Weyarns Verpflichtung als Klosterdorf

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MARTINA FISCHER, Weyarn – Trotz schönsten Wetters fanden sich bei der Weyarner Bürgerversammlung über 100 Besucher in der Schulaula ein. Sie wollten Repräsentanten der Firmen Quest aus Rosenheim und des Architekturbüros Behnisch kennenlernen, mit denen in Weyarn die Ortsplanung vorangetrieben werden soll. Dabei geht es um die marode ehemalige Klosterbrauerei, den Bereich der früheren Tankstelle am Kreisel und den früheren Prälatenhof. Ziel ist es, das ortsprägende Kloster als Wahrzeichen zu erhalten, dieses nicht durch mehr oder minder planlose Bebauung optisch verschwinden zu lassen. Genauso soll der Ort aber weiter entwickelt werden, also neue Gebäude entstehen. Diesen Spagat will man in Weyarn nun mit den beiden Partnerfirmen meistern. Alles werde auf dem Leitbildkonzept aufbauen, das die Bürger seit den 90er Jahren zusammen mit dem Gemeinderat entwickeln, wie Rathauschef Michael Pelzer erklärte. Ländlicher Raum wolle man in Weyarn bleiben, aber eine Belebung des Ortskerns sei von Nöten. Der habe sich mehr nach Osten entwickelt. Der Westen sei dabei auf der Strecke geblieben. „Wir haben unsere damaligen ortsplanerischen Ziele nicht erreicht“, zog Pelzer ein Resümee. Das soll sich nun ändern. Mit dem Kauf der ehemaligen Klosterbrauerei sei die Gefahr abgewendet worden, dass „der Klosteranger Stück für Stück eher zufällig bebaut wird“. Die für das Gebäude angedachte Zusammenarbeit mit der Fraunhofer-Gesellschaft sei zwar nicht zustande gekommen, weil „wir das nicht finanzieren können“. Nun sei aber mit der Firma Quest aus Rosenheim ein solider neuer Partner gefunden, freute sich Pelzer. „Wir haben in Weyarn eine Verpflichtung. Weyarn ist nicht ein beliebiger Ort“, verwies er auf die Historie als Klosterdorf. Dass Quest als Investor und jetziger Besitzer der alten Klosterbrauerei gerne Partner für den Erhalt von Tradition mit zugleich wirtschaftlich moderner Ausrichtung sei, erläuterte Klaus Werndl, der die Firma mit seinem Bruder Thomas leitet. Spezialisiert ist das Unternehmen auf die Revitalisierung von Baudenkmälern. Zu den Projekten zählen die Kunstmühle in Rosenheim und das Spinnereigelände in Kolbermoor. Beide seien aufgrund ihrer sehr schlechten Substanz schwierig zu sanieren gewesen. Dennoch habe man nicht einfach entkernt, sondern alte Balken und Gewölbe liebevoll erhalten, so Werndl. „Wir wollen mit Herz und Verstand arbeiten. Es geht uns nicht um die letzte Rentabilität“, versicherte er. Das Konzept, das bei der Spinnerei angewandt wurde, ist ein Mix aus Wohnen, Gewerbe, Veranstaltungen und Freiraumgestaltung, „leben und genießen“, wie es der Quest-Inhaber nennt. Dabei solle die Wirtschaftlichkeit aber nicht ins Hintertreffen geraten. Die Kunstmühle sei vollständig belegt. In der Spinnerei, die noch fertig entwickelt wird, konnten trotz Rezession in den letzten sechs Monaten 3500 Quadratmeter Gewerberaum vermietet werden, erklärte Werndl. Beim Weyarner Projekt freut er sich auf die Zusammenarbeit mit dem international tätigen Architekturbüro Behnisch. Dessen Münchner Dependance habe sich seit drei Monaten intensiv mit Weyarn beschäftigt, erklärte Leiter Robert Hösle. Den Ortskern mit Bebauung zu beleben, aber die Sicht auf das markante Kloster freizuhalten könne durch eine abgestufte Limitierung der Gebäudehöhe gesichert werden. Für die ehemalige Brauerei würden gerade verschiedene Szenarien durchgespielt. Eine Wohnnutzung mit verkehrsberuhigter Grünfläche konnte er sich für den Anger vorstellen, mit rund 80 möglichen Wohneinheiten. Gewerbe wäre für den Kreisel vorstellbar. Als Ziel nannte Hösle: soziale Qualität für die Bürger, ökonomische Qualität durch Flächeneffizienz sowie die Senkung des Energiebedarfes, eventuell durch ein Nahwärmenetz. Gewerbe am Kreisel konnte sich auch der Eigentümer des ehemaligen Tankstellenareals in der Diskussion vorstellen: eine Art Marktplatz. Die Bücherei wollte eine Zuhörerin in der Planung berücksichtigt wissen, genauso wie einen netten Rastplatz für Radler in der Ortsmitte. Bei der Frage nach einem Veranstaltungsraum winkte Pelzer ab: die Gemeinde habe bereits die Schulaula und einen Saal in Neukirchen. Alle Vorschläge der Diskussion wurden an eine Pinwand geheftet und sind nun im Rathaus einsehbar. Die Bürger werden sukzessive bei weiteren Veranstaltungen über die Projektfortschritte informiert, wie Pelzer erklärte. Schließlich sollen die Maßnahmen bis etwa 2017 erfolgen.

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