Tribunal im Bus

Altes Pumpwerk Maxkron: Alexander Lachmuth wird jetzt auch aus der Luft kontrolliert

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Drohnen sollen prüfen, was auf dem Gelände des alten Pumpwerks passiert oder eben nicht.

Penzberg – Wäre draußen noch rasch ein Scheiterhaufen aufgerichtet worden, man hätte sich nicht gewundert. Drinnen, im Omnibus, entspann sich eine als Anwohnerversammlung getarnte Veranstaltung, die historisch sattelfeste Zeitgenossen mitunter an die mittelalterliche Inquisition erinnerte.

Hätte es den Scheiterhaufen gegeben, die Maxkroner hätten wohl einen draufgemacht, wäre Alex­ander Lachmuth dort gelandet. Der Garten- und Landschaftsbauer, der das Nutzungsrecht für die Fläche des ehemaligen Pumpwerks hat, ist in Maxkron ein rotes Tuch, seit er mit schwerem Gerät unterwegs ist und innerhalb der umzäunten Fläche Holzarbeiten verrichtet. Nach dem Tribunal im Bus, der des unsicheren Wetters wegen eigens aus Weilheim gechartert wurde, gingen die zuvor merklich erhitzten Maxkroner etwas zufriedener nach Hause, weil Bürgermeisterin Elke Zehetner, Kreisbaumeister Horst Nadler und Polizeichef Jan Pfeil unisono versicherten, auf Lachmuths Treiben ein noch wachsameres Auge als bisher zu haben. Sogar der Luftraum über dem Pumpwerk soll nun für die Aufklärung genutzt werden. 

„Faschisten, Linke und Parteilose“

Nein, Alexander Lachmuth war nicht dabei, als über ihn geklagt, gezetert und geurteilt wurde. Vielleicht wäre es vernünftiger gewesen, ihn dazuzuholen, dann hätten sich manche Maxkroner besser im Griff gehabt. Wie jener untersetzte Herr, der gerade noch liebevoll über Blindschleichen, Vögel und Insekten, die einst das Pumpwerk bevölkerten, gesprochen hatte, um im nächsten Augenblick zu einer geschmacklosen Entgleisung anzusetzen, als er die Liste der FLP, auf der Lachmuth für den Stadtrat kandidiert, als „Faschisten, Linke und Parteilose“ bezeichnete und dabei nicht ein Widerwort von jener Anwohnerschaft erntete, die sich sonst selbst so gerne dem weltoffenen Bürgertum zurechnet. Bei der FLP zeigt man sich davon aber unbeeindruckt. Bürgermeisterkandidat Michael Kühberger und seine Leute haben unmittelbar neben der Zufahrt zum Pumpwerk ihre überdimensionale Wahlkampfbank aufgestellt und daran einen Briefkasten montiert, in den die Maxkroner ihre Wünsche für die Zukunft des Geländes einwerfen können. 

An der Nase herum und durch die kalte Küche

In gewisser Weise kann man die Maxkroner ja verstehen: Zehn Jahre nachdem sie mit geballtem Protest die Errichtung eines Oldtimer-Zentrums in dem ehemaligen Pumpwerk verhindert hatten, befürchten sie nun, dass Lachmuth, quasi durch die kalte Küche, ihnen über kurz oder lang einen Gewerbebetrieb vor die Nase setzt, der an dieser Stelle, die im Außenbereich liegt, eigentlich gar nicht zulässig ist. „Der ist sehr clever, der wird das bestimmt auch schaffen“, hustete einer durch den Bus, während ein anderer nach vorne, wo die Bürgermeisterin stand, blaffte, dass sich die Stadtverwaltung von Lachmuth an der Nase herumführen lasse. 

