Der Schlüssel zum Erfolg

Darum zeigen die Bäuerinnen sich kämpferisch beim Landfrauentag

Beste Laune beim Landfrauentag: (v.l.) Kreisbäuerin Marlene Hupf­auer und Stellvertreterin Andrea Rieder gratulierten der jungen Hauswirtschaftsmeisterin Anna-Elisabeth Obermüller und freuten sich auf das Referat von Angela Lamminger und Barbara Stelzer.
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Beste Laune beim Landfrauentag: (v.l.) Kreisbäuerin Marlene Hupf­auer und Stellvertreterin Andrea Rieder gratulierten der jungen Hauswirtschaftsmeisterin Anna-Elisabeth Obermüller und freuten sich auf das Referat von Angela Lamminger und Barbara Stelzer.

Warngau – Den Schlüssel zum Erfolg haben die Bäuerinnen bei einem Referat zum Landfrauentag erhalten. Sie zeigen sich kämpferisch in Warngau.

„Ich glaube, Angst macht schwach und dann wird man schneller krank“, sagt Kreisbäuerin Marlene Hupfauer. Das dachten sich offenbar auch andere Bäuerinnen im Landkreis, denn der Landfrauentag in Warngau fand statt – und das bestens besucht trotz Corona-Krise. Mit informativem Referat, Ehrung einer jungen Hauswirtschaftsmeisterin und schöner musikalischer Umrahmung war er wieder ein landwirtschaftlicher Veranstaltungshöhepunkt.

Eine kämpferische Einstellung herrschte bei den Grußworten vor. Die Bäuerinnen hätten es nicht leicht, meinte Ingrid Pongratz, stellvertretende Landrätin und Bürgermeisterin von Miesbach. 24 Stunden und das sieben Tage die Woche seien die Landfrauen für ihre Tiere da, würden dennoch schlecht dargestellt und mit Vorschriften gegeißelt. „Das kann so nicht sein. Lasst uns doch wieder zur Natürlichkeit zurückkehren“, forderte sie.

Es sei komplett der Wahnsinn, was bei uns passiere, findet auch Otterfings Bürgermeister Jakob Eglseder. Das Land würde komplett durcheinander gewürfelt, ständig komme jemand anderer, der glaube, etwas zu wissen. Daher seine Aufforderung an die Bäuerinnen: „Bleibt wie ihr seid.“

Lob gab es auch von der bayerischen Bierkönigin Veronika Ettstaller, die sich von der Veranstaltung beeindruckt zeigte: „Bei einem Hof steht immer eine starke Frau dahinter.“ Auf das Selbstbild in der Landwirtschaft verwies Kreisobmann Johann Hacklinger. Die Bauernschaft stünde für Normalität, forderte er auch gesunden Menschenverstand im allgemeinen Miteinander.

Dabei verwies Marlene Hupfauer auf frühere Zeiten. Man feiere heuer das 75-jährige Jubiläum des bayerischen Bauernverbandes (BBV). Gegründet wurde er als Bündelung, um die Bevölkerung zu versorgen. 1945 sei der Berufsstand wertgeschätzt worden wie nie. „Damals redete keiner von Tierwohl oder Düngeverordnung“, gab die Kreisbäuerin zu bedenken.

Sodann ging sie auf das BBV-Jahresthema ein: Region miteinander gestalten. Ihren Bezug setzte sie bewusst auf die Alpenregion Tegernsee Schliersee als Zusammenschluss, der gemeinsame Stärke bieten könne. Das zum einen im Werbebereich, aber auch bei Problemen wie etwa dem ausufernden Naturtourismus. Ihre Kritik an der Gesellschaft: „Es ist traurig, dass Hinweise, Verbote und Ranger für den Schutz der Region nötig sind.“

Region sei auch die Öko-Modellregion, die Hupfauer als großen Erfolg sieht. Viele gute Projekte seien in die Tat umgesetzt worden, weitere würden folgen. Eine Region sei wie ein großes Uhrwerk, in dem alle als Einzelräder mitwirken würden, erklärte die Kreisbäuerin. Das betreffe die Ehrenamtlichen, die Vereine, aber auch alle Privatpersonen. Letztere etwa in ihrem Einkaufsverhalten, wenn sie die Geschäfte vor Ort nutzen würden. Das Handwerk müsse ebenso gestützt werden wie die Landwirtschaft, um nicht von Produkten aus dem Ausland abhängig zu werden. Die Bäuerinnen und deren Engagement sah Hupf­auer als Teil des Gerüsts für den Landkreis, empfahl jedoch auch, bei allem Einsatz immer wieder für Freiräume zu sorgen.

Dass die nötig sind, zeigten die beiden Referentinnen Angela Lamminger und Barbara Stelzer auf. Sie informierten zum Thema „Landwirtschaft zwischen Glück und Erschöpfung“. Kräfteraubend seien Arbeitsbelastung, Generationenkonflikte, Finanzsorgen und überbordende Bürokratie. Das wirke sich auf die Familien aus, aber auch auf deren Tiere, stellten die beiden fest. Verschiedene gesundheitliche Probleme würden sich im Stall manifestieren. Verständlicherweise, so die Referentinnen, denn Stress übertrage sich.

Ihr Tipp, um diesem negativen Kreislauf zu entkommen: Die Landfrauen sollten ihren eigenen Wert erkennen. Sie sollten sehen, wie viele Kompetenzen sie in Wirklichkeit besitzen, in wie vielen Bereichen des Betriebes sie unterschiedliche Arbeiten managen. Das sei ebenso eine Kraftquelle wie die Kommunikation untereinander und mit den Tieren. Es gehe nicht um große Aktionen und Gesten. Veränderungen im eigenen Lebensbereich seien der Schlüssel zum Erfolg.

Das Stichwort Erfolg passt auch zu einer jungen Dame aus Großhartpenning: Anna-Elisabeth Obermüller. Sie hat jüngst ihre Ausbildung zur Hauswirtschaftsmeisterin abgeschlossen und wurde dementsprechend beim Landfrauentag für ihr Bildungsengagement geehrt. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung, die mit einem Gottesdienst in der Warngauer Kirche begann, vom Bäuerinnenchor. Der Saal des Gasthofes „Zur Post“ war wieder mit Arrangements aus Frühlingsblumen und Gestecken festlich geschmückt. Dafür zeichneten sich heuer die Ortsverbände Warngau-Wies-Wall und Waakirchen-Schaftlach verantwortlich. Die hübschen Blumengrüße gab es zum Kauf. Der Erlös kam den Dorfhelferinnen zugute. maf

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