Mehr Bewegung und viel Demokratie

Eltern wollen in Penzberg als Montessori-Alternative eine Aktive Schule gründen

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Rührt die Werbetrommel für die Aktive Schule: Juliane Malik (rechts).

Penzberg – Ohne Zwang lernen, und wenn der Körper zwischendurch Bewegung will, dann soll er diese auch bekommen. Das ist der Plan, den nun einige Penzberger Eltern für Schüler schmieden. Dafür wollen sie eine Aktive Schule gründen, die sich an den Grundzügen der Montessori-Pädagogik orientiert.

Finden sich genügend Eltern und Schüler und spielt die Regierung von Oberbayern mit, dann könnte es im September neben der Montessori-Schule noch eine zweite private Grundschule in Penzberg geben. Nach dem Vorbild in Petershausen nördlich von München will eine Gruppe engagierter Eltern, die vor allem aus dem Umfeld des Waldkindergartens stammen, auch in Penzberg eine Aktive Schule gründen. Gerade ist Juliane Malik, die Mutter einer Tochter aus dem Waldkindergarten, dabei, die Werbetrommel für dieses Projekt zu rühren, „wir benötigen neben Schülern natürlich auch Lehrer, Erzieher und Sozialpädagogen“. 

In den vergangenen Wochen haben die Eltern im Hintergrund bereits sehr intensiv gearbeitet und die ersten Voraussetzungen für eine Schulgründung geschaffen: Es wurde der Trägerverein „ErLe“ gegründet und mit dem ehemaligen Gebäude der Montessori-Schule neben dem Norma-Markt im Gewerbegebiet Am alten Bahnhof auch ein möglicher Standort gefunden. „Wir haben aber noch keine Verträge unterzeichnet“, betont Malik. Das Konzept, das der Aktiven Schule zugrunde liegt, stammt weitgehend von Yvonne Schmerbeck, der Leiterin des Waldkindergartens. Vor mehr als zehn Jahren hatte sie schon einmal versucht, eine derartige Schule in Penzberg zu gründen. Nach langwierigen gerichtlichen Auseinandersetzungen mit der Regierung von Oberbayern, die das Projekt partout nicht genehmigen wollte, hatte man entnervt aufgegeben. Eine Elterninitia­tive in Petershausen hat einige Zeit später dann das Penzberger Konzept übernommen und schließlich im Jahr 2009 auch den behördlichen Segen erhalten. 

Jetzt also Anlauf Nummer zwei, wobei Malik und ihrer Mitstreiterinnen auf die Unterstützung der Stadt zählen können. „Wir wurden im Rathaus mit offenen Armen empfangen“, so Malik, für Bürgermeisterin Elke Zehetner wäre die Aktive Schule „eine Bereicherung der Schullandschaft in Penzberg“. Allerdings sind die ersten Rückmeldungen der Regierung von Oberbayern nicht unbedingt positiv ausgefallen: „Es ist ein Wahnsinn, wie einem da Steine in den Weg gelegt werden“, schüttelt Malik den Kopf. Dabei orientiert sich das Konzept der Aktiven Schule im Wesentlichen an den Grundzügen der Montessori-Päda­gogik, die wiederum, im Gegensatz zum staatlichen Schulsystem, auf die Freiwilligkeit der Schüler beim Lernen setzt. Allerdings legt die Aktive Schule den Fokus mehr auf die Bewegung, was bedeutet: „Die Kinder können jederzeit Fußball spielen, wenn sie das möchten, denn sie holen sich ihre Arbeit selber ab“, so Malik. Ein weiterer Gegensatz zu Montessori: Jeden Morgen kommt der Klassenrat zusammen, um über Probleme und Projekte zu beraten und anschließend, ganz demokratisch, eine Mehrheitsentscheidung zu treffen. 

Die Aktive Schule, so Malik, werde um 8 Uhr öffnen, der Unterricht soll bis 14.30 Uhr laufen, die Kinder aber bis 16 Uhr betreut werden. Während dieser Zeit gibt es Frühstück und Mittagessen. Das Schulgeld soll monatlich zwischen 200 und 300 Euro betragen, „wobei wir eine sozialverträgliche Staffelung anstreben, weil wir keinen abweisen möchten“, sagt Juliane Malik. Bei einem für den Februar geplanten Informationsabend wollen die Eltern und Vertreter des Trägervereins dann weitere Einzelheiten bekanntgeben. Unter anderem darüber, dass zunächst mit einer gemischten Klasse für die Jahrgangsstufen 1 bis 3 gestartet und bei entsprechender Akzeptanz auch das Angebot einer weiterführenden Schule bis zum Abi­tur installiert werden soll. 

Wer sich für die Aktive Schule inte­ressiert, kann sich per E-Mail an ­juliane­.aktiveschule@gmx.de wenden. la

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