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Wie Corona die Menschen im Landkreis Miesbach verändert hat

Sophie-Marie Stadler
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Landkreis-Sprecherin Sophie-Marie Stadler : „Corona? Dieses Wort kann niemand mehr hören – auch ich nicht! Als Pressesprecherin des Landkreises Miesbach bin ich seit Tag 1 im Krisenstab und verantworte zusammen mit meinem Team alle Informationen rund um Gesundheitsamt, Katastrophenschutz, Testen und Impfen. Zusammen versuchen wir täglich unser Möglichstes, Informationen schnell und transparent für die Öffentlichkeit darzustellen. Das ist leider gar nicht so leicht, weil kaum ein Tag vergeht, an dem es keine neue Herausforderung gibt. In die Zukunft blicke ich aber voller Zuversicht: Wir sind bisher vergleichsweise gut durch die Pandemie gekommen und haben zusammen als Landkreis so viel geleistet, dass uns so schnell nichts aus der Bahn werfen kann! Jedoch wäre ein bisschen mehr Normalität langsam schon sehr wünschenswert. Jeder wird zunehmend dünnhäutiger. Ich wünsche mir, dass die Menschen nicht vergessen, dass wir auch nach Corona noch alle zusammenleben müssen – ein bisschen Freundlichkeit und gegenseitiger Respekt schadet trotz unterschiedlicher Meinungen nicht!“
Michael Landgrebe
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Chefarzt Michael Landgrebe von der kbo-Lech-Mangfall-Klinik Agatharied: „Die Corona-Pandemie hat unser aller Leben in vielerlei Hinsicht verändert. Was heutzutage – leider – Alltag ist, war vor einem Jahr zum Teil noch unvorstellbar. Unser berufliches wie privates Leben hat sich enorm verändert, zahlreiche Freiheiten und Möglichkeiten sind von jetzt auf gleich weggebrochen. All das hat für uns alle teils zu erheblichen Belastungen geführt. Insbesondere Menschen mit psychischen Erkrankungen sind davon in besonderer Weise betroffen und unsere wesentliche Aufgabe war und ist es, ihnen trotz der widrigen Umstände eine gute Versorgung zukommen zu lassen. Durch verschiedene Maßnahmen haben wir den ambulanten wie auch teil- und vollstationären Bereich den aktuellen hygienischen Anforderungen angepasst und gewährleisten somit ein Höchstmaß an Sicherheit für unsere Patienten, sodass wir auch in der Corona-Pandemie weiterhin für unsere Patienten in Agatharied da sein und sie gut versorgen können.“
Natalie Geisenberger
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Rodelstar Natalie Geisenberger vom SV Miesbach: „2020 stand für mich im Zeichen der größtmöglichen Isolation. Zuerst aufgrund meiner Schwangerschaft und der Geburt unseres Sohnes Leo, um kein Risiko einzugehen. Während der Saison habe ich extrem aufgepasst, weil ein positiver Corona-Test mehrere Wochen Trainings- und Rennausfall bedeutet hätte und vor allem auch, um andere Sportler nicht zu gefährden. Ich war sehr glücklich, meinen Sport weiter ausüben zu dürfen. Bei allen Lehrgängen und Rennen hat mich meine Familie extrem unterstützt. Meist haben wir abseits der Mannschaft in Ferienwohnungen übernachtet und uns selbst verpflegt. Dies bedeutete natürlich einen massiven zeitlichen und finanziellen Mehraufwand. Das war alles nur möglich durch die Unterstützung meines Arbeitgebers, der Bundespolizei, und meiner Sponsoren. Wir haben uns im Prinzip seit Monaten nicht mit unseren Freunden getroffen. Das ist super schade, aber wir versuchen, den Kontakt so gut wie möglich telefonisch zu halten. Für uns Erwachsene eine Notlösung, für Kinder aber, wie ich finde, eine Katastrophe. Und, ich finde es wahnsinnig wichtig, besonders jetzt zusammen zu halten. Daher bemühe ich mich jetzt, die lokalen Einzelhändler und meine Lieblingsrestaurants durch Click&Collect beziehungsweise to go zu unterstützen.“
Josef Bierschneider
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Bürgermeister Josef Bierschneider aus Kreuth: „Die Corona-Pandemie hat mein Leben als Kommunalpolitiker schon erheblich verändert. Auf der einen Seite hat es dazu geführt, dass praktisch alle gesellschaftlichen Termine, bei denen ich normalerweise die Gemeinde vertreten habe, ersatzlos entfallen sind. War ich früher meist vier bis fünf Abende pro Woche bei Terminen unterwegs und nicht bei meiner Familie, so habe ich nun sehr viel mehr Abende, die ich mit meiner Familie verbringen kann. Auf der anderen Seite hat im Arbeitsalltag eine enorme Veränderung stattgefunden. Sehr vieles wird über Video- oder Telefonkonferenzen abgewickelt, aber auch die Zahl der täglich eingehenden E-Mails hat sich erheblich vermehrt. Manches spart Zeit, weil zum Beispiel für ein Treffen in Form einer Videokonferenz Anfahrtswege entfallen. Man merkt aber schon, dass bei allen technischen Möglichkeiten Präsenztreffen doch nach wie vor wichtig sind, auch für die zwischenmenschliche Komponente. Ich freue mich daher schon darauf, wenn nach dem Ende der Pandemie wieder die von früher gewohnten Präsenztermine, aber auch kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen möglich sind.“
