Leichtathlet mit Luftballon

Tag der Älteren: Auch bei schönem Wetter bleiben viele Stühle in der Stadthalle leer

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Gutschein und Gesundheit: Während Bürgermeisterin Elke Zehetner für den neuen City-Gutschein warb, machte Olympiasieger Klaus Wolfermann Werbung für den Luftballon als Sportgerät.

Penzberg – Hagebutten, Farne und Kastanien liegen auf den moosgrünen Servietten auf den Tischen im Saal der Stadthalle. Dazwischen Blüten, die bereits zu Beginn der Veranstaltung ihre Köpfe hängen lassen, wie auch Siegfried Höfler, der ein wenig enttäuscht auf die leeren Stühle vor der Bühne blickt.

Der Vorsitzende des Penzberger Seniorenbeirats hat sich mehr Besuch beim „Herbstlicht“ am Tag der Älteren erhofft. Der Saal in der Stadthalle wirkt an diesem Tag so groß wie noch nie, nur wenige Senioren haben sich dorthin auf den Weg gemacht, um sich bei Traumwetter zu Kaffee und Kuchen niederzulassen. Bereits im vergangenen Jahr war das „Herbstlicht“ nur mäßig besucht, damals machten viele das Regenwetter für die Misere verantwortlich. Nun scheint die Sonne. „Heute ist der Tag des Kaffees“, sagt Höfler und zitiert damit eine Ankündigung, die er am Morgen im Fernsehen hörte, aber nicht hören wollte. Vom Tag der Älteren sei nicht die Rede gewesen, ärgert sich Höfler, als er die Besucher begrüßt, ehe er einen Rückblick auf die Entstehung des Seniorenbeirats und des Tags der Älteren wagt. Ein Tag, der den gesellschaftlichen Wert der älteren Generation preisen und zugleich auf den demografischen Wandel aufmerksam machen wolle, wie Höfler sagt. Die Menschen werden immer älter, es gibt immer mehr Senioren, auch in Penzberg, und folglich reichlich zu tun für den Seniorenbeirat. Zuletzt organisierte er einen Ausflug nach Nantesbuch, eröffnete in Kooperation mit der Volkshochschule und dem Werk­raum ein Repair-Café und brachte den City-Gutschein auf den Weg, den Bürgermeisterin Elke Zehetner nun in einem symbolischen XXL-Format mit stolzer Miene dem kleinen Publikum präsentiert. Ein Gutschein, mit dem der Beschenkte Kleidung, Sportartikel, Spielzeug, Haushaltswaren und vieles mehr in Penzberg kaufen kann. Auch Wirtschaftsförderin Monique van Eijk lächelt neben der Rathauschefin, denn mit dem Gutschein könne ein „Stück Penzberg“ erworben werden, wie sie meint. Und das Geld bleibt in der Stadt. 

Um die Senioren in der Stadthalle zu halten, dürfte eine solche Werbung freilich nicht ausreichen, weshalb nun Olympiasieger Klaus Wolfermann vor die Älteren tritt, um über sein Leben als Sportler und die Bedeutung von Bewegung im Alter zu sprechen. „Ich hoffe, dass ich nicht ins Palavern komme“, meint der ehemalige Speerwerfer, ehe er mit einer „komprimierten“ Rede, wie er sagt, nach vorne schreitet. Der Vortrag beginnt mit einer Sepia-Fotografie, die auf großer Leinwand Wolfermann als Kleinkind zeigt und erahnen lässt, dass der Vortrag wohl nicht allzu komprimiert sein wird. Rund eine Stunde spricht Wolfermann, über seine Karriere, seine Familie, seine Freunde und all die Sportarten, denen er mit Begeisterung frönte. Dabei lässt er auch hinter die Fassade des muskulösen und disziplinierten Sportlers blicken und erzählt amüsante Anekdoten. 

Nach und nach wird der Saal voller. „Für mich gibt es nichts Schlimmeres als Smoking und Krawatte“, meint Wolfermann beim Blick auf ein Foto, das ihn herausgeputzt und mit einem Blick der Unbequemlichkeit auf einer Preisverleihung zeigt. Um sich im Alter und fernab von Smokings in der Haut wohlzufühlen, predigt Wolfermann, stets in Bewegung zu bleiben, selbst der alltägliche Weg zum Küchenschrank „ist schon Bewegung“, sagt die Speerwurflegende, nimmt einen Luftballon in die Hand und stößt diesen mit den Handrücken immer wieder in die Luft, um mit einem Augenzwinkern zu zeigen, dass Sportgeräte nicht teuer oder schwer sein müssen. Ein Beweis, den im Anschluss auch Karin Sonnenstuhl antritt, die die Senioren bei Stuhlgymnastik ins Schwitzen bringt. ra

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