Den Dschungel lichten

Podiumsdiskussion der Grünen über den größten Pflegedienst der Republik

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Unterstützung, Überforderung, Unübersicht: Pflegende Angehörige standen im Zentrum der Podiumsdiskussion.

Penzberg – Es ist ein Thema, das kaum einem erspart bleibt, früher oder später, am eigenen Leib oder an dem eines Angehörigen: Pflege. Diese stellten nun die Penzberger Grünen in den Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion, bei der es um pflegende Angehörige als größter Pflegedienst der Republik ging.

Ulrich Welzel, einer jener, die für die Grünen in den Stadtrat streben, wollte gleich zu Beginn wissen, wer unter den 50 Zuhörern schon einmal einen Angehörigen gepflegt hat oder noch immer pflegt: Rasch schnellten rund 25 Hände nach oben. Welzel, der sich beruflich wie ehrenamtlich der Pflege widmet, moderierte gemeinsam mit seiner Kandidatenkollegin Ingrid Hauptmann die Diskussion, bei der auch aufgezeigt wurde, mit wie wenig Unterstützung pflegende Angehörige oftmals auskommen müssen, dafür aber mit viel Überlastung zu kämpfen haben. Dabei war der Pflegedschungel, in dem Betroffene ohne fremde Hilfe kaum hindurchfinden, ein Thema das sich den ganzen Abend durchzog. Und von welchem Pflegeberaterin Ricarda Grüning vom MDK Bayern ebenso ein Lied singen konnte wie Marianne Nickl, die ein zehnjähriges Kind pflegt und beweist, dass Pflege keine Frage des Altes ist. 

Wie sich Job und Pflege vereinbaren lassen, darüber sprach Andreas Kurz von der Herzogsägmühle. Arbeitgeber, so führte er aus, müssten eine zehntägige Freistellung garantieren können, und auch eine Wiedereingliederung sollte dem Arbeitnehmer im Falle eines Pflegefalls gewährleistet werden können. Derzeit, so Kurz, gebe es in seinem Unternehmen Bestrebungen eine betriebliche Tagespflege aufzubauen. Tagespflege, ein rotes Tuch in Penzberg. 

Darüber wird in Penzberg schon lange ergebnislos gesprochen. Dabei hätte eine Tagespflege beim derzeitigen Bedarf von 34 Vollzeitplätzen längst umgesetzt werden müssen. Kerstin Engel, Bürgermeisterkandidatin der Grünen, plädierte deshalb für den raschen Aufbau einer Tagespflege und erklärte, dass die Stadt nicht umhin komme, dem jeweiligen Träger eine finanzielle Unterstützung zu gewährleisten. Mit den immer wieder genannten 34 Vollzeitplätzen „könnten 90 Personen betreut und Familien entlastet werden“, sagte Welzel, der an diesem Abend Gesichter aus der Politik vermisste, die sich die Tagespflege ebenfalls ins Wahlprogramm geschrieben haben. Dass nicht nur in der Politik, sondern auch in der Gesellschaft „mehr Anstrengungen von Nöten seien, um den Pflegedschungel zu lichten“, betonte auch der Grünen-Landtags­abgeordnete Andreas Krahl. ra

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