Stephanie Mawick
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Stephanie Mawick vom Bekleidungshaus Waizmann: „Umfassend gesagt: Das Leben mit der Pandemie ist einfach nur anstrengend! Für mich hat sich sehr viel verändert. Neben der Sorge um unser Geschäft in Miesbach und unsere Mitarbeiter muss auch der Schutz für unsere Kunden täglich penibel gewährleistet sein. Das heißt noch mehr Verantwortung. Dazu die Schließungen, von Woche zu Woche planen beziehungsweise immer alles wieder umstellen .Die Umsatzeinbrüche, welche in irgendeiner Weise kompensiert werden müssen, da die Kosten ja weitergehen. Das Unverständnis über die Maßnahmen wächst bei den Menschen. Wir alle sehnen uns nach einem Stück altem Leben. Ich hoffe wirklich nur, dass es jetzt endlich eine Perspektive gibt mit noch mehr impfen und genügend Schnelltests, um wieder Kunden im Geschäft begrüßen zu können. Ich denke, wir alle haben viel gelernt im vergangenen Jahr und sind durchaus in der Lage, verantwortungsbewusst mit Öffnungen umzugehen. Es bleibt nur, positiv zu bleiben und zu hoffen.“
Egid Stadler
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Egid Stadler, Geschäftsführer Bergbahnen Sudelfeld: „Die Corona-Pandemie hat in erster Linie meine Tätigkeit als Geschäftsführer vom Sudelfeld beeinflusst. Beginnend von der frühzeitigen Schließung unseres Skigebiets am 15. März 2020 bis zu den Vorbereitungen der neuen Saison. Hier haben wir mit der Entscheidung zur Grundbeschneiung, Hygienekonzepten, Umbaumaßnahmen im Kassenbereich sowie Anschaffung von 9000 Schlauchschals als Mundschutz und Ausbau eines neuen Onlineshop mit Ticketautomaten bestmögliche Vorbereitungen für einen sicheren Start in die Wintersaison getroffen. Viel Arbeit, Zeit und Geld, aber leider alles umsonst, wie wir jetzt wissen. Im privaten Bereich waren die Einschränkungen bei uns auf dem Land gefühlt nicht so gravierend. Lediglich die privaten Kontakte mit Familie und Freunden vermisse ich immer mehr. Ich denke dabei besonders auch an die jungen Leute. Ein Ratsch bei einer Halben Bier mit Freunden und Kollegen beim Wirt oder daheim gehört einfach zu unserem bayerischen Lebensstil und wäre auch Balsam für die Seele.“
Resi Steinberger
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Resi Steinberger vom Metzgerladl in Hausham: „Im Zuge der Corona-Pandemie kann ich in meinem Metzgerladl in Hausham feststellen, dass die Kunden mehr regional einkaufen und die lokalen Geschäfte unterstützen wollen. Auch wenn ich mich glücklich schätzen kann, dass mein Geschäft geöffnet sein darf, mussten meine Kunden mit einigen Veränderungen zurecht kommen, wie zum Beispiel, dass sich nur zwei Personen gleichzeitig im Verkaufsbereich aufhalten dürfen. Für das Verständnis und die Treue unserer Kunden möchte ich mich herzlich bedanken.“
Michael Hahn
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Handballtrainer Michael Hahn von den SF Föching: „Zweimal die Woche Training, Heimspieltage mit den Jugendteams und der Herrenmannschaft, Auswärtsspiele bis nach Freilassing, wöchentliche Bürotage im Vereinsheim – das ist eigentlich das Programm von Oktober bis Mai für einen Handballtrainer. Doch dann kommt der März 2020 mit dem kompletten Stillstand aufgrund der Corona-Fallzahlen. Kein Training, kein Spielbetrieb mehr und das Vereinsgelände wird auch gesperrt. Ein Hoffnungsschimmer im Sommer: Training im Freien ist wieder möglich. Dazu wird eine Vielzahl von Hygienekonzepten mit wöchentlichen Änderungen erstellt. Die Kinder sind sehr aktiv dabei, freuen sich, ihren geliebten Sport wieder ausüben zu können. Die neue Saisonplanung ab Oktober ist erstellt. Ein erstes Punktspiel der D-Jugend findet statt – dann wieder Saisonabbruch. Alternativen mit Online-Training werden angeboten, jedoch ist die Resonanz bei Mannschaftssportlern überschaubar. Es bleibt die Hoffnung auf den Impfstoff und den Sommer zum Wiedereinstieg. Alle Trainer stehen bereit.“

