Weinzierl kritisiert nicht zu erfüllende Quoten

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WOLFGANG MOOS, Miesbach – Als großes Forum von Jägern, Landwirten und Waldbesitzern bezeichnete Landrat Jakob Kreidl die Hegeschau der Kreisgruppe Miesbach des Bayerischen Jagdverbandes. Ringsum auf verschiedenen Tableaus waren die Trophäen der Jäger in der Oberlandhalle zu sehen. Kreidl wies auf die vielfältigen Aufgaben der Jägerschaft hin: „Sogar Ziegen mussten erlegt werden und ein ausgerissenes Kalb musste betäubt werden.“ Als Repräsentant der unteren Jagdbehörde appellierte er an die Zusammenarbeit zwischen allen Betroffenen. Der CSU-Landtagsabgeordnete Alexander Radwan sagte, es sei unbekannt, „was die Jäger alles tun". Aus aktuellem Anlass forderte er, „Jäger dürfen nicht auf Waffenbesitzer reduziert werden, sie gehen verantwortungsvoll um, mit dem was sie als Jäger brauchen“. Man dürfe „keine falschen Schlüsse" ziehen, appellierte er. „Nicht erfüllbare Abschussquoten“ kritisierte Martin Winzierl, Vorsitzender der Miesbacher Kreisgruppe des Landesjagdverbandes. Er deutete damit den Konflikt zwischen Jägerschaft und Forstämtern an. „Jäger sind nur ein Glied beim Naturschutz“, betonte er. Heftige Kritik übte er an dem forstlichen Gutachten: Nicht aussagekräftig sei es, wenn der Wildverbiss nur in prozentuale Zahlen, aber nicht in absoluten Zahlen angegeben werde, wie viele junge Bäume nachwachsen. „Nur den Wildbestand reduzieren, macht keinen Sinn“, fuhr er in Richtung von Forstdirektor Ulli Schweizer fort. Der beklagte Defizite bei der Verjüngung des Bergwaldes (durch Wildverbiss). In anderen Revieren sei diese durchaus zufriedenstellend. Leider gebe es zwischen Bergwald-Besitzern und Jägern noch immer ein Feindbild, stellte er fest. Schweizer betonte aber, dass Waldbesitzer und Forst die Jäger brauchten. Mit einer „Bergwald-Offensive“ wolle man „gezielte Maßnahmen“ zur Verjüngung und zum Umbau des Bergwaldes erreichen. „Eine Verjüngung ist nicht nur durch Abschuss zu erreichen“, betonte Weinzierl dagegen nochmals. Jagdberater Georg Bromme konstatierte, dass er nicht so ganz falsch mit seiner Tätigkeit liegen könne. Denn er werde sowohl von den Jägern als auch den Waldbauern angegriffen. Um die Abschusszahlen richtig festlegen zu können, forderte er eine Wildzählung. Und von Forstdirektor Schweizer forderte er mehr Offenheit im Hinblick auf die „Bergwaldoffensive“: Er solle offen sagen, was er wolle und sich nicht hinter „scheinheiligen Formulierungen“ verstecken. Noch höhere Abschusszahlen sind für den Jagdberater aber nicht vorstellbar, denn: „Die liegen jetzt schon an der Schmerzgrenze.“ Die einzelnen Abschusszahlen trug Bromme dann vor, so wurden etwa in der Hochwildhegegemeinschaft 455 Stück Gamswild, 616 Stück Rotwild und 958 Rehe erlegt. Über die jagdliche Situation in Tirol referierte der dortige Landesjägermeister Karl Berktold. „Die Jagd hat in Tirol hohen Stellenwert und großes Ansehen“, sagte er, und sie ist ein uraltes Kulturgut.“ In 1200 Revieren seien über 16000 Jäger aktiv, aus dem Jagdbereich heraus werde ein Umsatz von 30 Millionen Euro gemacht. Obwohl insgesamt die Situation in Tirol gut sei, gebe es aber Schwierigkeiten durch das Freizeitverhalten. Etwa durch nächtliche Aktivitäten werde das Wild gestört. Aber selbstbewusst stellte er fest, dass auch Naturschützer die Jägerschaft brauchten: So habe man festgestellt, dass auch im Nationalpark die Jagd unverzichtbar sei – Jagd sei eben auch „Wildtier-Management“.

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