Mehr als nur ein Job

Wie Corona die Arbeit bei den Oberland-Werkstätten verändert hat

Oberland-Werkstätten
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Die OLW-Betriebsleiter Stefanie Hefele und Lambert Wagner sind froh, alle Mitarbeiter wieder im Haus zu haben. Sie freuen sich auch über das neue Videokonferenzsystem.
  • vonFridolin Thanner
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Miesbach – Corona hat die Arbeit in den Oberland-Werkstätten für Menschen mit Behinderung in Miesbach verändert. Aber auch Nachhaltigkeit ist ein großes Thema.

Normalerweise herrscht großer Trubel: Nicht nur zahlreiche Mitarbeiter kommen zusammen, auch viele Externe besuchen mittags die Oberland-Werkstätten (OLW) in Miesbach, um dort in der Kantine zu essen. „Dass wir den externen Mittagstisch nicht anbieten können, tut schon sehr weh“, sagt Betriebsleiter Lambert Wagner.

Größere Zusammenkünfte gibt es nicht nur wegen der Zutrittsbeschränkungen nicht. Auch viele Mitarbeiter sehen sich nicht mehr. Die Arbeitsgruppen machen getrennt Pause. Trotz aller Schwierigkeiten läuft der Betrieb in Miesbach, und Wagner ist froh, „dass wir jedem Mitarbeiter jeden Tag eine Arbeit anbieten können“.

Dabei hat die Corona-Krise die Oberland-Werkstätten mit ihren knapp 200 Beschäftigten in Miesbach in besonderer Weise getroffen, wie Wagner und seine Betriebsleiterkollegin Stefanie Hefele erzählen. Mit dem ersten Lockdown ging ein unerwartetes Beschäftigungsverbot für die rund 160 Mitarbeiter mit Behinderung einher.

Hygienekonzepte wegen Corona

Flexibilität und Organisationsgeschick waren gefragt, um die offenen Aufträge dennoch abarbeiten zu können. Gruppen- und Betriebsleiter sowie Verwaltungspersonal saßen dann an den Montagetischen. „Wir haben alles selber erledigt“, sagt Wagner. Und es hat funktioniert.

Gleichzeitig arbeiteten die Verantwortlichen Hygienekonzepte aus und setzten Sicherheitsvorkehrungen um. So gibt es Einbahnstraßenregelungen und aus einer wurden vier Vormittagspausen, damit sich die Gruppen nicht begegnen. An den Arbeitsplätzen ist genügend Abstand. Masken und Hygiene sind selbstverständlich geworden. „Das funktioniert hervorragend“, sagt Hefele. „Unsere Mitarbeiter haben uns positiv überrascht.“

Oberland-Werkstätten mehr als nur ein Arbeitgeber

Für sie sind die Oberland-Werkstätten mehr als nur ein Arbeitgeber. Der Job bedeutet Wertschätzung. Die Stelle ist soziales Umfeld. Umso größer war die Erleichterung, als Ende April die Ersten wieder starten durften. Mitte Dezember ging es nochmal in den Lockdown, diesmal bis Ende der Weihnachtsferien. „Unsere Mitarbeiter sind durch die Bank glücklich, dass sie in die Arbeit dürfen“, erklärt Hefele. Sie weiß auch um die Sorgen: „Sie befürchten, dass sie wieder länger ausgeschlossen werden.“

Lockdown, Sicherheit und Auftragsplanung erfordern ebenfalls Flexibilität von den Verantwortlichen. „Wir haben in Corona gelernt, dass nichts mehr beständig ist“, sagt Wagner. Doch die OLW haben alle Widrigkeiten bisher gut gemeistert. Zwar hätten sich die Aufträge von Stammkunden erheblich reduziert, wie Wagner berichtet. Doch neue kamen dank einem guten Netzwerk hinzu. Rund 20 Prozent weniger Umsatz verzeichnet der Miesbacher Betrieb.

E-Auto sorgt für Nachhaltigkeit

Wie in vielen anderen hat sich auch dort durch Corona einiges verändert. So gibt es ein neues Videokonferenzsystem. Unterwegs sind die Angestellten deutlich weniger. Und wenn, dann oft mit einem neuen E-Auto, das die OLW für den Betrieb angeschafft haben.

Das Thema Nachhaltigkeit spielt eine große Rolle. Geladen wird das Fahrzeug daher an der eigenen Stromtankstelle. Die Energie kommt von der eigenen Photovoltaikanlage auf dem Dach. An den Fahrradständern gibt es jetzt auch eine Lademöglichkeit. Das Radfahren hat Corona auch beeinflusst – mit zusätzlichem Schub. ft

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