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Altenpflege-Schule Penzberg: Leiter Stephan Meuß hört auf

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Von: Andreas Baar

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Der Unterrichtsraum bleibt: Stephan Meuß ist künftig Dozent an der Fachakademie für Sozialpädagogik der Rummelsberger Diakonie. © Andreas Baar

Penzberg – An der Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe in Penzberg steht ein Wechsel an. Diakon Stephan Meuß (57) wechselt zum 1. September nach Schwarzenbruck.

Es war zwar ein „Provisorium“, wie er heute sagt, aber der damals 49-jährige Stephan Meuß hatte ein Ziel, als er am 1. September 2014 in Penzberg als neuer Leiter der Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe der Rummelsberger Diakonie anfing: Er wolle die Einrichtung im Seniorenzentrum „Steigenberger Hof“ mehr in das öffentliche Leben der Stadt bringen, sagte er damals dem Pressevertreter. Acht Jahre später schließt sich der Kreis: Diakon Meuß hört Ende August als Schulleiter auf. Der 57-jährige Mittelfranke wechselt als Dozent für die Erzieherausbildung an die Fachakademie im Diakoniesitz im fränkischen Schwarzenbruck. Seine Nachfolgerin wird, wie berichtet, zum 1. September die Penzbergerin Christine Zürr, die zuvor die Pflegeschule der Asklepios Klinik in Bad Tölz geleitet hat.

Das mit dem „Provisorium“ war damals der Tatsache geschuldet, dass der Altdorfer Meuß mehr Zeit für seine Familie haben wollte. Also gab er die volle Stelle als Leiter der Fachschule für Heilerziehungshilfe seiner Diakonie in Ebenried auf, wechselte auf die Halbstagsstelle nach Penzberg und probierte es. „Aus dem Probieren wir mal sind acht Jahre geworden“, schmunzelt Meuß heute. „Ein bisschen Wehmut“ sei schon dabei, wenn er jetzt die Fachschule und Penzberg (dass er bei all der Pendelei gar nicht so genießen konnte) verlässt. „Weil es eine richtig schöne Schule ist“, begründet er diese Wehmut und schwärmt von einer familiären Beziehung in der eher kleineren Einrichtung.

„Mit viel Herzblut“

Bei der jüngsten Verabschiedung der Abschlussklassen (Rundschau berichtete) hörte denn auch Stephan Meuß viel Lob von allen Seiten. Von den Schülern, seinen Kollegen und vom Arbeitgeber. Meuß habe sich „mit viel Herzblut und Kompetenz“ engagiert, würdigte Christian Oerthel, eigens angereister Leiter Fachbereichs „Berufliche Schulen und soziale Studiengänge“ im Diakoniesitz in Rummelsberg den ausscheidenden Schulchef.

Abschied vom Alten

Allzu schwer sei ihm der Schritt nicht gefallen, räumt Meuß danach ein. Das liegt an dem neuen und umfangreicheren Ausbildungskonzept in der Pflege, dass mit seiner Generalistik jenes Meußsche berufliche„Provisorium“ in der Penzberger Schulleitung kaum mehr möglich mache. „In den alten Strukturen ging es“, blickt Meuß zurück. Die zehn Absolventen der dreijährigen Altenpflege-Ausbildung an der Penzberger Berufsfachschule heuer waren der letzte Jahrgang, der in den Genuss der klassischen Ausbildung kam – ab dem nächsten Schuljahr erfolgt diese generalistisch mit vielen verschiedenen Themenfeldern.

Gerade die Einführung des neuen Konzepts „hat Kraft gekostet“, räumt der scheidende Schulleiter ein. Neue Lehrpläne und Ausbildungsinhalte, mehr schulischer und organisatorischer Aufwand. Und das alles im laufenden Schulbetrieb. „Wir mussten das aufbauen ohne Ressourcen zu kriegen“, übt er im Nachgang Kritik an Gesetzgeber und Politik.

In diesem Zusammenhang merkte Meuß aber, in wie weit er seinem anfängliche Ziel – die Fachschule mehr in das Bewusstsein der Stadt zu bringen – näher gekommen war. „Die Pflegeakteure vor Ort waren ganz beeindruckend“, erinnert er sich an die gute Zusammenarbeit der Beteiligten – sei es Klinikum oder Arztpraxen, die beiden Seniorenzentren Steigenberger Hof und AWO, die ambulanten Pflegeanbieter gewesen. Sie hätten „bereitwillig“ die Entwicklung unterstützt und beim Aufbau der neuen Ausbildung mitgeholfen. Meuß lobt aber auch die „gute Zusammenarbeit“ mit „Passgenau“, dem regionalen Berufsorientierungsprojekt für die Jugend, das vom Penzberger Familienzentrum Arche Noah getragen wird. Auch bei der Penzberger Berufsmesse war die Altenpflege-Fachschule vertreten. Noch so ein Mosaikstein im Bemühen von Meuß, seine Einrichtung in die Stadt zu bringen. Und ein positives Fazit: „Penzberg hat alles, um Pflege gut und gemeinsam ausbilden zu können.“

Mahnender Blick in Zukunft

Nur bei einem hätte sich der scheidende Schulleiter mehr aktives Zukunftsdenken gewünscht. Im Zuge der neuen generalistischen Ausbildung seien auch „Ausbildungsverbünde“ vorgesehen, wie Meuß sagt. Es geht um die Pflegefachschulen in der Region Weilheim-Schongau, Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach. Neben den Schulen seien Pflegedienste und Kliniken mit im Boot. Aber die einmalige Anschubfinanzierung läuft Ende des Jahres aus, mahnt Meuß, die Zukunft sei unklar. Dabei sei solch eine Vernetzung in der Branche so wichtig, wirbt er. Der „Rummelsberger“-Vertreter hat eine klare Meinung wie es mit der Unterstützung dieser Verbünde weiter gehen soll: „Das wäre eigentlich eine Pflichtaufgabe von den Landkreisen.“ Die Entwicklung im Oberland wird sich Diakon Stephan Meuß sicher aufmerksam von Mittelfranken aus anschauen.

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