Knackige Kugeln

Auf Gut Hub kann nun Obst geerntet werden

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Naturprodukt mit Biss: Die ersten Äpfel auf der Streuobstwiese schon gekostet haben Arthur Weiglmeier, Anita Suttner und Andreas Wowra (von links).

Penzberg – Vielleicht fahren sie mal mit den Nüstern über die auf der Wiese liegenden Äpfel, doch fressen wollen die Pferde das Fallobst nicht. Und auch die Kugeln in den Baumkronen wecken kaum das Interesse der Tiere. Umso besser für die Penzberger, die auf Gut Hub nun Obst ernten können.

Ein paar Dellen, fleckiges Rot und braune Stellen. Eine Schönheit ist der Apfel nicht, der an einem der Tafel- und Wirtschaftsapfelbäume auf der Streuobstwiese auf Gut Hub gedeiht. Andreas Wowra kümmert das wenig, er pflückt das Obst und beißt hinein. Es knackt, der Saft läuft aus dem Fruchtfleisch. Der Klimaschutzbeauftragte der Stadt verzieht die Miene. Der Apfel ist noch ein wenig sauer. Nicht alle Äpfel, Birnen und Zwetschgen, die dort wachsen, sind schon erntereif, einige jedoch schon. Welche das sind, das können Penzberger nun eigenhändig herausfinden. 

So tief wie im vergangenen Jahr hängen die Äste der Bäume freilich nicht. Damals trugen sie weitaus mehr und auch größere Apfel. Heuer brauchen die Bäume ein wenig Erholung, meint die städtische Baumpflegerin Anita Suttner. Dennoch hängt reichlich zwischen den Blättern, und die ersten Kugeln sind bereits auf die Erde geplumpst. Doch die Pferde, die die Streuobstwiese beweiden, interessieren sich herzlich wenig für das Obst. Und davon profitieren nun die Penzberger, die die Früchte ab sofort kostenlos aufklauben dürfen. „Von September bis März“ sei die Wiese nun frei zugänglich, sagt Andreas Wowra. Doch Pflücker sollten nicht zu beherzt ans Werk gehen, „in Maßen sammeln, wie beim Schwammerl­suchen“, betont Suttner. Ein wenig kritisch blickt die Baumpflegerin auf die Kronen und meint: „Es fehlen noch Tafeln“. Doch Schilder mit Informationen zu den Sorten sollen schon bald vor den Stämmen stecken. Dazu brauche es aber erst einmal eine Bestandsaufnahme, so Suttner. Immerhin ist es bei den wenigen Bäumen, die 2001 auf die Wiese gesetzt wurden, nicht geblieben. Im Rahmen des 100-jährigen Stadtjubiläums wurden und werden nämlich Bäume in Penzberg gepflanzt, insgesamt 100 Exemplare, unterschiedliche Arten, allesamt gestiftet von Spendern. Unter den gespendeten Pflänzchen befinden sich auch neun Äpfelbäume, die nun auf Gut Hub Licht tanken. 

Dass die Neulinge und der Altbestand gut gedeihen, ist wohl das Verdienst von Bestäubern, denn auf Dünger oder Pestizide werde verzichtet, so der Penzberger Naturfreund Arthur Weiglmeier. Keine polierten Prachtexemplare in Schneewittchenqualität baumeln daher von den Ästen. Ganz natürlich und eigenwillig geformt sind die Äpfel, Birnen und Zwetschgen. Vorsichtig nimmt Weigl­meier eine Kugel vom Baum. „Zwei, drei Wochen brauchen sie noch“, urteilt er. Doch schon jetzt könne man das Obst ernten, denn ein wenig Lagerung schade den Früchten keineswegs, sondern sei ihrem Aroma sogar zuträglich, weiß Weiglmeier. Da sollten sich die Penzberger nun wohl ranhalten, ehe die Pferde doch noch auf den Geschmack kommen. ra

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