Beschluss im Stadtrat

Warum die Stadt Miesbach auf Ökostrom fürs Rathaus verzichtet

Rathaus Miesbach
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Im Miesbacher Rathaus wird teuer mit Strom geheizt. Der kommt auch weiterhin nicht rein aus erneuerbaren Energien.
  • vonFridolin Thanner
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Miesbach – Die Stadt Miesbach schreibt einen neuen Stromliefervertrag bis Ende 2025 aus. Statt erneuerbaren Energien bleibt es bei konventionellem Strom.

Miesbach kauft bis Ende 2025 keinen Ökostrom. Das hat der Stadtrat jüngst mehrheitlich beschlossen. Die laufenden Verträge gelten noch für 2021 und 2022. Danach lässt sich die Kreisstadt weiter mit Normalstrom beliefern. Darauf legte sich das Gremium bezüglich der Bündel­ausschreibung durch den Bayerischen Gemeindetag fest.

Diese Möglichkeit, an günstigere Strompreise zu kommen, nutzte Miesbach bereits 2018. Und wie damals entschied sich die Stadt wieder für Normalstrom. Der Preis dafür ist noch offen.

Ziel ist der Ausbau regenerativer Energie

Relativ genau lässt sich aber sagen, was Ökostrom im Vergleich dazu kosten würde. Es sind zirka 0,5 Cent je Kilowattstunde mehr bei der Variante ohne Neuanlagenquote und zirka 1,2 Cent mit Neuanlagenquote. Ökostrom stammt aus erneuerbaren Energiequellen. Bei einer Neuanlagenquote wird er zu einem festen Teil in noch nicht lang bestehenden Kraftwerken erzeugt. Das Ziel ist der Ausbau regenerativer Energie.

„Wir haben eine Vorbildfunktion“, sagte Paul Fertl. Der SPD-Sprecher findet: „Es steht uns gut an, zumindest Ökostrom zu kaufen.“ Bei der günstigeren Variante kämen etwa 12.000 Euro Mehrkosten pro Jahr auf die Stadt zu im Vergleich zu Normalstrom. Mit Neuanlagenquote wären es knapp 29.000 Euro mehr.

Investitionen in die Energiewende

Die Mehrheit des Stadtrats votierte jedoch angesichts der leeren Kassen und hohen Schulden für den günstigeren Strom. „Auch da ist ein Ökostromanteil drin“, sagte Florian Ruml (FWG). Zudem werde über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und die EEG-Umlage deren Ausbau gefördert. „Legen wir doch das Geld vor Ort an“, schlug Ruml Investitionen in die Energiewende direkt in der Stadt vor.

Ähnlich hatte sein Fraktionskollege Markus Seemüller argumentiert. Allerdings wollte er Ökostrom mit Neuanlagenquote bestellen. „Und wir bilden eine Arbeitsgruppe, die Maßnahmen zur Energieeinsparung erarbeitet, um die Mehrkosten wieder rein zu holen“, forderte Seemüller.

Photovoltaikanlage auf städtischem Gebäude

Florian Hupfauer (FDP) lehnte die Mehrkosten ab. Besser wäre die auf drei Jahre gerechneten 36.000 Euro in eine Photovoltaikanlage auf einem städtischen Gebäude zu investieren. „Normalstrom ist der, den wir uns leisten können“, erklärte Franz Mayer (CSU).

Dennoch wird die Stadt mehr ausgeben, denn Mayer fand letztendlich breite Zustimmung zu seinem Vorschlag, Normalstrom zu bestellen, dafür aber jährlich 30.000 Euro in den Haushalt einzustellen für Energiesparprojekte. Und zwar solche, die nicht ohnehin durchgeführt werden wie etwa die Umstellung auf LED bei der Straßenbeleuchtung. Allein dafür gibt die Stadt heuer etwa 90.000 Euro aus.

Nahwärmenetz am Rathaus geplant

Astrid Güldner (Grüne) ist der Meinung, die Stadt hätte sich auch 0,5 und 1,2 Cent mehr je Kilowattstunde leisten können. Denn 960.000 Kilogramm Kohlendioxid für 28.000 Euro einsparen – bei Ökostrom mit Neuanlagenquote – „das kriegt ihr nicht hin“, sagte sie.

Eine riesige Einsparung sei die geplante Pelletheizung inklusive Nahwärmenetz am Rathaus, wo derzeit mit Strom geheizt werde, sagte Mayer in Richtung der Kritiker. Markus Seemüller etwa kritisierte mehrfach die hohen Investitionskosten und zweifelte deshalb den Nutzen an. ft

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