Breiter und tiefer

Bad Wiessee: Der Zeiselbach soll im Ortsbereich hochwassersicher ausgebaut werden

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Im Bereich des Parkplatzes am Prinzenruh Weg kann der Zeiselbach maximal 15 bis 18 Kubikmeter Wasser pro Sekunde aufnehmen. Für einen wirksamen Hochwasserschutz sollten es aber 20,5 sein – plus 15-prozentigem Aufschlag für absehbare Klimaveränderungen.

Bad Wiessee – „Ein Hochwasser kann uns alle treffen, egal ob direkter Anwohner oder nicht“, machte Wiessees Zweiter Bürgermeister Robert Huber (SPD) die Dringlichkeit eines Schutzprojektes deutlich und verwies als Beispiel auf die jüngsten katastrophalen Hochwasserunglücke in Italien und auf Mallorca. Die Gemeinde hat daher kürzlich mit dem Wasserwirtschaftsamt Rosenheim zu einer öffentlichen Infoveranstaltung zum Hochwasserschutz-Ausbau des Zeiselbachs eingeladen.

Geplant wurde für ein sogenanntes HQ100, ein statistisch alle 100 Jahre eintreffendes Hochwasserereignis. Dabei muss der normal so idyllisch dahinfließende Bach eine angenommene Wassermasse von 20,5 Kubikmeter pro Sekunde aufnehmen. Speziell im Ortsbereich ist das momentan nicht möglich. Bei der im Gasthof zur Post vorgestellten Präsentation wurde aufgezeigt, wie das Bachbett eine solche Flut mittels Verbreiterungen, Vertiefungen oder einer Kombination aus beidem aufnehmen soll.

Beauftragt hat das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim mit der Studie die Salzburger Firma DLP. Wie deren Geschäftsführer und Projektbeauftragter Herbert Prax erklärte, wurde mit der Installation des Wildholzrechens 2017 bereits ein wichtiger Schritt für den Hochwasserschutz realisiert. Trotzdem fehlt es speziell im innerörtlichen Bereich des Bachlaufs an Raum, um die Wassermassen eines HQ100 aufzunehmen. Die Ausbauplanung konzentriert sich daher auf diesen gut 700 Meter langen innerörtlichen Bachabschnitt.

Vorgesehen ist demnach eine Verbreiterung und Vertiefung im Bereich der Mündung, um auch einen Rückstau aus dem Tegernsee zu vermeiden. Der jetzige Fußweg flussaufwärts bleibt, soll aber abgesenkt und Teil des Rückhaltebereichs werden. Weiter bachaufwärts, am Parkplatz Prinzenruhweg, ist eine Aufweitung um rund fünf Meter vorgesehen. Dies wird zur Folge haben, dass einige Parkplätze wegfallen und eine Neugestaltung des Ortsraumes nötig wird. Auch am Prinzenruhweg selbst ist eine Aufweitung vorgesehen. Wegen eines kreuzenden Kanals ist hier eine Vertiefung nicht möglich. Deswegen soll der Uferbereich mittels baulicher Maßnahmen erhöht werden. Im Bereich der Engstelle bei der Pension Linsinger soll eine Geländeabtragung ebenfalls für eine Verbreiterung des Bachbettes sorgen. Weiter flussaufwärts soll das Gewässerprofil auf das doppelte erweitert werden. Weiterer Teil dieses Planes ist der Neubau der Prinzenruhweg-Brücke, weil die Wassermassen eines HQ100 schlicht nicht durchlassen kann. Unangetastet bleibt die Brücke der Bundesstraße 318 über den Zeiselbach. Außerhalb des Ortsbereichs sollen die Ufersicherungen instandgesetzt und Sohlabstürze entfernt werden. Ziel des gesamten Ausbaus ist neben dem Hochwasserschutz eine gewässerökologische Durchgängigkeit, die auch für Fische einen guten Lebensraum bietet.

Baudirektor Andreas Holderer vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim sagte bei der Veranstaltung, dass er gerne auch mit den Anwohnern über ihre berechtigten Anliegen sprechen und diese im Vorfeld klären möchte. Er stellte aber auch klar: „Hochwasserschutz ist nur möglich, wenn auch die Flächen dazu da sind.“ Die Kosten für das Projekt liegen laut Studie und ohne Grunderwerb bei geschätzt 2,3 Millionen Euro. Der Baubeginn soll 2021 erfolgen. Die Bauzeit ist mit zwei bis drei Jahren anvisiert und soll auf den Tourismus Rücksicht nehmen. Wie Zweiter Bürgermeister Huber sagte, sollen nun die Gespräche mit den Grundeigentümern fortgeführt werden. hac

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