Wasserschutzzone Thalham-Reisach-Gotzing: Ergebnisse des Landratsamts für das weitere Verfahren

Bereitet der „Riesenerfolg“ Freude?

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Nach umfangreicher Prüfung präsentierten (v.l.) Frank Skodczinski, Wolfgang Rzehak und Thomas Eichacker die Ergebnisse des Landratsamtes zur Neu-Ausweisung des Wasserschutzzone Thalham-Reisach-Gotzing.

Miesbach – Es hat nur zehn Minuten gedauert, dann war die Tendenz klar. Das Landratsamt, als staatliche Behörde, sieht keinen entscheidenden Grund gegen eine Ausweitung des Wasserschutzgebietes Thalham-Reisach-Gotzing. „Das Bestreben gibt‘s seit 19 Jahren“, erkläre Landrat Wolfgang Rzehak. Zuletzt hatte seine Behörde offene Fragen zu klären und strittige Aspekte zu prüfen. Den Auftrag gab‘s von Umweltministerin Ulrike Scharf Ende 2014. Nun stehen die Ergebnisse fest, eine 98-seitige Ausarbeitung hat die Behörde am Mittwoch ins Staatsministerium geschickt. Eine Entscheidung ist damit aber nicht gefallen, nun geht‘s im Verfahren weiter.

Dass das Landratsamt mehr als zweieinhalb Jahre benötigte, um zu Aussagen zu kommen, verteidigte Landrat Rzehak. „Wir haben uns nicht unter Druck setzen lassen“, sagte er. Es wurde auch nichts verzögert. „Wir haben intensiv, gründlich und ausreichend geprüft“, betonte Rzehak. Nun gebe es Rechtssicherheit und damit sei es an der Zeit, die Ergebnisse zu veröffentlichen. Bevor Rzehak zusammen mit Thomas Eichacker (Abteilungsleiter Umwelt) und Frank Skodczinski (Fachbereichsleiter Wasser) den Medien Rede und Antwort stand, hatte er bereits die betroffenen Kommunen informiert: die Stadt Miesbach, Weyarn, Warngau und Valley. Sie kämpfen seit Jahren gegen das Wasserschutzgebiet, das von rund acht auf 16 Quadratkilometer wachsen soll. Sie werden von den Ergebnissen des Landratsamtes wenig begeistert sein.

Abteilungsleiter Eichacker kommt zu dem Ergebnis, „dass tatsächlich Altrechte bestehen“. Seit 150 Jahren bezieht München Wasser aus dem Mangfallgebiet, hier entnehmen die Stadtwerke (SWM) heute 80 Prozent des Bedarfs. Die Altrechte bedeuten, dass eine Wasserentnahme nicht bewilligt werden muss. Genehmigungspflichtig wäre jedoch eine Erweiterung. Derzeit dürfen die SWM die Landeshauptstadt und einige wenige Gemeinden versorgen. Eine Reduzierung der Entnahmemenge an der Reisacher Grundwasserfassung hätte keine Auswirkung auf die Schutzzonen-Größe. Die Grenze werde an der Stelle gezogen, von der aus Wasser in 50 Tagen zur Fassung fließt, erklärte Fachbereichsleiter Skodczinski. Und die infrage gestellte Schützbarkeit der Gewinnungsanlage Reisach sieht Eichacker gegeben. „So groß sind die Gefahren nicht“, sagte er. Ein Grund gegen eine Ausweitung des Wasserschutzgebietes wäre auch eine bessere Alternative. Doch laut Eichacker „gibt es die nicht“. Entweder wäre andernorts die Wasserqualität schlechter, die Wassermenge reiche dauerhaft nicht aus oder es wären mindestens genauso viele Bürger betroffen wie hier.

Für letztere ebenso wie für die Stadt Miesbach, die durch die Schutzzone in der Bauleitplanung stark eingeschränkt ist, findet Rzehak, „haben wir viel herausgeholt“. Denn bisher hatte das Landesamt für Umwelt in Hof als staatliche Fachstelle eine Erweiterung des Gewerbegebiets Miesbach Nord kategorisch abgelehnt. Nun dürfen – unter bestimmten Auflagen – aber doch 30.000 Quadratmeter bebaut werden. Das ist immerhin ein Drittel der Fläche des erhofften Gewerbegebiets. Einen „Riesenerfolg“ nannte das Rzehak. Auch der Verbotskatalog für die Schutzzone soll entschärft, der Bestandsschutz gestärkt werden. „Die Abrissklausel werden wir ersatzlos streichen“, erklärte Eichacker. Eine generelle Zulassung der Beweidung im engeren Bereich der Schutzzone werde es zwar nicht geben, das Landratsamt macht aber Hoffnung auf Befreiungen.

Eine Entscheidung, ob die Schutzzone ausgewiesen wird, könnte in rund einem Jahr fallen. Das Verfahren geht nun in die nächste Phase mit der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange.

ft

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