Unmut in Gotzing und Miesbach

Wasserschutzzonengeschädigte fordern Neubewertung / Pongratz teilt gegen Rzehak und SWM aus

+
Bestes Wasser kommt aus dem Mangfalltal. Gegen die Ausweitung der Schutzzone gibt es großen Widerstand.

Gotzing/Miesbach/Landkreis – Bei der Jahreshauptversammlung des Vereins der Wasserschutzzonengeschädigten Miesbach-Thalham-Darching in der Gotzinger-Trommel sprachen sich die Vorstände kürzlich dafür aus, die geplante Wasserschutzzone neu zu bewerten. Dabei informierte auch Alois Fuchs, Beisitzer des Vereins „Unser-Wasser“, über die tags zuvor erfolgreiche Petition im Landtag gegen das bisher in Verantwortung des Landratsamtes geführte Anhörungsverfahren. Und beim Jahresempfang der Stadt Miesbach wetterte Bürgermeisterin Ingrid Pongratz gegen Landrat Wolfgang Rzehak für sein bisheriges Verhalten in dem Verhalten in dem Verfahren und die Stadtwerke München (SWM).

Der Blick des Vereins der Wasserschutzzonengeschädigten richtete sich vor allem auf die Wasserschutzzone Darching. Wie der Vereinsvorsitzende Josef Bögl erklärte, gibt es ein hydrogeologisches Gutachten von 1985 vom Bayerischen Landesamt für Wasserwirtschaft, nachdem der Zufluss in die Reisach vorwiegend von Süden und Südosten und parallel vom Talverlauf der Mangfall kommt. Die Ausdehnung des Schutzgebietes auf den Bereich der Reisach sei daher nicht gerechtfertigt und müsse herausgenommen werden. Aber auch zum geplanten Lärmschutzwall an der Autobahn in Weyarn berichtete Bögl. Demnach hat das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim dem Wall in der geplanten Form widersprochen. Ob das in Arbeit befindliche neue Gutachten auch den geplanten vierspurigen Ausbau mit berücksichtigt, ist nicht bekannt. „Dazu konnte mir auch Ilse Aigner nichts sagen. Allerdings soll sogar geprüft werden, den Verlauf der Autobahn zu verlegen. Das wird dann richtig teuer. Da wäre die Verlegung des Brunnens deutlich billiger. Vielleicht ergibt sich daraus auch die Möglichkeit, die Wasserschutzzone Valley aufzuheben“, informierte Bögl und versprach: „Wir werden da sehr wachsam bleiben.“ Nicht nachlassen ist auch die Devise vom Co-Vorsitzenden Josef Huber, der dazu auch den Bauernverband mit ins Boot geholt hat: „Wir müssen die Reisach zurückdrängen“, war sein Credo. Auf Hilfe von politischer Seite sollte sich seiner Einschätzung nach aber kein Betroffener mehr allzu sehr verlassen. Ernüchternd berichtete er über den Versuch, der Landtagspräsidentin und CSU-Stimmkreisabgeordneten Ilse Aigner in kleiner Runde darzulegen, wo es hakt und fehlt: „Als neben dem Landrat auch noch Martin Grambow als leitender Beamter des Umweltministeriums mit am Tisch saß, war mir klar, wer den Ton und die Richtung angibt.“ Wie Huber sagte, argumentierte Grambow damit, dass ja in der Schutzzone die Möglichkeit einer Ausnahmegenehmigung besteht. Wenn es aber hart auf hart kommt, müsse eine Risikobetrachtung angestellt werden. Sollte bei der Abwägung alleine schon die Besorgnis einer Wasserverunreinigung erkennbar sein, rechtfertige dies ein staatliches Eingreifen. „Das Gespräch hätten wir uns auch sparen können“, sagte Huber. Auch habe sich der Verein bisher bewusst aus der öffentlichen Diskussion herausgehalten und wollte auch niemanden politisch anschießen. Stattdessen wurde die Hoffnung auf Gespräche gesetzt. „Leider hat sich Landrat Rzehak ein bisschen unklug angestellt. Es hilft aber jetzt auch nichts, wenn sich Alexander Radwan hinstellt und ihn abkanzelt. Schließlich hat die CSU ja die letzten zehn Jahre auch nichts bewegt. In dieser Sache muss man auch mal still sein, zusammenhalten und keine bloßen Parolen raushauen.“ Auf Willensbekundungen wie den „Wasserpakt“ oder den „Pakt zum land- und forstwirtschaftlichem Eigentum“ zwischen Staatsregierung und Grundbesitzern und Bauernverband setzt Huber indes keine Hoffnung mehr: „Diese Vereinbarungen sind eigentlich nichts wert.“

Schelte von Pongratz

Deutlicher Stellung bezog Miesbach Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) kürzlich beim Neujahrsempfang der Stadt im Waitzinger Keller. Als Vertreterin der Stadt, die auch Einwenderin am Anhörungsverfahren war, hatte sie den Eindruck, unerwünscht zu sein. Landrat Rzehak warf sie vor, es versäumt zu haben, Ruhe in das Verfahren hineinzubringen und es stattdessen teilnahmslos laufen zu lassen: „Er hatte kein Gespür für die Existenzängste der Einwender gezeigt. Auch nicht dafür, dass diese ihre Landwirtschaft nicht mehr betreiben können, selbst wenn sie das schon seit mehr als 300 Jahren und unter dem Aspekt des Trinkwasserschutzes tun.“ Im Zusammenhang mit der von fünf betroffenen Einwendern im Bayerischen Landtag eingereichten und erfolgreichen Petition gegen die bisherige Verhandlungsführung meinte Pongratz: „Es ist bedauerlich, dass der Landrat dieses rechtsstaatliche Vorgehen als ,Schmierenkomödie‘ bezeichnete. Ich frage mich da schon, mit welchem Rechtsverständnis er sein Amt führt.“

