Zukunft des Verstärkeramtes: Untere Denkmalschutzbehörde entscheidet über Erhalt oder Abriss

Spekulieren auf die Hintertür

+
Kochel hält am Bebauungsplan für das ehemalige Verstärkeramt fest, ob es abgerissen werden darf, entscheidet die Unteren Denkmalschutzbehörde.

Kochel – Zwei Waagschalen, in er einen das allgemeine Erhaltungsinteresse, in der anderen private und öffentliche Belange. In diesen beiden Schalen und in den Händen der Unteren Denkmalschutzbehörde liegt die Zukunft des Verstärkeramtes von Kochel. Erhalt oder Abriss, das ist hier die Frage. 

Möglicherweise zu früh gefreut haben sich Denkmalschützer, die für den Erhalt des ehemaligen Verstärkeramtes kämpften. Zwar wurde das Gebäude im August „als bedeutendes Bauwerk der Bayerischen Postbauschule“ zum Baudenkmal erklärt, eine Abwägung der öffentlichen Interessenlagen sowie Aspekte des Vertrauensschutzes könnten dennoch den Weg zum Abriss ebnen. 

Vor dem Gemeinderat fasste Kochels Bürgermeister Thomas Holz die Ereignisse der letzten Monate erneut zusammen: Das Verstärkeramt-Areal wurde in zwei Schritten erworben, mit dem Ziel, darauf den Bauhof, 21 barrierefreie Sozialwohnungen, Räumlichkeiten für Jugend- und Vereinsarbeit sowie für bis zu zwölf Obdachlose zu schaffen. Dieses Konzept erhielt die Zustimmung für das Kommunale Wohnraumförderprogramm, der dafür erforderliche Bebauungsplan wurde Ende Juli 2018 beschlossen. Vier Wochen später teilte das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) der Kommune mit, dass das Verstärkeramt „aufgrund seiner geschichtlichen und künstlerischen Bedeutung“ in die Liste der Baudenkmäler aufgenommen wurde. Diese Entscheidung kam für den Gemeinderat sehr überraschend, da „im Vorfeld der Planungen Erkundigungen zum Denkmalschutz stets negative Ergebnisse ergaben“, wie Holz abermals betonte. 

Inzwischen hat die Verwaltung rechtliche Schritte geprüft. „Der Bebauungsplan sollte auf ganz soliden Füßen stehen, daher war uns wichtig, alle Aspekte zu beachten“, führte der Rathauschef aus. Zwar sei es Aufgabe der Kommunen, Denkmäler zu schützen und im Interesse der Allgemeinheit zu erhalten, dem stünden jedoch die gemeindlichen Planungen gegenüber. Und diese erfolgten ausdrücklich zum Wohle der Allgemeinheit, wie Holz betonte. Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, Räume für Vereins- und Jugendarbeit sowie Unterbringungsmöglichkeiten für Obdachlose seien „in besonders nachhaltiger Weise am Wohl der Allgemeinheit orientiert“ und dementsprechend hoch einzustufen, wie er betonte. Gleiches gelte für den dringend benötigten Ersatzbau des Bauhofs mit seinen kommunalen Pflichtaufgaben, der alleine aufgrund der für die Fahrzeuge notwendigen Maße „keinesfalls im vorhandenen Gebäude darstellbar“ sei. 

„Die Stellungnahme des BLfD impliziert keinen Änderungsbedarf“, stellte Holz abschließend fest. Eine mögliche Beseitigung des Denkmals werde nämlich im Rahmen eines denkmalrechtlichen Erlaubnisverfahrens behandelt, worauf das BLfD selbst hingewiesen hatte. Demnach obliegt es der Unteren Denkmalschutzbehörde am Tölzer Landratsamt, eine Abwägung des allgemeinen Erhaltungsinteresses gegenüber privaten oder öffentlichen Belangen vorzunehmen. 

Und noch eine Hintertür hatte das Denkmalschutzamt aufgezeigt: Bei einem Abwägungsprozess sei in diesem Fall der Vertrauensschutz zu beachten, sprich die Gemeinde kann sich auf die damals bestehende Rechtslage – das Nichtvorliegen eines Denkmals – berufen. Das könnte ein gewichtiges Argument in der gemeindlichen Waagschale sein. Holz jedenfalls bekräftigte, der Erwerb sei „nur vor dem Hintergrund, die Gebäude abreißen zu können“ getätigt worden. Mit der Gegenstimme von Monika Hoffmann-Sailer (SPD), die sich nicht in der Lage sah „das Denkmalschutzrechtliche beurteilen zu können“ und aufgeschlossen für neue Planungen wäre, beschloss der Gemeinderat, keine Änderungen am Bebauungsplan vorzunehmen. cw

Auch interessant

Meistgelesen

Novita zieht sich zurück, TWS siegt: Die wichtigen Fragen aber bleiben offen
Novita zieht sich zurück, TWS siegt: Die wichtigen Fragen aber bleiben offen
Alkoholisierter Autofahrer tritt versehentlich auf die Bremse 
Alkoholisierter Autofahrer tritt versehentlich auf die Bremse 
Johannes Bauer berichtet über die Geschichte von Nantesbuch
Johannes Bauer berichtet über die Geschichte von Nantesbuch
Müllberge am Ufer und verstopfte Klos: Die Gemeinde stellt jetzt zusätzliche Toiletten auf
Müllberge am Ufer und verstopfte Klos: Die Gemeinde stellt jetzt zusätzliche Toiletten auf

Kommentare