Landkreis – Am 5. März 2020 ist der erste Corona-Fall im Landkreis Miesbach bekannt geworden. Seitdem hat sich durch die Pandemie vieles verändert.

Früher war Corona mal eine mexikanische Biermarke. Kann sich daran noch jemand erinnern? Seit einem Jahr nun ist Corona aber eng verknüpft mit einem kleinen Virus, das die Welt und damit auch den Landkreis Miesbach auf den Kopf stellt. Seit November befinden wir uns im zweiten Lockdown. Das gesellschaftliche Leben liegt weitestgehend brach, vieles hat sich verändert, was für die meisten von uns schlichtweg normal war – und momentan kann keiner voraussagen, wann wieder Normalität einkehren wird. Seit dem 5. März 2020 beschäftigt das Coronavirus auch den Landkreis Miesbach.

An diesem Donnerstag ist hier vom ersten Fall berichtet worden. Seitdem sind vor Ort zum Stand Freitag, 5. März, 56 Menschen daran verstorben und 3228 infiziert. Seit Ende Dezember hoffen viele auf eine Impfung, die seitdem im Einsatz ist und gegen das Virus helfen soll. Wie sich die Pandemie sowie der Lockdown auswirken und wie sie trotz allem in die Zukunft blicken, haben wir Betroffene aus verschiedenen Bereichen anlässlich einem Jahr Corona im Landkreis Miesbach gefragt.

Pflegedirektor Sven Steppat vom Krankenhaus Agatharied:

„Ich kann mich noch genau daran erinnern, dass ich im Februar 2020 mit zwei meiner pflegerischen Leitungen zur Personalakquise in Rom war und Corona noch ein Thema in den Medien, aber weit weg in Wuhan/China. Plötzlich rief mich meine Stellvertretung dort an und sagte, dass jetzt ein Krisenstab wegen der ersten Fälle in Bayern und einer drohenden Corona-Pandemie eingerichtet wird. Das war für mich aus heutiger Sicht der Startpunkt in eine andere Zeit mit anderen Anforderungen und anderen Routinen. Aber was das Jahr tatsächlich so alles für mich bereithalten wird, war zu dem Zeitpunkt nicht absehbar. Die Pandemie ist für mich persönlich und beruflich jetzt schon eine Lage, die es so noch nie gegeben hat.