Zudem wetterte Pongratz in Richtung Stadtwerke München: „Die Stadtwerke haben in der Münchner Schotterebene Alternativen aus der sie einen Großteil ihres benötigten Trinkwassers entnehmen könnten, wenn auch mit erhöhtem Aufwand. Es kann auch nicht sein, dass viele Münchner Umlandgemeinden mit unserem Wasser versorgt werden und deren Bürgermeister dann öffentlich erklären, dass sie keine eigenen Quellen fassen und Wasserschutzzonen ausweisen werden.“ Grund dafür sei es, wie sie sagte, dass sich dann dort ja kein Gewerbe ansiedeln könne und somit Gewerbesteuern ausblieben. „Auch Miesbach möchte sich nördlich des Gewerbegebietes entwickeln. Es heißt zwar aus dem Umweltministerium, dass das eventuell unter bestimmten Voraussetzungen möglich ist und wenn die Betriebe nicht mit wassergefährdenden Stoffen umgehen. Eine konkrete Aussage haben wir aber nicht“, sagte Pongratz und gab zu bedenken: „Auch eine Schreinerei arbeitet mal mit solchen Stoffen.“ Ruhe kann in das gesamte Verfahren ihrer Einschätzung nach erst kommen, nachdem die von den SWM ins Feld geführten sogenannten „Altrechte“ juristisch überprüft sind.

Wie geht es weiter?

Als „Helden der Stunde“ dürfen sich momentan die Petenten fühlen, die sich mit Erfolg an den Bayerischen Landtag gewandt haben und das Verfahren zum Stoppen gebracht haben. Einer von ihnen, Alois Fuchs, sagte bei der Versammlung in Gotzing: „Uns ging es darum, auf Augenhöhe behandelt zu werden, und nicht um Parteipolitik. Wenn der Landrat ein ,Schwarzer‘ gewesen wäre, hätten wir das genauso gemacht. Leider hat er das so nicht wahrgenommen.“ Wichtig sei es auch gewesen, dass jetzt die Beamten wissen, dass sie es nicht bloß mit ein paar „blöden Bauern“ zu tun haben. „Das war auch ein Schuss vor ihren Bug“, sagte Fuchs entschlossen.

Wie es nun für alle beteiligten Wasserschutzzonengeschädigten weitergeht, hängt von Umweltminister Glauber ab. Vieles ist möglich, sogar das gesamte Verfahren auf Neustart zu stellen. „Solange die Beamten herunterbeten, dass es immer um die Schuldfrage geht habe ich allerdings Bedenken, ob er den Schneid hat, im Sinne der betroffenen Bürger im Landkreis Miesbach zu handeln“ sagte Huber. Aufgeben will aber keiner und Bögl meinte: „Wir sind jetzt auf das Ergebnis sehr gespannt.“ hac


Zum Thema: Ärger über SPD-Abgeordneten Florian von Brunn

Landkreis – Den Ärger etlicher Landkreisbürger zieht sich SPD-Landtagsabgeordneter Florian von Brunn zu. Er sorgt sich ums Münchner Trinkwasser, schreibt auf Facebook von einer „Gefahr für 1,5 Millionen Menschen“ und wirft „lokalen CSU-Politikern und zwei bis drei Bauern aus Miesbach“ vor, „einen dringend notwendigen besseren Schutz des Trinkwassers der Münchner Bevölkerung zu verhindern“. Dass diese „unter dem Egoismus von ein paar Landwirten“ leiden sollen, die „den Entschädigungspreis hochtreiben wollen“, wie er mutmaßt, will von Brunn „nicht hinnehmen“. Seinen Post wollten aber auch zahlreiche Menschen, die eine andere Sicht auf das Verfahren zur Wassershutzzonenausweitung haben, nicht hinnehmen und kommentierten fleißig. Zu lesen ist unter anderem, dass von Brunns Behauptungen jeder Grundlage entbehren. Aber auch Zuspruch ist in den Kommentaren zu seinen Ausführungen zu finden. ft

Auch interessant

Meistgelesen

Bildergalerie: Pferdeschlittenrennen und Skijöring auf der Kuchler-Wiese
Bildergalerie: Pferdeschlittenrennen und Skijöring auf der Kuchler-Wiese
Bei Waakirchen: Lastwagen kommt von der Fahrbahn ab und droht umzukippen
Bei Waakirchen: Lastwagen kommt von der Fahrbahn ab und droht umzukippen
Der neue SEAT Tarraco: Ab 23. Februar im Autohaus BaderMainzl
Der neue SEAT Tarraco: Ab 23. Februar im Autohaus BaderMainzl
Weltcupsieg und EM-Titel: Natalie Geisenberger baut Gesamtwertung aus
Weltcupsieg und EM-Titel: Natalie Geisenberger baut Gesamtwertung aus

Kommentare