Den Atem rauben lassen

Drei Jahrzehnte Iffeldorfer Meisterkonzerte fordern ein Programm der besonderen Art

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In freudiger Aufregung auf das, was da so musikalisch auf die Osterseen zukommt, ist Andrea Fessmann (2. von links) mit ihren Fördervereinskollegen Hans Hoche, Maria Mack und Christa Clauß (von links).

Iffeldorf – Die Grübchen sind omnipräsent in Andrea Fessmanns Gesicht. Die Vorsitzende des Fördervereins „Kulturbegegnungen an den Osterseen“ lächelt unentwegt, der Vorfreude wegen. Das Jahr 2020 kann sie kaum erwarten, feiert der Verein dann nämlich die 30. Auflage der Iffeldorfer Meisterkonzerte.

So phantastisch jedes Jahr aufs Neue ist, in dem Meister der Musik nach Iffeldorf schlendern, um Saiten und Stimmbänder in Vibrationen und ein Publikum in Begeisterung zu versetzen, so problematisch ist das Vorgeschehen. Es sei immer das gleiche Spielchen mit der Frage „Können wir uns das leisten?“, meint Fessmann, Intendantin der Iffeldorfer Meisterkonzerte. Dank Sponsoren, darunter der Bezirk Oberbayern, das bayerische Kunstministerium, der Landkreis, das Pharmaunternehmen Roche und private Gönner, wird die Kardinalfrage schließlich immer wieder mit einem Ja beantwortet. Doch noch mehr Unterstützung werde eigentlich gebraucht, sagt Fessmann, die aber sogleich die Sorgen des Organisatorischen beiseite schiebt und das Programmheft der Iffeldorfer Meisterkonzerte des kommenden Jahres aufschlägt. „30 Jahre sind ein Grund zum Feiern“, findet Fessmann. Wobei, für die Gesangssolistin, Stimmbildnerin und Dirigentin ist jede Auflage der Reihe, jedes neue Programm, das sie in Händen hält, eigentlich „wie ein Geburtstag“. 

Salonmusik nach Silvester

Schon auf einer der ersten Seiten des Programms eine Überraschung: ein Neujahrskonzert mit dem Rubin-Trio am 4. Januar. „Eigentlich machen wir in den Ferien kein Konzert“, sagt Fessmann. Doch was macht man nicht alles, wenn es ein Jubiläum zu feiern gilt. Mit Klassik und Salonmusik wird also das neue Jahr eingeleitet, wenn Ferenc Kölcze (Violine), Klaus Kämper (Cello) und Pablo Havenstein (Klavier) beschwingt die Konzertreihe eröffnen. 

Die Hornsolisten locken sogar das Fernsehen an 

Gut einen Monat später, am 8. Februar, kommen dann die Munich Opera Horns nach Iffeldorf. „Die gehören irgendwie hier her“, schmunzelt Fessmann, als sie die entsprechende Programmseite aufschlägt und die Hornsolisten des Bayerischen Staatsorchesters auf einer Wiese, umgeben von Bergen, erblickt. Auf dem Programm stehen dann Werke von Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart oder Richard Wagner. Ein Konzert, das mal wieder den Bayerischen Rundfunks an die Osterseen locken wird. 

Eine absolute Premiere

Auf einen Ausflug in die Alte Musik, in die Klänge des Barock, geht es am 14. März mit dem Quartett Arno Jochem de la Rosée, Jessica Kuhn, Stefan Rath und Christoph Lehmann. Ein Ensemble, das sich allein für das Konzert zusammengefunden habe, betont Fessmann. Eine absolute Premiere also. Mit ihren Instrumenten vergangener Zeit, darunter Theorbe, Barockcello und Lyra Viol, lassen die vier Instrumentalisten kunstvolle Tanzmusik wie auch Sonaten aus dem 15. bis 18. Jahrhundert aus Syrien, Italien, Frankreich und Schottland erklingen. 

Moderne Musik auch für klassische Ohren

Im Mai geht es dann „in eine ganz andere Richtung“, so Fessmann. Nach Klassik und Barock dringt nun geballt die Moderne ins Gehör. Doch es sei „Musik, die man auch mit klassischen Ohren hören kann“, grinst die Intendantin, die es noch nicht ganz glauben kann, dass das New Yorker Sirus Quartet mit Ferenc Fung Chern Hwei, Gregor Huebner, Ron Lawrence und Jeremy Harman tatsächlich nach Iffeldorf kommt. Denn Fessmann ist „schon ein paar Jahre“ an dem Engagement der vier Musiker dran. Das Modere an den Klänge des Sirius Quartets? Zwar streichen die vier über klassische In­strumente, doch bespielen die Meister der Improvisation Violine, Viola und Violoncello auf ihre ganz eigene Art und auch mal mit elektronischen Effekten. 

Atemraub nach der Europameisterschaft

Nach der Sommerpause, dem „Fußball und den Ferien“ geschuldet, folgt für Andrea Fessmann am 19. September ein wahres „Schmankerl“ , ein Geburtstagsgeschenk, das sie den Meisterkonzerten gegönnt habe. In Begleitung versierter Instrumentalisten kommen dann die Sopranistin Hana Blažíková und der Zinkist Bruce Dickey an die Osterseen. Schon einmal hat Fessmann die beiden gehört, „das hat mir den Atem verschlagen“, bekennt sie, denn das historische Blasin­strument, das so etwas wie eine Mischung aus Blockflöte und Trompete ist, und die Stimme „verschmelzen“ regelrecht miteinander. Doch genau das wollen die beiden Musiker auch bewirken, nicht umsonst heiß ihr gemeinsames Programm „Breath­taking“. 

Zwei famose Orchester

Eine Woche darauf, am 26. September, greift Fessmann dann zum Dirigentenstab, wenn sie das Kammerorchester 4.0 durch den Abend leitet. Musiker aus Münchner Orchestern, welche es gewohnt sind, in große Konzertsälen weltweit zu spielen, wollen dann im beschaulichen Iffeldorf mit Werken Mozarts begeistern. Ebenfalls ein großer Klangkörper macht den Osterseen am 24. Oktober seine Aufwartung: Das Abaco-Orchester erweckt mit Christina Roterberg (Sopran), Barbara Schmidt-Gaden (Mezzosopran), Martin Petzold (Tenor) und Klaus Mertens (Bass) sowie dem KlangKunst-Chor im Rücken Ludwig van Beethoven wieder zum Leben, rein akustisch in Gestalt der 9. Sinfonie versteht sich. „Es ist zwar ein Studentenorchester, aber ein sehr gutes“, betont Fessmann, sei es doch „aufwändig und groß besetzt“. 

Ein ungewöhnliches Klangquartett zum Abschluss

Den Abschluss des Programms im kommenden Jahr bildet, wie passend, „Quatuor pour la fin du temps“, also das Quartett für das Ende der Zeit, das Olivier Messiaen in der Zeit des Zweiten Weltkriegs komponierte. Sebastian Manz, Sebastian Bohren, Nanjulo Ishizaka und Eric Schneider stellen dabei mit Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier ein ungewöhnliches Klangquartett dar. Doch das waren nun einmal die vier Instrumente, die Messiaen im Kriegsgefangenenlager zur Verfügung standen. Ein wenig Auflockerung versprechen da dann noch Robert Schumanns Fantasiestücke, welche die vier Musiker ebenfalls zu Gehör bringen. ra 

Weitere Informationen zu den einzelnen Konzerten, Uhrzeiten sowie den Kartenpreisen und Abonnements sind unter www.iffeldorfer-meisterkonzerte.de zu finden.

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