Klinik baut Intensivkapazitäten aus

Wegen Corona: Mehr Beatmungsplätze im Krankenhaus Agatharied

Wegen des Coronavirus: Ärzte im Krankenhaus Agatharied führen Schulungen mit Beatmungsgeräten durch.
+
Wegen des Coronavirus: Ärzte im Krankenhaus Agatharied führen Schulungen mit Beatmungsgeräten durch.

Agatharied – Seit zwei Wochen sind die ersten zwölf zusätzlichen Beatmungsplätze in Betrieb. Nun will das Krankenhaus Agatharied erneut die intensivmedizinischen Behandlungsmöglichkeiten erweitern.

Im Regelbetrieb – vor Corona – verfügte das Krankenhaus Agatharied über die Möglichkeit, 13 Patienten auf der Intensivstation gleichzeitig zu beatmen. "Für ein 350-Betten-Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung völlig ausreichend", wie die Klinik mitteilt. Doch mit der steigenden Anzahl an Covid-19-Patienten im Landkreis Miesbach musste das Krankenhaus völlig umstrukturiert werden.

Anfang März wurde deshalb ein Abklärungsbereich eingerichtet, in dem Patienten mit Verdacht auf Covid-19 zunächst einzeln isoliert werden können, bis ihr Infektionsstatus endgültig geklärt ist. Danach geht es für Patienten, die mit dem SARS-CoV2-Virus infiziert sind, in den roten Bereich, für alle anderen in den grünen.

Um auf die erwartete Zahl schwerer Krankheitsverläufe reagieren zu können, mussten auch die Beatmungsmöglichkeiten aufgestockt werden. So können nun 25 Patienten gleichzeitig intensivmedizinisch behandelt und beatmet werden. Diese nahezu Verdoppelung der Beatmungskapazitäten ist für das aktuelle Patientenaufkommen im Landkreis noch ausreichend. "Doch trotz der leicht abgeflachten Kurve der Neuinfektionen im Landkreis muss mit einer weiterhin steigenden Anzahl an Patienten und damit auch an schweren Krankheitsverläufen gerechnet werden", heißt es in der Mitteilung weiter. Das Krankenhaus Agatharied will deshalb die Beatmungskapazitäten noch auf 40 Betten aufstocken.

Alle aktuellen Nachrichten zum Coronavirus im Landkreis Miesbach lesen Sie in unserem Ticker.

Die erste Erweiterung konnte realisiert werden, nachdem geplante Behandlungen abgesagt wurden und Operationssäle vorübergehend stillgelegt werden konnten. Ein dadurch frei gewordener Aufwachraum wurde kurzerhand zur Intensivstation umgerüstet. Für die nun anstehende nochmalige Aufstockung der Beatmungskapazitäten soll die Intermediate-Care-(IMC)-Einheit aufgerüstet werden. Dieser Bereich bildet das Bindeglied zwischen der Intensiv- und der Normalstation und hat für die Umrüstung technisch ideale Voraussetzungen. Alle benötigten Anschlüsse und medizinischen Gase sind bereits vorinstalliert. Ob jedoch das Leitungsnetz im Haus für einen so großen Verbrauch an medizinischen Gasen gewappnet ist und für jedes Beatmungsgerät den benötigten Druck zur Verfügung stellen kann, wird im Moment geprüft.

„40 Intensivbetten – das ist für ein Krankenhaus unserer Größe ein ehrgeiziges Ziel. Dennoch ist das die Zahl, von der wir befürchten, dass wir sie für die Versorgung unserer Bürger brauchen. Gemeinsam mit Ärzten, Pflege, Medizin Technik und Einkauf setzen wir alle Hebel in Bewegung, um unsere IMC auf den Intensivbetrieb aufzurüsten.“, beschreibt Michael Guggemoos, Leiter Einsatz im Krisenstab und kaufmännischer Direktor, die Situation am Krankenhaus Agatharied.

Voraussetzung für die Realisierung ist eine rechtzeitige Lieferung der benötigten Geräte und Medizinprodukte. Als weitere kritische Herausforderung nennt das Krankenhaus die personelle Besetzung. Die Planung des pflegerischen und ärztlichen Personals erfolgt normalerweise analog der Aufteilung nach Stationen, Fach- und Funktionsbereichen. Diese steht jetzt Kopf.

So wie das gesamte Krankenhaus in einen roten und einen grünen Bereich aufgeteilt ist, gilt dies auch für die Mitarbeiter, die am Patienten arbeiten. Beiden Bereichen sind nun interdisziplinäre und berufsgruppenübergreifende Personalpools zugeordnet. „Unsere wichtigste Aufgabe ist es nun, die ärztlichen und pflegenden Kollegen fachlich auf diese neuen Herausforderungen vorzubereiten“, sind sich Pflegedirektor Sven Steppat und Dr. Peter Wellner, Mitglied des ärztlichen Direktoriums, einig. „Denn nun müssen Mitarbeiter in Rekordzeit zum Teil lange nicht angewendetes Wissen wieder auffrischen.“

Gerade den Betrieb der zusätzlichen Beatmungsplätze sicherzustellen, sehen die beiden Verantwortlichen als Mammutaufgabe. Deshalb wurden Teams so zusammengesetzt, dass erfahrene Mitarbeiter ihre Kollegen im laufenden Betrieb einarbeiten. Daneben laufen theoretische Schulungseinheiten, etwa zu Beatmungstechniken und Einweisungen in die medizinischen Geräte. 

„Was unsere Mitarbeiter in den vergangenen Wochen geleistet haben, ist unvorstellbar“, lobt Geschäftsführer Michael Kelbel. Er verweist darauf, dass sich das gesamte Krankenhaus in kürzester Zeit neu erfinden musste. Die gerade erfolgreich abgeschlossene Zertifizierung als klinisches Endometriosezentrum oder die Zertifizierung zum Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung – all das scheint in einer Zeit, in der alle nur noch von Corona reden, nicht mehr wichtig zu sein. „Unsere Mitarbeiter sind mit Eifer bei der Sache, auch wenn es für den Einzelnen mitunter recht belastend sein kann.“ ft

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Biathletin Vanessa Hinz vor ihrer ersten Olympia-Teilnahme / Abflug am Montag
Biathletin Vanessa Hinz vor ihrer ersten Olympia-Teilnahme / Abflug am Montag
Leonhardi in Warngau - wunderschöne Bilder von der Wallfahrt
Leonhardi in Warngau - wunderschöne Bilder von der Wallfahrt
Schule in Zeiten von Corona: So geht Unterricht dahoam
Schule in Zeiten von Corona: So geht Unterricht dahoam
Coronavirus im Landkreis Miesbach: Zahl der Neuinfektionen steigt weiter
Coronavirus im Landkreis Miesbach: Zahl der Neuinfektionen steigt weiter

Kommentare