Schulleben im Lockdown

Winter-Challenges sorgen für Abwechslung an der Realschule Tegernseer Tal

Collage „Schneemann-Challenge“ der Realschule Tegernseer Tal
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Abwechslung im Corona-Lockdown: Zahlreiche Winter-Challenges gab es beim Homeschooling der Realschule Tegernseer Tal.

Gmund – Kreative Online-Challenges sorgen bei der Realschule Tegernseer Tal für Abwechslung beim Homeschooling. Doch auf persönlichen Kontakt lässt sich nicht verzichten.

Vieles, was Schule bunt und lebendig macht, ist wegen Corona aktuell nicht möglich. Mit Challenges trotzen die Lehrer der Realschule Tegernseer Tal in Gmund der Lockdown-Tristesse und bemühen sich, die Schüler auch abseits des Unterrichts zu erreichen und zu motivieren.

Wetten, dass ihr es nicht schafft, bis Mittwoch 50 Bilder von selbstgebauten Schneemännern oder -skulpturen hochzuladen? – so lautete die Herausforderung, die Birgit Sager den Schülern jüngst gestellt hat. Gerade noch rechtzeitig hat Lena aus der Klasse 5a ihr Schneepferd online gestellt. Es ist das 50. Bild. Die Schüler haben die Wette gewonnen.

„Zu gewinnen gibt es aber nichts“, sagt Birgit Sager, die seit September zur erweiterten Schulleitung der Realschule zählt. „Es geht um den Spaß beim Bauen und Teilen der Bilder.“ Die Aufgabe war Teil der Winter-Challenges, die sich das Team der Realschule ausgedacht hat, um den Online-Unterricht aufzulockern.

Aufgaben hängen auch vom Wetter ab

„Wir legen viel Wert auf ein erlebnisreiches Schulleben“, sagt Direktor Tobias Schreiner. Aber fast alles – ob Klassenfahrten, Exkursionen, Projektarbeiten oder Sportwettbewerbe – sei wegen Corona in diesem Schuljahr ausgefallen. Und so sollen die wöchentlichen Herausforderungen wenigstens ein bisschen Abwechslung in den manchmal etwas trockenen Alltag des Distanzunterrichts bringen.

Welche Aufgaben gestellt werden, hängt auch vom Wetter ab: Nach dem Neuschnee pünktlich zum Schulbeginn im Januar gab es die Aufgabe, eine möglichst originelle Bobbahn zu bauen. Zehn Videos waren kurz darauf online – von der Sprungschanze im Garten bis zur Mini-Bobbahn für den Playmobil-Bob. Nach der Schneemann-Challenge gab es eine Indoor-Aufgabe: Wer erschafft die kreativste Kettenreaktion? Im Fasching war das ausgefallenste Kostüm gesucht und die zweistelligen Minusgrade ermöglichten eine Spontan-Challenge: Wem gelingt es, ein Bild einer gefrorenen Seifenblase zu machen?

Malwettbewerb mit über 100 Schülern

Ein Teil der Herausforderungen soll die Kinder an die frische Luft locken, andere fördern die Kreativität: „Little Tiny Things“ lautet der schulinterne Malwettbewerb, an dem sich bereits über 100 Schüler beteiligt haben. Dabei geht es darum, im Stil der Künstlerin Desirée de Leon aus Alltagsgegenständen mit wenigen zusätzlichen gezeichneten Elementen faszinierende Kunstwerke entstehen zu lassen.

Ausgedacht hat sich das Kunstlehrerin Hildegard Loy: „Das Schöne an diesen Bildern ist, dass es nicht viel dazu braucht. Die Kinder haben alles zu Hause. Sie müssen es nur entdecken, ihre Fantasie spielen lassen und schon entsteht daraus etwas ganz anderes.“

Corona-Challenges sollen entspannen

Das ist der Schule wichtig: Die Challenges sollen Entspannung bringen in dieser angespannten Zeit. Deshalb sei man beispielsweise auch mit Experimenten oder Rezeptideen zurückhaltend, erklärt Birgit Sager. Es sei nicht Sinn der Sache, dass die Eltern extra zum Einkaufen fahren müssen, um das Benötigte zu besorgen.

Auch sportliche Herausforderungen sind schwierig: „Bei allem, was über Alltagsbewegungen hinausgeht, besteht kein Versicherungsschutz für die Schüler. Deswegen ist das Fach Sport auch besonders schwierig im Distanzunterricht abzubilden“, sagt Tobias Schreiner. Umso wichtiger sei es, Bewegung in den Unterrichtsalltag am Bildschirm zu integrieren.

Sport schwierig umzusetzen im Homeschooling

Dazu habe die Fachschaft Sport eigens eine schulinterne Fortbildung angeboten und Bewegungsspiele vorgestellt, die sich unkompliziert in den Videounterricht einbauen lassen. „Die Lehrerin nennt zum Beispiel einen Alltagsgegenstand, etwa einen Regenschirm, und dann ist die Aufgabe, diesen Gegenstand so schnell wie möglich in die Kamera zu halten.“

Der Unterricht, die Challenges und die wöchentlichen Lehrerfortbildungen finden im digitalen Schulhaus der Realschule Tegernseer Tal statt. „Das haben wir seit März so im Einsatz“, sagt der Schulleiter. Nun werde es immer weiter ausgebaut: Es gibt die Unterrichtsteams, das digitale Lehrerzimmer und die öffentlichen Bereiche, in die alle Schüler und Lehrer hineinschauen können. Dort findet der Kunstwettbewerb statt und reichen die Schüler die Ergebnisse der Challenges ein. Ganz neu gibt es dort auch einen Bereich für berufliche Orientierung. Üblicherweise veranstaltet die Schule im Frühjahr eine Berufsinformationsmesse. Nun haben Firmen aus der Region die Möglichkeit, sich den älteren Jugendlichen dort digital zu präsentieren.

Schnuppertag im April geplant

Braucht es Schule vor Ort dann überhaupt noch? „Natürlich“, sagt Tobias Schreiner. „Auch wenn wir im digitalen Bereich fit sind, ist die persönliche Begegnung am Ende durch nichts zu ersetzen.“ Man bemühe sich, aus den digitalen Möglichkeiten möglichst viel rauszuholen, zuletzt beispielsweise bei den digitalen Informationsabenden für Eltern der vierten Klassen, die mit über 150 Besuchern gut angenommen wurden.

Aber ob der Schnuppernachmittag im April vor Ort stattfinden wird? „Wir hoffen es sehr“, sagt der Schulleiter. Aber nun bereite man sich erst einmal auf die Schüler der Abschlussklassen vor, die ab Montag das Schulhaus in Gmund wieder mit Leben füllen werden. ksl

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