Wieder Geschichte schreiben

Das Jodbad-Areal ist jetzt im Besitz der Gemeinde Wiessee und diese hat viele Ideen, wie es mit der Anlage weitergehen soll. Foto: Thanner

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SELINA OSWALD, Bad Wiessee – Die Gemeinde hat den Schritt gewagt und Bürgermeister Peter Höß erhielt dafür bei der Bürgerversammlung reichlich Applaus: das Jod- und Schwefelbad ist mitsamt seiner Quellen nun endlich in der Hand von Bad Wiessee. Ein historisches Ereignis, besteht der Wunsch, das Areal zu erwerben, schließlich „schon seit drei Generationen“, wie der Rathauschef mitteilte. Jetzt liegt eine Menge Arbeit vor dem Gemeinderat und Stadtplaner Eberhard von Angerer, denn die ehemalige touristische Hochburg am Tegernsee soll, mit neuer Gestalt und neuem Konzept, wieder in die Geschichte der Kurorte eingehen. Alleine stehen von Angerer und die Gemeinde mit dieser Aufgabe jedoch nicht da. Zur Seite steht ihnen der Arbeitskreis Kurviertel, dem auch Vertreter aus der Wirtschaft, der Medizin und der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal angehören. „Unser Bad wird endlich bayerisch und damit haben wir den Traum vieler Bürger verwirklicht“, sagte Höß mit Stolz in der Stimme. Nun seien alle gefordert, etwas aus dieser Chance zu machen. Er ist sich sicher, dass sie in der Lage sind, „diesen Schritt zu bewältigen“, versprach der Bürgermeister unter Beifall des Publikums. „Dieser holländische Boden auf Wiesseer Gebiet“, wie es Höß beschrieb, ist jedoch nicht ganz billig. Zwölf Millionen muss die Gemeinde berappen, Geld das Wiessee eigentlich nicht hat. „Die finanzielle Belastung bereitet manchen Kopfzerbrechen“, gab der Bürgermeister zu. Doch mit diversen Grundstücksverkäufen sollen an die sechs Millionen Euro zusammenkommen. Aber Höß ist überzeugt: „Das Bad gibt große Chancen her und wir können damit das Ortsbild prägen.“ Die Entwicklung Wiessees sei mit dem Bad verbunden, und von der niedrigen Ausgangslage ausgehend, „kann es nur besser werden“, sagte der Rathauschef. Der nächste Schritt wird nun sein, die „Reihe an Investoren“ zu sortieren. Der Gemeinderat wird demnächst mit den Bewerbern in Klausur gehen, um zu entscheiden, wer in die engere Wahl kommt. „Wir werden uns auch Referenzobjekte vor Ort anschauen und nicht nur im Internet suchen“, versprach Höß. Eines sei vor allem wichtig: „Es werden keine eiligen Entscheidungen getroffen, denn unsere Aufgabe ist es jetzt, Defizitbereiche anzupacken und diese nachhaltig zu lösen.“ Defizite sieht auch Stadtplaner von Angerer noch in Bad Wiessee: „Das Jodbad-Gebäude kann nicht mehr lang mithalten, da muss möglichst bald was passieren.“ Und auch der Badepark sei nicht so schön. „Es wäre eine Überlegung, im neuen Jod-Bad noch den Bereich Wellness miteinzubringen, dann könnten wir den Badepark für das Spieleparadies hernehmen“, erklärte von Angerer. Denn der Spielepark sei zwar eine gute Idee, „doch es ist gut, dass er so versteckt ist, denn das Gebäude ist hässlich.“ Von Angerer stellte den Anwesenden bei der Bürgerversammlung einen Leitfaden für die Zukunft Wiessees vor, den er in zweijährigen Planungen entwickelt hat. Dabei ist der zentrale Bereich um das Jod- und Schwefelbad das Hauptaugenmerk des Ortsentwicklers. Dabei steht dem Architekten der neu gebildete Arbeitskreis zur Seite. „Projekte in dieser Größenordnung müssen mit der Gemeinschaft gemacht werden“, sagte von Angerer. Aus dem Publikum gab es keinen Protest, hatte der Stadtplaner mit seinen Beschreibung, wie der Adrian-Stoop-Straße als „Landebahn“, sowieso die Lacher auf seiner Seite. Die Straße sei „Gott sei Dank kaputt, dann kann man endlich eine Kurstraße draus machen“. Nördlich der Wandelhalle könnte nach den Plänen des Architekten etwa ein neues Bad oder Hotel entstehen, „der Badehügel und die Grünflächen vor dem Jod- und Schwefelbad werden aber frei gehalten“. Es würden zwar noch keine konkreten Pläne bestehen. „Aber viele Vorstellungen und Ideen“, versicherte von Angerer. Wie er erklärte, will sich Bad Wiessee jetzt auch um ein Städteförderungsprogramm bewerben. Alles, um endlich wieder Kurort-Geschichte zu schreiben.

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