Bauausschuss entscheidet

Alter Schlachthof in Penzberg: An Abriss wird nicht gerüttelt

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Ortstermin im ehemaligen Schlachthof.

Penzberg – Es bleibt dabei: Die Stadt Penzberg reißt den ehemaligen Schlachthof an der Karlstraße ab. Der Bauausschuss sah keinen Grund, den Stadtratsbeschluss vom August 2020 zu kippen. Daran änderte auch ein Ortstermin nichts.

Es ist kalt und feucht in dem Gebäude. Auf dem Boden liegen Mauerziegel und Glassplitter. An den Wänden klaffen Löcher und die Tapete hängt herunter. Traurig baumelt eine Lampe in einem Zimmer der ehemaligen Wohnung im Obergeschoss. Die Besucher gehen vorsichtig die knarzende Holztreppe hinauf. Ortstermin ist angesagt. Vertreter von Verwaltung, Bauausschuss und Penzberger Denkmalverein besichtigen den ehemaligen Schlachthof. Das Gebäude an der Karlstraße, von 1899 bis 1970 in Betrieb, stand nach dem Auszug der Wäscherei die vergangenen Jahre leer. Die Stadt will es abreißen und das Areal anderweitig nutzen. Der Stadtrat hatte dem Vorhaben 2020 mehrheiltich zugestimmt. Provisorisch soll auf dem Gelände ein Parkplatz entstehen.

Der Schlachthof ist ein Sanierungsfall.

Widerstand des Denkmalvereins

Doch gegen den Abriss regt sich Widerstand des Denkmalvereins um seinen Vorsitzenden Max Kapfer (Rundschau berichtete). Beim Ortstermin ist schnell klar: Der Bürgermeister hält von einem Erhalt nichts. „Es ist keinerlei Dämmung vorhanden“, erklärt Stefan Korpan (CSU). Und ergänzt: „Man müsste die Böden herausreißen.“ Auch neue Wände, Fenster und Installationen seien nötig. Vom Brandschutz nicht zu sprechen. „Da sind Altlasten drin“, sekundiert der altgediente Stadtrat Ludwig Schmuck (CSU). Er verweist auf asbesthaltiges Material, das verbaut worden sei. Zudem habe die Feuchtigkeit Salpeterspuren hinterlassen. „Das bringst du nie raus.“ Eine Sanierung, ist sich Schmuck sicher, wird nur eines: „extrem teuer.“ An dieser führt kein Weg vorbei, macht Stadtbaumeister Justus Klement klar: „Das Hauptgebäude ist nicht nutzbar.“

Schutthaufen im Treppenhaus.

„Geniales Ensemble“

Argumente, die bei den Denkmalschützern nicht ziehen. Günther Pfannkuch schwärmt von einem „absolut genialen Ensemble“, dass gerade für die Jugend genutzt werden könne. Pfannkuch träumt von einem „wunderbaren Flair“ in dem Stadtbereich. Vereinschef Kapfer will zumindest einen Aufschub: Er fordert ein fachliches Gutachten, wie man die Immobilie erhalten kann. Die Stadt möge „die Chance nicht verpassen und keinen Schnellschuss machen“. Unter den Stadträten herrscht durchaus Verständnis für den Wunsch, ein Stück Penzberger Geschicht zu erhalten. Aber: „Das Ganze muss irgendwie finanzierbar sein“, gibt Hardi Lenk (SPD) zu Bedenken. Auch Armin Jabs (BfP) bringt die Finanzen ins Spiel: Der Spielraum ist nicht groß, warnt er. Angesichts Corona-bedingter Steuerausfälle „ist unser Budget erschöpft“.

Bauausschuss ist einstimmig

Später in der Bauausschuss-Sitzung gibt es keine Debatte mehr. Eine Sanierung lohne sich nicht und es sei besser, „deutlich mehr Wohnraum zu schaffen“, bekräftigt Bürgermeister Korpan. Am Ende fällt der Beschluss einstimmig: Die Räte sehen keinen Grund, von dem Abriss-Beschluss abzurücken. Andreas Baar

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