Grüße aus Madagaskar

„Das Blaubeerhaus“ wird mit dem „Penzberger Urmel“ ausgezeichnet

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Und die Hände zum Himmel: Die Kinderjury zeichnete das Buch „Das Blaubeerhaus“ mit dem „Penzberger Urmel“ aus. Weil Autorin Antonia Michaelis derzeit auf Madagaskar ist und die Gala in der Stadthalle schwänzte, nahmen den Preis ihre Mutter Ingrid und Illustratorin Claudia Carls in Empfang.

Penzberg – Wie hat sich die Verleihung des Kinder- und Jugendliteraturpreises „Penzberger Urmel“ entwickelt: Feierte man vor ein paar Jahren in der Tenne von Gut Hub die Premiere, so erwies sich die achte Auflage in der Stadthalle als eine durchgetaktete Gala, wie man sie aus dem Fernsehen kennt.

Mit einem kleinen, aber feinen Unterschied: Im Fernsehen hätte Antonia Michaelis, die zusammen mit Illustratorin Claudia Carls von der 16-köpfigen Kinderjury für ihr Buch „Das Blaubeerhaus“ ausgezeichnet wurde, wohl kaum geschwänzt. Eine Preisverleihung ohne der Person, welcher der Preis verliehen werden soll, ist immer eine etwas merkwürdige Angelegenheit. Da half es auch nichts, dass Antonia Michaelis, die sich derzeit auf Madagaskar in einem Hilfsprojekt für Kinder engagiert, ihre Mutter Ingrid geschickt hatte, um das Urmel in Empfang zu nehmen. Naja, ein wenig verwackelt und mit nach oben gerissenen Armen war die Preisträgerin dann doch noch zu sehen: in einer Videobotschaft aus Madagaskar, in der sie sich für die Auszeichnung bedankte und erklärte, dass sie das Preisgeld in Höhe von 2.000 Euro in ihr aktuelles Hilfsprojekt stecken werde. Mit der Illustratorin Claudia Carls war wenigstens eine da, die aktiv am Entstehen des Buches beteiligt war. Sie freute sich erkennbar, dass auch ihre in Schwarz-Weiß gehaltenen Bilder mithalfen, das „Blaubeerhaus“ so zu gestalten, dass es eben die Kinderherzen überzeugte. 

Dass irgendwann an diesem Abend keiner mehr über die fehlende Preisträgerin sprach, lag nicht zuletzt am ganz eigenen Urmel-Konzept, das seit jeher darauf setzt, Kindern eine ganz entscheidende Rolle bei der Zuteilung der Auszeichnung zu gewähren. Darüber entscheiden nämlich keine ge- und verbildeten Erwachsenen, die glauben, zu wissen, was für den Nachwuchs pädagogisch wertvoll ist, sondern eine Kinderjury mit Jungs und Mädchen zwischen zehn bis dreizehn Jahren wühlt sich durch zehn vorher ausgewühlte Bücher, über die dann gemeinsam geurteilt wird. Dass am Ende dieses Prozesses das „Blaubeerhaus“ als Sieger feststand, war ein hartes Stück Arbeit, denn es gab ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit einem zweiten Titel, dessen Name aber so gut gehütet wird wie das Geheimnis, dem die zehnjährigen Leo und Imke während der Ferien im Haus ihrer verstorbenen Tante auf der Spur sind. Auf die Bühne durften auch zwei Schulklassen, die im Vorfeld für ihre Interpretationen von jeweils einem der zehn Finalbücher ausgezeichnet worden waren: die ehemalige 3c der Grundschule an der Birkenstraße sowie die ehemalige 5e des Gymnasiums, die beide mit kleinen Video-Filmen überzeugt hatten. Die Filme wurden in der Stadthalle nun nochmals vorgeführt, so dass jeder sehen konnte, mit welch großer Begeisterung sich die Kinder mit den Büchern und der Präsentation beschäftigten. 

Dann aber standen die Preisträger im Fokus, und Max Kruse, der bis zu seinem Tod in Maxkron gelebt und mit seinem unsterblichen Urmel den Anstoß zu diesem Literaturpreis gegeben hat. Das „Urmel“ habe auch Antonia Michaelis geprägt, sagte ihre Mutter, „das haben wir ihr immer vorgelesen“. Irgendwann habe das Kind dann auch mal selbst ein Kinderbuch schreiben wollen. Und obwohl sie später Medizin studierte, habe das Schreiben bei ihr immer an erster Stelle gestanden. Antonia Michaelis schreibt allerdings nicht nur Kinderbücher, sie verfasst auch Belletristik und Theaterstücke. 

Mit einem Erweckungserlebnis durch das „Urmel“ kann Claudia Carls nicht dienen. „Meine Liebe zu Büchern ging in meiner Kindheit mit Astrid Lindgren los“, bekannte die Illustratorin. Daneben seien auch Comics im Bücherregal gestanden, später dann, als Kontrastprogramm, „Die Elenden“ von Victor Hugo. Beim „Blaubeerhaus“ schließlich habe sie von Anfang an viel Spaß gehabt, so Carls. „Mit dem Text habe ich mich gleich verbunden gefühlt“, sagte sie und merkte an: „Jeder von uns wünscht sich doch ein Blaubeerhaus im Wald.“ 

Viel Lob für die Preisträger als auch für die Kinderjury gab es dann von Sebastian Graban von der Sparkasse, der sagte: „Ich muss das Buch gleich meinen Kindern mitbringen.“ Und Bürgermeisterin Elke Zehetner meinte: „Schade ist eigentlich nur, dass das Penzberger Urmel nur alle zwei Jahre verliehen wird und nicht jährlich.“ arr

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