Auf dem Einbahnweg zum Glühwein

Verein „Die Kochler“ sagt noch vor den ersten Schneeflocken Adventsmarkt ab

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Ein vorweihnachtliches Highlight fällt der Corona-Pandemie zum Opfer: Der Kochler Adventsmarkt findet in diesem Jahr nicht statt.

Kochel – Mitten im Hochsommer verschwendet man normalerweise keinen Gedanken an die Adventszeit. Nicht so die Mitglieder des Vereins „Die Kochler“. Seit über 20 Jahren veranstalten sie den Kochler Adventsmarkt, der sich zu einem wahren Besuchermagneten entwickelt hat. Die Einnahmen aus den Standgebühren kommen jedes Mal örtlichen Vereinen für gemeinnützige Zwecke zugute. In Zeiten von Corona ist aber alles anders: Statt mit den Vorbereitungen zu starten, haben sich die Vereinsverantwortlichen dazu entschlossen, den Adventsmarkt heuer abzusagen.

Die Hygieneauflagen waren nicht der Auslöser für die Entscheidung des Vereins, auch wenn bei der Lektüre des Rahmenhygienekonzepts für Märkte der bayerischen Staatsregierung wenig besinnliche Stimmung aufkommt. Mit Mund-Nase-Schutz im Einbahnverkehr durch die Gassen schlendernde Besucher, die zueinander eineinhalb Metern Abstand halten, vor den Ständen auf Bodenmarkierungen anstehen und regelmäßig von Desinfektionsmittel umnebelt werden, mag da noch am ehesten vorstellbar sein. Der Verein als Veranstalter wäre jedoch auch dazu verpflichtet, regelmäßig die Einhaltung der Vorschriften von Marktverkäufern und Besuchern zu kontrollieren, Verstöße konsequent zu ahnden und gegebenenfalls Platzverweise zu erteilen. 

„Unserem Anspruch, für alle Marktbesucher und Standbetreiber eine gesundheitliche Gefährdung zu jeder Zeit auf dem gesamten Gelände auszuschließen, könnten wir bei einer Durchführung des Marktes leider nicht gerecht werden“, erklärt der Vereinsvorsitzende Franz Linner. Weil man der Überzeugung sei, dass ein gemeinnütziger Verein der Gemeinschaft nützen sollte, statt sie zu gefährden, habe man sich in Absprache mit Bürgermeister Thomas Holz entschlossen, die Veranstaltung in diesem Jahr abzusagen. „Dass wir das bereits zum jetzigen Zeitpunkt tun und nicht erst kurzfristig, ist in unseren Augen richtig, wichtig und fair“, erläutert Linner. Man wolle den professionellen, teils überregionalen Standbetreibern die Möglichkeit geben, sich frühzeitig anders zu orientieren, begründet er. Damit lag der Verein offenbar richtig, denn laut Linner gibt es bereits erste Rückmeldungen von Standbetreibern, die sich für die klare Information bedanken, die ihnen nun Sicherheit verschaffe. 

„Auch von einigen Bürgern haben wir schon die Rückmeldung erhalten, dass unsere Entscheidung richtig war“, schildert Linner. Wie die Situation in knapp vier Monaten tatsächlich aussieht, kann heute noch niemand abschätzen. Deshalb will Linner derzeit keine Aussage treffen, ob die Absage auch den „Kochler Adventszauber“ einschließt, der an den Adventssamstagen mit einer Handvoll Stände rund um den Fischerbrunnen für weihnachtliche Stimmung sorgt. „Das müssen wir kurzfristig entscheiden, es wäre dann aber kein großer Aufwand“, stellt er fest. Um dennoch Gelder für gemeinnützige Zwecke einnehmen zu können, schwebt den Vereinsverantwortlichen eine alternative Veranstaltung vor. „Ein Pfingstmarkt vielleicht“, meint Linner, der sich aber auf nichts festlegen möchte. cw

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