Überall die Finger drin

Ex-Bürgermeister Michael Bernwieser zieht Bilanz

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In der Ahnengalerie ist noch ein Platz frei: Seeshaupts frisch aus dem Amt geschiedener Bürgermeister Michael Bernwieser vor den Portraits seiner Vorgänger.

Seeshaupt – Es sollte seine letzte Amtshandlung werden, die Durchführung der 25. Gedenkfeier am 30. April. Einen Tag später würde dann, so war es geplant, Fritz Egold die Nachfolge von Michael Bernwieser als Seeshaupter Bürgermeister antreten. 

Egold amtiert inzwischen als Rathauschef, doch Bernwieser schied gewissermaßen sang- und klanglos aus dem Amt, die Feuerstunde am Mahnmal wurde wegen Corona abgesagt. „Na ja, da kann man nichts machen“, sagt Bernwieser und zuckt mit den Schultern, „wir leben gerade in einer außergewöhnlichen Zeit.“

Außergewöhnlich war auch sein Start als Bürgermeister: Bernwieser, der gelernte OP-Pfleger aus Magnetsried, der für die PFB antrat, wurde am 4. März 2008 mit fast 90 Prozent der Stimmen zum ersten Mann in der Gemeinde am See gewählt. Sein Amt musste er aber schon kurz darauf und nicht erst am eigentlich dafür vorgesehen 1. Mai antreten, da der damalige Bürgermeister Hans Kirner schwer erkrankt war. Bernwieser folgte damit einer familiären Tradition mit mehreren Bürgermeistern und Gemeinderäten, die Kommunalpolitik war ihm also schon in die Wiege gelegt: „Die Arbeit für eine Gemeinde hat mich angetrieben. Erst Gemeinschaft, dann Individuum, nicht Macht, sondern Verantwortung war immer meine Devise“, sagt er. 

Im Laufe seiner zwei Amtszeiten schaffte Seeshaupt wertvolle Dinge für die Infrastruktur, und Bernwieser hatte überall die „Finger drin“: Kinderhaus und Sportzentrum, Seniorenzentrum mit Tagespflege, Ausbau der Wasserversorgung und Straßenbau, Schaffung von Bauplätzen für Einheimische, Ausbau und Modernisierung von Schule und Kinderspielplätzen, Sanierung von Campingplatz und Bauhof. Als eine der ersten Gemeinde in Bayern erhielt die Gemeinde am See vom damaligen Finanzminister Markus Söder einen Zuschuss von 750.000 Euro für den Breitbandausbau. Ein Wermutstropfen aber trübt seine persönliche Erfolgsbilanz: In der Frage nach Umbau oder Neubau des Feuerwehrhauses fühlte sich Bernwieser vom Gemeinderat immer wieder blockiert. 

Nach den Höhepunkten seiner Amtszeit gefragt, erinnert sich Michael Bernwieser vor allem an die Taufe der MS Seeshaupt im Jahr 2012: „Das war ein historischer Tag und eine Gemeinschaftsleistung der Bürger unter Mithilfe der Partnergemeinden Krzyzanowice und Saint-Trojan-les-Bains.“ Bei der Abstimmung der namensgebenden Gemeinde lag das kleine Seeshaupt mit absoluter Mehrheit vor Tutzing und Pocking, was den damaligen Finanzminister Kurt Faltlhauser zu der Frage drängte, ob denn angesichts der vielen Stimmen aus Polen und Frankreich bei dem Votum auch alles mit rechten Dingen zugegangen sei. „Das ist halt gelebte Partnerschaft“, grinst Bernwieser. 

Am Ende seiner Amtszeit stand dann aber noch eine Geschichte, die ihn schwer betroffen gemacht hat: der Vorwurf, er habe der Gemeinde wegen der Aufhebung des Bebauungsplanverfahrens für das Gärtnerei-Quartier aufgrund eines Formfehlers einen Millionen-Schaden verursacht. Das will er nicht auf sich sitzen lassen, „denn solche Entscheidungen kann ein Bürgermeister gar nicht alleine treffen,das kann nur der Gemeinderat“. Außerdem wird der Bebauungsplan jetzt neu erstellt und dann das Verfahren abermals gestartet, „so dass der Gemeinde auch kein Schaden entsteht“. 

Alles in allem überwiegen bei ihm aber die positiven Erinnerungen: Bernwieser ist stolz, zusammen mit den scheidenden Gemeinderäten ihren Nachfolgern „ein gemachtes Nest“ übergeben zu können. Nun ist Zeit für die Familie, für Frau Monika, die beiden Töchter und das neue Enkelkind. Langweilig wird es ihm nicht werden und ganz ohne Ehrenamt geht‘s ohnehin nicht: Seinen beiden Lieblingsvereinen, der Feuerwehr Magnetsried, bei der er seit über 30 Jahre tätig ist, und dem Trachtenverein d‘Würmseer, wo er es vom Vorplattler bis zum Ehrenvorsitzenden geschafft hat, bleibt Bernwieser natürlich treu. Und als Kirchenpfleger kümmert er sich ferner um die Belange der Kirchengemeinde Magnetsried/Jenhausen. fw

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