Jetzt, ein Jahr später, ist zwar inzwischen der Krisenstab zur Normalität geworden, aber während die Welt um uns herum in Standby ist, ist das Krankenhaus Agatharied – und damit auch ich als Pflegedirektor – seit einem Jahr im dauerhaften Ausnahmezustand. Anfänglich waren die Stabssitzungen noch persönlich. Seit langer Zeit werden sie nur noch digital abgehalten. Ja, auch das ist neu. Routinen wie Videokonferenzen, digitale Fortbildungen und Vorstellungsgespräche, Masken tragen und Abstand halten sind in der Arbeit und im Alltag angekommen. Auch neue Begriffe wie Lockdown, Quarantäne, Maskenpflicht, Abstandsregeln, persönliche Schutzausrüstung, Besuchsverbot, Antigen- und PCR-Tests gehören nun einfach dazu.

Pflegedirektor Sven Steppat vom Krankenhaus Agatharied berichtet, wie die Corona-Pandemie sein Leben verändert hat und wie nun in die Zukunft blickt.

Aber was mir immer fehlt, ist Zeit! Deswegen kommt mir die Pandemie manchmal wie ein endloser Marathon vor, bei dem man das Gefühl hat, man kommt nie im Ziel an. Das ist anstrengend und ein Zeiträuber, aber man weiß, wofür man es tut. Wir gehen anders, vorsichtiger durch das Krankenhaus und achten dabei akribisch auf die Schutzmaßnahmen. Das gilt natürlich auch für das Privatleben. Man bewegt sich fast ausschließlich im eigenen Umfeld. Wir vermeiden persönlichen Kontakt zu Freunden und Verwandten, ziehen unsichtbare Kreise um Fremde. Alles unter dem Nimbus, seinen Teil dazu beizutragen, damit es möglichst bald wieder normal wird.

Aber was ist normal? Wird die Maske künftig zur Normalität? Was noch? Hier wirkt Corona wie ein Katalysator und etabliert eine neue normale Arbeits- und Lebenswelt und zeigt schonungslos Schwächen der Gesellschaft, des Gesundheitssystems und einer globalisierten Welt auf. Schlimm finde ich, dass auf der einen Seite Menschen wirtschaftliche Probleme bekommen, in Kurzarbeit gehen müssen und dringend Lockerungen brauchen, aber auf der anderen Seite Menschen wie Pflegekräfte und Ärzte hoffen, dass die Lockerungen nicht so schnell kommen, weil sie sonst das Erreichte erneut kaputt machen und wir durch die Mutationen unter Umständen überrannt werden.

Was ist für mich der Ausgleich? Im Moment ist wenig Zeit für Ausgleich. Viele Dinge um Energie aufzutanken wie Reisen, Restaurant- oder Kinobesuche gehen derzeit nicht, weswegen der eigene Garten zum Abschalten wichtiger denn je geworden ist. Am Ende sind es lange Spaziergänge mit meiner Frau und den Hunden. Aber auch dafür reicht die Zeit leider nicht immer und das Handy in der Tasche könnte jeden Moment klingeln.

Mein Blick in die Zukunft? Ich glaube, wir müssen lernen, mit dem Risiko umzugehen, kluge Strategien entwickeln und diese in die neue Normalität integrieren. Am Ende will ich aber das Positive sehen: Die Motivation und die Flexibilität der Mitarbeiter, mit den fast schon täglichen Änderungen umzugehen, machen mich unheimlich stolz. Die große Solidarität, die unserem Krankenhaus entgegengebracht wird, die vielen kleinen und großen Anerkennungen und Danksagungen sind für alle Beteiligten etwas Tolles und helfen, die negativen Aspekte besser zu ertragen.“

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Rubriklistenbild: © LRA

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