„Wir haben ja Zeit“

Nun muss man wissen, dass Ale­xander Lachmuth nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit dazu neigt, pflegeleicht zu sein. Auf dem Gelände des Pumpwerks hat er jedenfalls inzwischen so viel Erdreich bewegt, dass ihm das Landratsamt derartige Tätigkeiten strikt untersagt hat, was Lachmuth nicht unwidersprochen hinnehmen will. Die Sache liegt nun bei Gericht. Fakt ist aber auch, dass der Garten- und Landschaftsbauer bereits seit vielen Jahren eine Erweiterungsfläche für sein Unternehmen sucht. Die Stadt hat ihm derzeit eine Fläche hinter der Layritz-Halle verpachtet, die Lachmuth aber auch nicht dauerhaft nutzen kann. Wird die Halle, wie geplant, eines nicht allzu fernen Tages in ein Blaulicht-Zentrum für alle Rettungsorganisationen verwandelt, muss er dort das Feld räumen. Deshalb hatte er für das Pumpwerk die Aufstellung eines Bebauungsplanes beantragt, um dort ganz legal seiner Arbeit nachgehen zu können. Das aber hat ihm der noch amtierende Stadtrat verwehrt, wobei Bürgermeisterin Zehetner keinen Zweifel daran ließ, „dass sich daran auch der neue Stadtrat halten wird“. Wie vergiftet die Stimmung bei diesem Thema in Maxkron inzwischen ist, zeigt sich alleine schon daran, dass Lachmuth, sobald er sich dem Pumpwerk nähert, auf Schritt und Tritt von Anwohnern entlang des Zauns verfolgt wird. Im Bus wurden jedenfalls Packen von Fotografien herumgereicht, die jede Bewegung Lachmuths dokumentieren. Derart akkurate Überwachungsmethoden an einer Demarkationslinie sind in Deutschland letztmalig aus dem Spätherbst 1989 aktenkundig. Die lückenlose Dokumentation des Treibens auf dem Areal hat für Außenstehende etwas Fetischhaftes, eine Anwohnerin aber meinte lapidar: „Wir haben ja Zeit.“ 

Baurecht im Bus

Aus dem Weilheimer Landratsamt hatte sich Kreisbaumeister Horst Nadler in den Bus gezwängt, um den Maxkronern die Feinheiten des Baurechts zu erläutern. Demzufolge darf Lachmuth auf dem im Außenbereich gelegenen Gelände kein Gewerbe ausüben, sehr wohl aber land- und forstwirtschaftliche Arbeiten ausführen, was flugs zu der an diesem Tag nicht zu klärenden Frage führte, ob es denn noch forstwirtschaftlich oder doch schon gewerblich sei, wenn Lachmuth Holz auf das Gelände transportiere, um es dort lärmend zu zersägen. 

Polizei muss Prioritäten setzen

Nadler betonte aber auch, dass es nach der verfügten Einstellung aller Erdbewegungen zu keinerlei Verfehlungen von Seiten Lachmuths mehr gekommen sei. „Wir haben das bis jetzt fünfmal kontrolliert“, so Nadler. Weil dies nicht ernsthaft angezweifelt werden konnte, glaubten manche Maxkroner, offenbar mangels Alternative, in der Polizei einen Verbündeten des Garten- und Landschaftsbauers zu sehen. Und zwar deshalb, weil die Polizei nicht bei jedem Beschwerdeanruf sofort mit Blaulicht und Trara angerückt kam und sich mancher Beamte angesichts der Klagewelle aus Maxkron auch schon mal genervt zeigte. „Wenn wir einen Unfall oder einen anderen wichtigen Einsatz haben, dann müssen wir eben Prioritäten setzen“, sagte Penzbergs Polizeichef Jan Pfeil und merkte listig an: „Aber dafür haben sie ja sicher Verständnis.“ Im Bus machte aber nicht jeder den Eindruck, als habe er dafür Verständnis. 

Aufklärung von oben

Um zu erkennen, wie verfahren die Situation in Maxkron ist, muss man auch das wissen: Offenbar sind nicht nur Polizeibeamte von den Anwohnern genervt, sondern auch die Leute aus der Stadtverwaltung. Die haben den Maxkronern schon angedroht, dass sie künftig die Kosten für Kontrollen der Bauaufsicht übernehmen müssen, wenn sich die Klage als ungerechtfertigt herausstellen sollte. Dies wurde nun aber fallen gelassen. Zudem vereinbarten Stadt, Landratsamt und Polizei einen besseren Informationsaustausch. Und Polizeichef Pfeil kündigte an, dass man „Bilder von oben“ machen werde. Beim Gedanken an die Luftaufklärung klatschte plötzlich der ganze Bus. la

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