Ein kleiner Mann im Ohr

Die evangelische Pfarrerin Ursula Schwager wird am Sonntag verabschiedet

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„Der Weggang fällt mir sehr schwer“: Die evangelische Pfarrerin Ursula Schwager verlässt Penzberg nach fünf Jahren und zieht nach Hamburg.

Penzberg – „Ja, der Weggang fällt mir schwer, denn einige Menschen sind mir sehr ans Herz gewachsen.“ Ursula Schwager setzt nach: „Das ist nicht schön, das tut weh.“ Am Sonntag beginnt für die 55-Jährige ein neues Kapitel. Dann wird die evangelische Pfarrerin mit einem Gottesdienst verabschiedet.

Schwager sitzt im Keller des evangelischen Gemeindehauses, mit Blick auf den Garten. Wie unzählige Male zuvor, bei Jugendleitertreffs etwa. Für die Jugend in der evangelischen Kirchengemeinde war sie in den zurückliegenden fünf Jahren die erste Ansprechpartnerin. Und auch wenn sie als überzeugte, flammende Theologin diesen Schwerpunkt ursprünglich gar nicht unbedingt als ihr Ding gesehen hat, lächelt sie, wenn sie nun um ein Fazit zu ihrem Wirken in Penzberg gebeten wird: „Die Reflexion bei den Jugendlichen nimmt nun einen sehr großen Raum ein.“ Verbunden mit der christlichen Idee der Achtung des Menschen, die Schwager den Jugendlichen stets vorgelebt hat, habe der Nachwuchs gelernt, dass es „wichtig ist, nicht nur zu kritisieren um des Kritisierens Willen“. Und so stellt die Pfarrerin fest: „Manche haben nun einen kleinen Mann im Ohr“, der ihnen ohne Unterlass auftrage, nicht andere zu bewerten, sondern sich selbst. „Es ist schwierig, wenn in einer Kirchengemeinde bewertet wird, wie man sein soll und wie nicht.“ Schließlich bringe man sich doch in einer Gemeinde ein, die Gottes Heil verkündet. „Zu sagen, der oder die hat das aber falsch gemacht: Da stimmt dann was nicht.“ Vielmehr sollte der Einzelne dann einmal von sich absehen und Raum geben für die Verschiedenheit der Menschen. 

Schwagers Weggang von Penzberg hat Gründe. Einer davon ist ihr Sohn Ruben. Der 15-Jährige verfügt über ein enormes Tanztalent und wurde an der renommierten Ballettschule von John Neumeier in Hamburg aufgenommen. „Sein Weg ist klar“, sagt Ursula Schwager, und ihrer damit auch, will sie ihren Sohn in Hamburg nicht alleine lassen. Ein Umzug mit Ungewissheiten, denn noch ist nicht klar, wie sie beruflich im Norden Fuß fassen wird. „Das ist alles noch in der Schwebe.“ Dennoch: Ihre berufliche Zäsur mit dem Weggang aus Penzberg war für Schwager unausweichlich. „Die letzten zwei Jahre ist es schwierig geworden“, betont sie. Weitere Details etwa zur Zusammenarbeit mit ihren Kollegen Julian Lademann und Sandra Gassert, klammert sie aus, sagt nur so viel: „Teamarbeit ist nicht schwer, das habe ich in anderen Gemeinden ja auch so erlebt.“ Ihr Stil sei es zudem nicht, eine Ich-bin-der-Chef-Mentalität zur Schau zu stellen. „Mein Stil ist Machtverzicht.“ 

Und der kam durchaus an. So ist es authentisch, wenn Schwager sagt: „Ich fühlte mich sehr anerkannt, auch in der Stadt.“ Sie habe sich wohl gefühlt, die Gemeinde habe sie „offen und warmherzig empfangen“ und geholfen, dass sie sich schnell einleben konnte. Und so lernte sie rasch sehr viele Menschen kennen, „die mir sehr ans Herz gewachsen sind“. Schwager nennt auch hier die Islamische Gemeinde: Das hohe Maß an Interreligiosität sei schon besonders. „Sich mit Menschen auszutauschen, die bereits auf dem Weg sind, den Islam hier zu leben, das war Glück“, sagt sie über ihren Austausch mit Imam Benjamin Idriz. Diesen Austausch auch im Sinne der Ökumene hat Schwager immer vorangetrieben, etwa im Luther-Jahr, als sie mit Idriz und dem katholischen Stadtpfarrer Bernhard Holz auf dem Stadtplatz einen theologischen Diskurs über den Begriff der Freiheit führte. Das Grundsätzliche, der theoretische Überbau, das ist ganz nach ihrem Geschmack. Und deshalb wünscht sie sich für die Kirchengemeinde, die sie nun verlässt, „dass wieder mehr Raum ist für theologische Grundwerte“. Da zitiert Schwager gern auch den Theologen Dietrich Bonhoeffer, der stets die Auffassung vertrat, dass das bloße Richtig-und-gut-machen-wollen gegen den christlichen Glauben verstoße und man sich vielmehr auf den „Schatz des Glaubens konzentrieren“ müsse. 

Wer Ursula Schwager kennt, der weiß, dass sie das weiter tun wird. Egal wo. Ob in Hamburg oder wieder in Bayern. Denn eines merkt sie noch an. „Ich habe einen großartigen Arbeitgeber. Bis mein Sohn 18 Jahre alt ist, darf ich nach Bayern zurückkommen.“ arr 

Verabschiedet wird Pfarrerin Ursula Schwager mit einem Gottesdienst unter Leitung von Dekan Jörg Hammerbacher am Sonntag, 1. März, um 15 Uhr in der Martin-Luther-Kirche. Anschließend gibt es einen Empfang im Gemeindehaus.

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