Gutes Gewissen am Kiosk

Veränderung von unten: Realschule Schlehdorf als Fairtrade-School ausgezeichnet

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Jetzt haben sie es offiziell: Ina Schicker von der Fairtrade-Steuerungsgruppe Füssen (3. von rechts) überreichte das Zertifikat an das Fairtrade-School-Team, bestehend aus den Schülern Florian Rötzer, Vincent Zander und Ines Müller (von links) sowie den Lehrern Johanna Baier und Philipp Tanzer.

Schlehdorf – Wer in der Realschule in Schlehdorf an Ostern einen Schokohasen verschenkt, der vollbringt in doppelter Hinsicht etwas Gutes. Zum einen freut sich der Beschenkte ein Loch in den Bauch, das die Schokolade wieder füllen kann, zum anderen unterstützt der Schenker den fairen Handel.

Im Mai dieses Jahres hatte sich die Erzbischöfliche Realschule St. lmmaculata um den Titel einer ,,Fairtrade-School“ beworben. Weil alle erforderlichen Kriterien erfüllt waren, wurde der Schule nun offiziell das Zertifikat verliehen. Damit ist sie seit Beginn der Kam­pagne vor sechs Jahren die 650. Fairtrade-Schule in ganz Deutschland und die 227. in Bayern. Auf dem verliehenen Zertifikat will sich das Schulteam aber nicht ausruhen, sondern in Zukunft weitere Aktionen anstoßen, die den fairen Handel unterstützen. 

An fünf Fingern kann man die Kriterien abzählen, die zu erfüllen sind, um eine „Fairtrade-School“ zu werden. Bei der Schlehdorfer Realschule konnte die Fairtrade-Koordinatorin Ina Schicker überall ein Häkchen setzen. So hat nicht nur Schulleiter Manfred Ilitz den sogenannten „Fairtrade-Kompass“ unterzeichnet und sich damit zur Unterstützung des fairen Handels an seiner Schule verpflichtet, sondern es hat sich auch ein Schulteam gegründet, welches sich neben dem Unterricht für die zusätzliche Aufgabe engagiert. Während im Lehrerzimmer fair gehandelter Kaffee geschlürft wird, können sich die Schüler ihre Pause mit fairen Snacks vom Schulkiosk versüßen. Auch in der Mensa werden möglichst viele faire Zutaten verwendet. Das in verschiedenen Unterrichtsfächern wie Erdkunde, Englisch und Hauswirtschaft erworbene theoretische Wissen über die Thematik setzen die Schüler regelmäßig bei Ak­tionen in die Praxis um. Wie etwa am Nikolaustag, an welchem die Kinder sich untereinander mit Fairtrade-Schokoladenmännern überraschen können, genauso wie zum Osterfest mit Schokohasen. 

„Vergessen wir nie, dass dahinter Menschen stecken, die diese Dinge für uns produzieren“, mahnte Schulleiter Manfred Ilitz. Gerade im Zusammenhang mit Umweltschutz und Klimawandel sei es wichtig, dass die Produzenten faire Preise erhielten und von ihrer Arbeit leben könnten. „Ihr tut also was Gutes, wenn ihr Süßigkeiten am Kiosk kauft“, stellte Ilitz fest. Das dürften seine Schützlinge ausgesprochen gerne gehört haben und als triftiges Argument in künftigen Diskussionen mit den Eltern anführen. 

Auch Ina Schicker betonte, dass Fairtrade eigentlich der Normalfall und nicht die Ausnahme sein sollte. Nur durch garantierte Mindestpreise könnten Menschen im sogenannten globalen Süden genug verdienen, um ihre Kinder zur Schule zu schicken und notwendige Einrichtungen wie Schulen und Krankenhäuser zu bauen. Auch dem Klimawandel wirke der faire Handel entgegen, weil er sich vor allem für Kleinbauern einsetze, welche eine ökologisch verträgliche und nachhaltige Landwirtschaft betrieben. „Das Tolle am fairen Handel ist, dass wir über unseren Einkaufswagen mit­entscheiden und die Politik direkt beeinflussen können“, verdeutlichte Schicker. 

Mit ihrem Engagement für Fair­trade machten die Schlehdorfer Schüler jeden Tag vor, wie jeder mit seinem persönlichen Verhalten die Welt ein kleines Stückchen gerechter und fairer gestalten könne. „Damit seid ihr auf einem ähnlichen Weg wie Fridays for Future“, lobte Schicker, denn Veränderung komme von unten. Die Kinder sollten also ihre Anregungen nach oben weitergeben, den Erwachsenen und Politikern zeigen, dass sie eine Veränderung wünschen und auch selbst für eine bessere Welt aktiv werden. 

Bevor sie dem Schulteam das Zertifikat überreichte, bat Schicker darum, diese Auszeichnung als Motivation zu nehmen, den fairen Handel an der Schule weiterhin voranzubringen, beispielsweise mit Fairtrade-Fußbällen oder fairer Schulkleidung. „Nach zwei Jahren wird überprüft, ob noch alle Kriterien erfüllt sind, also lehnt euch nicht zurück, sondern legt erst richtig los“, forderte sie. Neue Pläne hegen die Schlehdorfer bereits: Am Valentinstag wollen sie eine Rosenaktion starten – wiederum eine süße Geschichte, aber ganz ohne Kalorien. cw

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