Das Idyll belassen, wie es ist

Beim Ortsteilfest plädiert Bauer Marketsmüller dafür, St. Johannisrain nicht zu verändern

+
Vor der malerischen Kulisse der Kirche St. Johann wurde eine Andacht unter freiem Himmel gefeiert.

Penzberg – Die Stadt feiert sich selbst – und das an ihren Ursprüngen: Zum Ortsteilfest in St. Johannisrain im Rahmen des 100-jährigen Stadtjubiläums stellte sich Kaiserwetter ein und hunderte Bürger erlebten eine angenehm bescheidene, dem Jubiläum würdige Feier.

Wer nach St. Johannisrain mit dem Auto wollte, hatte Pech gehabt, denn auf der Straße, die durch den Weiler führt, waren Biertischgarnituren aufgestellt, genau dort, wo der Blick so einzigartig ist: am Zugang zur Kirche St. Johann, mit dem Blick aufs Kochelseemoor und die Alpenkette. Doch bevor dieses Idyll genossen werden konnte, stand zunächst das offizielle Programm an: An der Mauer zum Anwesen der Familie Marketsmüller wurde die neue Ortstafel enthüllt. 

Bürgermeisterin Elke Zehetner dankte zusammen mit ihren beiden Stellvertretern Johannes Bauer und Ludwig Schmuck dem St. Johannisrainer Hermann Marketsmüller, dass er die Tafel an der Wand seines Hofes ermögliche. Der Landwirt selbst nutzte die Gelegenheit und plädierte dafür, diesen südlichsten Zipfel von Penzberg, der als Ursprung der Stadt gilt, so zu belassen, wie er ist. „Wir müssen diesen schönen und einmaligen Ortsteil einfach erhalten“, sagte er. Damit spielte er auf die erst jüngst vom Stadtrat verworfenen Pläne an, auf einer grünen Wiese in St. Johannisrain kleine Chalets zu errichten. Marketsmüller, der inzwischen seit 26 Jahren den Hof führt, habe gelernt, wie er sagte, dass die Natur nicht einfach so verändert werden dürfe und auch könne. „Wir Menschen sind nicht beschenkt, die Umgebung einfach so zu verändern“, sagte er. Das bestimme schlicht die Natur selbst, „wir sollten sorgsam mit ihr umgehen“. Und noch was wünschte sich Marketsmüller: Dass die politische Diskussion in Penzberg wieder sachlicher werde. Dennoch lobte er die lebhafte Streitkultur. „Denn Probleme werden dadurch gut mit Argumenten durchleuchtet.“ 

Tom Sendl, der Vorsitzende der Kulturgemeinschaft, erinnerte an die alte Tafel, die an gleicher Stelle vor 25 Jahren anlässlich der Feierlichkeiten „75 Jahre Stadterhebung“ von Altbürgermeister Kurt Wessner enthüllt wurde. Den einstigen Text von Ehrenfried Mock habe nun Johannes Bauer etwas überarbeitet. Sodann schritten die drei Bürgermeister mit Hermann Marketsmüller und Tom Sendl zur Enthüllung der neuen Tafel unter den wachsamen Augen von Stadtpfarrer Bernhard Holz und seines Amtsbruders Peter Seidel aus Habach. Denn der zeichnet aus kirchlicher Sicht verantwortlich für das Kleinod St. Johann. Ein loser Festzug führte schließlich zu der kleinen Kirche, wo eine Freiluftandacht gefeiert wurde. 

Pfarrer Holz erinnerte in diesem Rahmen an die Symbolik der Kirche: Der Spruch „Ecce Agnus dei“ (Sieh, das Lamm Gottes) werde oft mit Abbildungen von Johannes dem Täufer dargestellt. Das Lamm, Opfertier im Alten Testament, finde sich auch im Stadtwappen der Stadt – als Hinweis auf Johannes den Täufer und dadurch als Symbol für den Ortsnamen St. Johannisrain. Die kleine Kirche war dann auch Thema bei den Vorträgen, die später Bertin Butz vor einigen Interessierten hielt. Butz und die Familie Sonner erhielten im Jahr 2012 übrigens die Denkmalschutzmedaille des Freistaates Bayern für ihr Engagement bei der Renovierung der Kirche, die als Baudenkmal eingestuft ist. dd

Auch interessant

Meistgelesen

Schüler und Senioren mit Jahreskarte werden von der RVO gratis durch das Oberland kutschiert
Schüler und Senioren mit Jahreskarte werden von der RVO gratis durch das Oberland kutschiert
Bad Heilbrunner CSU präsentiert ihre Kandidaten für den Gemeinderat
Bad Heilbrunner CSU präsentiert ihre Kandidaten für den Gemeinderat
Gewinnen Sie 6 Tage zu zweit im 4*S Verwöhnhotel am Achensee
Gewinnen Sie 6 Tage zu zweit im 4*S Verwöhnhotel am Achensee
Geh- und Radweg zwischen Ried und Pessenbach offiziell eröffnet
Geh- und Radweg zwischen Ried und Pessenbach offiziell eröffnet

Kommentare