Weyarn: Domicilium Hospiz-Gemeinschaft feiert zehnjähriges Bestehen

Ein „Bruttoglücksprodukt“

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Feierten zehn Jahre Domicilium in Weyarn: (v.l.) Sebastian Snela (Vorsitzender), Bernhard Lorenz (2. Vorsitzender), Helena Snela (Hospizleitung), Irene Bopp (Vertreterin Gertraud und Josef Gruber-Stiftung) und Michael Pelzer (Bürgermeister a.D.).

Weyarn – Die Domicilium Hospiz-Gemeinschaft in Weyarn feierte am vergangenen Samstag ihren zehnten Geburtstag. Anlässlich dieses Jubiläums veranstaltete die Palliativ-Spirituelle Akademie von „Stiftung Domicilium e.V.“ ein eintägiges Benefiz-Symposium zum Thema „Das Leben hören“.

Geboren wurde die Idee des Hospizes eher zufällig. 1986 ließen sich Helena und Bogdan Snela in Weyarn nieder und gründeten dort ein Meditationszentrum. 1999 besuchte ein krebskranker Mann das Meditationszentrum. Die Schönheit der Landschaft und die familiäre Atmosphäre faszinierten ihn so sehr, dass er darum bat, die ihm noch verbleibende Zeit dort verbringen zu dürfen. Helena Snela als Psychologin und Bogdan Snela als Theologe, Philosoph und Meditationslehrer und beide als Menschen, waren bereit, ihn auf diesem Weg zu begleiten. Sie bauten ein kleines Blockhaus für den Gast und ermöglichten ihm, noch einmal aufzublühen und im Sterben bewusst zu leben. Sie legten besonderen Wert auf Würde, Autorität und Selbstständigkeit ihres Gastes. Nach sechs Monaten verstarb der Mann und die Idee des Hospizes war geboren. Es galt einige Hürden zu bewältigen, bevor 2004 der erste offizielle Gast einziehen konnte. Heute leben zwischen fünf und acht Gäste im Domicilium. Als Auftakt zum Festakt stimmten die Jazzmusiker Rafael Alcántara und Harald Rüschenbaum ein, die traditionelle Mantras aus Indien mit Einflüssen aus Jazz und Worldmusic neu vertont haben. Irene Bopp vertrat die 93-jährige Gertraud Gruber, die Initiatorin des Hospiz-Hauses. Sie betonte in ihrer Ansprache, wie besonders und außergewöhnlich dieses Hospizprojekt ist: „So wie Ihr mit den Menschen umgeht und geht, dafür ein ganz, ganz großes vergelt’s Gott!“ Sebastian Snela begrüßte den Ehrengast und Schirmherrn des Symposiums, den ehemaligen Bürgermeister Michael Pelzer: „Du bist Synonym für zugereiste, bayerische Offenheit und ein ganz, ganz großer Förderer dieses Ortes“. „Keine Angst, ich singe nicht“, scherzte Pelzer, der für sein Manuskript einen Notenständer benutzte, da er selbst derzeit auf Krücken unterwegs ist. Das WM-Fieber ginge auch an ihm nicht spurlos vorüber, sagte Pelzer, nach ewigen Jahren habe er wieder Fußball gespielt und sich dabei eine Quadriceps-Sehnenruptur zugezogen: „Das Tor hab’ ich aber noch verhindert!“ Nach zehn Jahren Domicilium sei dieses heute gar nicht mehr wegzudenken, sagte Pelzer. Am Anfang jedoch stand ein Wunsch, dann ein Traum. Es blieb ein Traum, bis die großzügige Spende von Gruber – der Gründerin der Gertraud und Josef Gruber-Stiftung – diesen Traum wahr werden ließ. „Man spürt hier die Zuneigung, die Empathie, die Hingabe und auch die Professionalität aller Mitarbeiter“, sagte das ehemalige Gemeindeoberhaupt. Für Pelzer ist das Domicilium ein kleines Juwel auf dem Land, „hier ist es selbstverständlich, das Leben, das Sterben und die Toten zu begleiten. Die staatlich geregelte Welt sieht so etwas nicht vor und fördert es auch nicht, weil es nicht ins Schema passt“, erklärte Pelzer. „Mein Maßstab ist aber nicht das Bruttosozialprodukt, sondern das Bruttoglücksprodukt. Das ist nachhaltiger“, erwähnte er. Helena Snela bedankte sich für die „vielen, vielen schönen Worte“. Sie gestand auch, dass sie zu Beginn des Projektes durchaus etwas Bammel hatten, auf was sie sich da einlassen würden: „Vielleicht erteilt uns der Baumeister keine Genehmigung. Mit dieser Hoffnung konnte ich dann ruhig einschlafen.“ Die Genehmigung kam. Der ruhige Schlaf blieb. Abschließend verteilte Helena Snela unter großem Applaus Rosen an alle Mitarbeiter des Hospizes. stg

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