Für eine Kugel Eis

Mit dem Holzhammer aus dem Kinderzimmer: Kochel versteigerte Fundräder

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Bürgermeister Thomas Holz hob als Auktionator die Vorzüge jedes Rads hervor. Das war nicht immer leicht, manche Drahtesel waren nicht einmal fahrtauglich.

Kochel – Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht, das imposanten goldgerahmte Gemälde hinter seinem Rücken versteigerte Thomas Holz nicht. Denn bei der Auktion, bei welcher Kochels Bürgermeister nun den Hammer schwang, wechselten keine Ölschinken, sondern vergessene Fahrräder den Besitzer.

Teuer waren die Drahtesel dabei aber nicht, was vielleicht daran liegen könnte, dass die Bikes meist ihre besten Tage schon hinter sich hatten. Es handelte sich um Fundstücke, die Rathauschef Holz an den Mann und die Frau bringen wollte, für einen guten Zweck. Das wurde aber auch Zeit, denn in der Garage und im Keller des Rathauses hatten mittlerweile 25 Fundstücke einen Parkplatz gesucht, und niemand schien eines der Räder zu vermissen. Weder Eigentümer noch Finder hatten sich innerhalb eines halben Jahres, der gesetzlich vorgegebenen Frist, gemeldet. Und so musste die Gemeinde die scheinbar ungeliebten Drahtesel auf andere Weise loswerden. Und da zeigte sich dann, dass es durchaus noch Liebhaber für die ausgesetzten Fahrräder gibt. Rund 30 Interessenten begutachteten das Angebot, die nummerierten Bikes, die in Reih‘ und Glied auf dem Rathaushof abgestellt waren. Anschließend war es dann an Bürgermeister Holz gelegen, dafür zu sorgen, dass sich jeder Anwesende mindestens ein Fundstück unter den Nagel reißen wollte. Und das mit einem Holzhammer, den er aus dem Kinderzimmer seines Sohnes stibitzt hatte. Mit dem Wink auf Wohltätigkeit versuchte Holz gleich zu Beginn zum Kauf zu verführen: „Die hierbei erzielten Einnahmen werden nicht in den allgemeinen Haushalt fließen. Ich werde vorschlagen, dass das Geld an den Unterstützungsfonds gespendet wird.“ 

Insgesamt 22 Fahrräder fanden schließlich einen neuen Besitzer, und dafür legte sich der Rathauschef ordentlich ins Zeug und hob stets nur das Beste an jedem einzelnen Stück hervor: „Dieses Fahrrad hat sogar einen Gepäckträger und Schutzbleche – wo hat man das heute schon?“, fragte Holz mit Augenzwinkern. Ein Zwinkern, das die Preise nicht unbedingt in die Höhe trieb. Manche Fundstücke kosteten den Ersteigerern nämlich gerade mal so viel wie eine Kugel Eis. Dass dennoch 170 Euro zusammenkamen, ist den wenigen hochwertigeren und neueren Fahrräder zu verdanken. „Das ist mehr, als wir erwartet haben, da die wenigsten Drahtesel in einem guten oder gar fahrtauglichen Zustand waren“, resümierte Holz, der froh war, dass Garage und Keller nun wieder frei sind. Schließlich werden auch im neuen Jahr Findelräder eine Bleibe suchen. ra

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