsfähige Hölzer nahe Holzkirchen

Das fordern Waldbesitzer und Bund Naturschutz für den Wald

Vertreter des Bundes Naturschutz und der Waldbesitzervereinigungen sind sich einig: Ohne die Mithilfe der Jagd können sich zukunftsfähige Mischwälder, wie sie Revierförster Robert Wiechmann (l.) kürzlich in Hartpenning vorstellte, nicht regenerieren.
+
Vertreter des Bundes Naturschutz und der Waldbesitzervereinigungen sind sich einig: Ohne die Mithilfe der Jagd können sich zukunftsfähige Mischwälder, wie sie Revierförster Robert Wiechmann (l.) kürzlich in Hartpenning vorstellte, nicht regenerieren.

Holzkirchen – Die Jagd muss dem Wald helfen. Daher fordern Waldbesitzer und Vertreter des Bundes Naturschutz effiziente Jagd für zukunftsfähige Hölzer.

Dem deutschen Wald geht es schlecht – so die übereinstimmende Meinung von Vertretern des Bundes Naturschutz (BN), der Waldbesitzervereinigungen (WBV) Holzkirchen und Wolfratshausen sowie des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Holzkirchen. Dass es auch anders geht, zeigten sie jüngst bei einem Termin inmitten eines Waldstücks nahe Babenberg.

Der Landesvorsitzende des BN Bayern, Richard Mergner, zeichnete ein düsteres Bild zum Zustand der deutschen Wälder. Demnach haben in vielen Teilen Borkenkäfer, Stürme und Trockenheit dazu geführt, dass die Wälder nicht mehr ihren Funktionen für Trinkwasserschutz, Biodiversität und als Rohstofflieferant nachkommen können. Dies liege zum Teil auch an Fehlern in der Vergangenheit, in der auf Fichten als schnell wachsende Rohstofflieferanten gesetzt wurde. Damit aber der Wald als intaktes Ökosystem in Zeiten des Klimawandels eine gute Zukunft hat, braucht es einen Waldumbau hin zu Mischwäldern mit Tanne, Buche und Eiche. Ohne Mithilfe der Jagd sei dies aber nicht zu schaffen, ist Mergner überzeugt.

Dass es geht, zeigt das Gebiet der Jagdgenossenschaft Hartpenning. Wie Revierförster Robert Wiechmann (AELF) erklärte, ist das nicht nur einer guten Lage mit ausreichend Niederschlägen zu verdanken, sondern auch einer gut 30 Jahre langen Kooperation zwischen Waldbesitzern, Jägern, dem BN und der Beratung durch das AELF. Letztlich habe dies zu den positiven Waldbildern geführt, die während des rund zweistündigen Waldspaziergangs gezeigt wurden.

„Klares Ziel war und muss es sein, dass alle standortheimischen Baumarten im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen wie Zäune oder Plastikclips aufwachsen können“, erklärte Michael Lechner, Vorsitzender der WBV Holzkirchen. Johann Killer ergänzte als Vorsitzender der WBV Wolfratshausen: „Dazu verträgt der Wald als Wildlebensraum allerdings auch nur eine begrenzte Menge an Rehen.“ Damit dieses Verhältnis stimmt, nannte Jagdvorsteher Josef Taubenberger für das Hartpenninger Revier eine Strecke von 180 Rehen jährlich. „Als wir in unserem rund 3.000 Hektar großen Revier, das zur Hälfte aus Wald besteht, einmal 20 Tiere weniger geschossen haben, hat sich das sofort am erhöhtem Verbiss gezeigt“, sagte er.

„Dabei fressen Rehe Bäume eigentlich überhaupt nicht gerne“, ergänzte Wiechmann und wies darauf hin, dass der Leittriebverbiss speziell bei der Tanne ein Problem ist, weil sie danach zwei Jahre braucht, um sich zu erholen. Angepasste Populationen sollen daher dem Wald helfen, sich zu regenerieren, und den Rehen, nicht zu hungern. Dabei waren sich alle Beteiligten einig, dass niemand einen Wald ohne Rehe will.

„Wald vor Wild heißt natürlich nicht Wald ohne Wild“, sagte Killer und ergänzte, dass die Tiere bei einer angepassten Dichte wesentlich weniger Stress bei der Futtersuche haben, sie ihre Kitze im Wald ablegen können und es zu weniger Wildwechseln kommt. Kitzvermähungen gäbe es daher praktisch nicht mehr. Auch die Zahl der Wildunfälle sei merklich gesunken.

Dank dieser vor Jahrzehnten noch ungewöhnlichen Allianz ist es, wie Wiechmann sagte, in Hartpenning gelungen, dass sich ein natürlicher und klimabeständiger Baumbestand sogar schon wieder von selbst verjüngen kann: „1987 war der Leittriebverbiss bei der Fichte bei rund 40 Prozent und die Tanne statistisch praktisch nicht vorhanden. Heute liegt die Fichte bei null und die Tanne bei stolzen 11 Prozent. Das zeigt, der Waldumbau ist anstrengend, aber möglich.“ Das Resümee Mergners dazu: „Der Wald zeigt, ob die Jagd stimmt.“

Positive Waldbilder wie in der Jagdgenossenschaft Hartpenning dürfen aber, wie der BN-Landesvorsitzende sagte, nicht die hart erkämpfte Ausnahme bleiben, sondern sollen gesetzliches Leitbild werden. Für die anstehende Novelle des Bundesjagdgesetzes fordern die WBV Holzkirchen und Wolfratshausen und der BN daher eine Nachschärfung im Sinne einer waldfördernden Jagd. „Denn,“ sagte Mergner, „das ist besser, als viele Steuermillionen für Rehfutter, Verbiss-Clips und Schutzzäune bereit zu stellen.“ hac

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Abriss des Sundheimer gestartet
Abriss des Sundheimer gestartet
Weltcupsieg und EM-Titel: Natalie Geisenberger baut Gesamtwertung aus
Weltcupsieg und EM-Titel: Natalie Geisenberger baut Gesamtwertung aus
Wildkatzenprojekt am Taubenberg geht in die nächste Runde
Wildkatzenprojekt am Taubenberg geht in die nächste Runde
Corona und die Finanzen: Stadtrat Tegernsee diskutiert über Investitionen
Corona und die Finanzen: Stadtrat Tegernsee diskutiert über Investitionen

Kommentare