Viel Lärm und kein Entkommen

Lautstarke Rekultivierungsarbeiten in der Antdorfer Kiesgrube belasten Anwohnerin aus Iffeldorf

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Die Iffeldorferin Lydia Eberhard wohnt nahe der Antdorfer Kiesgrube, die gerade unüberhörbar rekultiviert wird.

Iffeldorf/Antdorf – Als sie damals nach Iffeldorf zog, da glaubte Lydia Eberhard, den Lebensabend in ihrem Haus nahe dem Gewerbegebiet in Ruhe verbringen zu können. Doch die Arbeiten in der nahe gelegenen Kiesgrube belasten die 69-Jährige. Gerade jetzt.

Während Eberhard derzeit ihr Dasein im Haus und in Isolation fristen muss, wird im Areal vor ihrer Tür lautstark gearbeitet, um die Rekultivierung gemäß den Auflagen zum Kiesabbau voranzutreiben. Nun hofft Eberhard durch ein Schreiben die ersehnte Ruhe zu finden. 

Dass die Ausgangsbeschränkungen an den Nerven zerren, steht wohl außer Frage. Sowohl an den Nerven derer, die raus müssen, um ihrem Job unter Stress und mit vielen Überstunden nachzugehen, als auch an den Nerven derer, die raus wollen, aber nicht dürfen. Zu Letzteren zählt Lydia Eberhard. Die 69-jährige Iffeldorferin kann ihr Haus nicht verlassen, „ich bin Risikopatientin in vierfacher Hinsicht und brauche dringend Ruhe“, schreibt die Iffeldorferin in der Hoffnung auf mehr Rücksicht an die in der Grube arbeitende Firma Fiechtner Erdbau aus Dürnhausen. Durchschläge des Schreibens schickte Eberhard auch an das Landratsamt Weilheim-Schongau, an Antdorfs Bürgermeister Klaus Kostalek sowie Iffeldorfs zweiten Bürgermeister und künftigen Rathauschef Hans Lang. 

Die Erdbau-Firma ist gerade dabei, die Kiesgrube zu rekultivieren. „Es werden Pflanzen und Bäume gesetzt“, erläutert Firmenchef Alois Fiechtner seine Sicht der Dinge in einem Schreiben an das Landratsamt. Nicht nur die Bepflanzung dürfte künftig für Lärmschutz sorgen, glaubt Fiechtner, sondern auch weitere, bereits erfolgte Maßnahmen: „Wir haben in den letzten Wochen zum einen den Lärmschutzdamm versetzt, der Frau Eberhard nun besseren Schutz gewährt, wie auch den Weg“, schreibt Fiechtner. Und die Rüttelarbeiten, bei denen laut Eberhard „Schallwellen sogar durch das geschlossene Fenster“ ins Haus dringen, seien „vorläufig beendet“. Trotz der Rücksichtnahme lässt Fiechtner eines nicht unerwähnt: Eberhards Haus befinde sich „nicht in einem Naturschutzgebiet, sondern anschließend an Gewerbegrund“, und dass dort „mit ungeliebtem Lärm gerechnet werden muss“, hätte Eberhard beim Grundstückserwerb wissen müssen. Ob gewusst oder nicht, die Frau leidet. „Durch die vorgeschriebene Ausgangsbegrenzung kann ich mein Zuhause nicht verlassen, jedenfalls nicht für zehn bis zwölf Stunden“, so die 69-Jährige. 

Der Lärm sei „arbeitsspezifisch“, beschreibt Antdorfs Rathauschef Klaus Kostalek die akustische Lage in der Grube. Die Arbeiten „entsprechen den gesetzlichen Normen“ und seien erforderlich, damit sich „die Gemeinde weiterentwickeln kann“. Zwar könne er den „Beweggrund“ der Anwohnerin verstehen, „jedoch wird die Gemeinde ihre Entwicklungsziele nicht von persönlichen Wünschen einzelner Bürger abhängig machen können“. 

Ein wenig mehr Verständnis für die Situation der Anwohnerin zeigt Iffeldorfs zweiter Bürgermeister Hans Lang: Obgleich die Grube auf Antdorfer Flur liege, sei er mit der Angelegenheit vertraut. Das Erdbau-Unternehmen habe Maßnahmen ergriffen, um den Lärm zu reduzieren, weiß auch Lang. Dennoch: „Ich verstehe Frau Eberhard“, sagt er, der durchblicken lässt, nach Gesprächen mit der Iffeldorferin nicht nur deren Lage, sondern auch Verfassung gut zu kennen. 

Eine Lösung an der Kiesgrube scheint aber nicht in Sicht. So schnell werde der Betrieb nicht eingestellt, so Lang. Das glaubt auch Eberhard nicht: Die Rekultivierung hätte schon vor zwei Jahren abgeschlossen sein sollen und ein erneuter Kiesabbau sei durch den Antdorfer Gemeinderat bereits genehmigt. ra

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