Das Kind ist wohlauf

Die Naturwissenschaft attraktiver machen: Gymnasium hat neue Räume

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Der Raum kann sich sehen lassen: Landrätin Andrea Jochner-Weiß inspiziert den neuen Chemiesaal.

Penzberg – Ein Blick auf die Wand verrät, wohin der Flur führt, in großen Lettern steht Blau auf Weiß das Wort „Chemie“ geschrieben. Doch auch ohne diesen Wegweiser dürften die Penzberger Gymnasiasten zu den neuen Unterrichtsräumen finden, sie müssen nur dem Duft frischer Farbe folgen.

Der Mann weiß einfach, wie es geht: Bernhard Kerscher, der Direktor des Penzberger Gymnasiums, ist bekannt für seine von Augenzwinkern begleiteten und mit Lebensweisheit bepackten Reden bei Entlassfeiern. Dass Kerscher aber nicht nur über junge Menschen voller Leben, sondern auch über leblose Räume malerisch zu sprechen versteht, bewies er bei der offiziellen Eröffnung der neuen naturwissenschaftlichen Fachräume der Schule. 

Klar, an Danksagungen an all die am Bau beteiligten Fachleute kam auch Kerscher nicht herum, als die neuen Räumlichkeiten im A- und B-Bau des Gymnasiums vorgestellt wurden. Doch nach diesem Pflichtprogramm beschrieb Kerscher am Rednerpult die Bauphase in ehrlichen und zugleich metaphorischen Worten. Der ganze Prozess sei „eine schwere Geburt“ gewesen, meinte er, nicht nur für Mutter Schule, sondern auch Vater Kreistag. Zwei Jahre habe die Geburtsbetreuung, begleitet von versierten Gynäkologen und Geburtshelfern gedauert, doch alle Beteiligten hätten in dieser Zeit gelernt, „gemeinsam zu hecheln“, sagte Kerscher mit einem breiten Lächeln im Gesicht, denn er freute sich, dass das Kind das Licht der Welt erblickt hat. Jetzt war es bereit zur Taufe, die in Anwesenheit von Ingenieuren, Architekten, Handwerkern, Vertretern der Stadt, des Landratsamtes und des Kreistags vollzogen wurde. „Wir sind glücklich, weil wir wissen, wer die Alimente zahlt“, strahlte Kerscher. 

Rund vier Millionen Euro hatte der Kreisausschuss für das Unterfangen, den Ausbau des Dachgeschoßes im A-Bau und die Umstrukturierung der Fachräume im B-Bau genehmigt. Und obwohl Kerscher glücklich darüber ist, dass Mutter und Kind wohlauf sind, so weiß er auch, dass sich schon bald der nächste Nachwuchs ankündigt, denn 2025 befinde sich das neue G9 in maximaler Klassenstärke, dann „brauchen wir mehr Räume“. Dessen ist sich auch Landrätin Andrea Jochner-Weiß bewusst: „Wir sind noch nicht am Ende“, verwies sie auf die fortschreitenden Sanierungspläne an der Karlstraße, ehe sie ihren Blick auf das nun Geschaffte wandte. Die Landrätin, beileibe nicht so metaphernaffin wie Kerscher, verlegte sich auf Gebrauchsprosa und meinte nüchtern: „Am A-Bau wurde das Dachgeschoß umgebaut, was nicht allzu leicht war, denn das Gebäude steht unter Denkmalschutz.“ Hinzu kamen unumgängliche Ertüchtigungen der Holzdecke, was für Verzögerungen gesorgt habe. Nun aber habe man Räume für die Schulpsychologie, Schülerzeitung sowie für das Erledigen von unliebsamen Hausaufgaben geschaffen. Auch der Aufzug fährt nun bis ganz hinauf und ermöglicht so einen barrierefreien Zugang zu den neuen Räumen auf einer Fläche von 270 Quadratmetern. 

Im B-Bau haben sich die Umstrukturierungen ebenso in die Länge gezogen, Mängel beim Brandschutz und in der Elektrik seien aufgefallen, so die Landrätin, die betonte, wie wichtig die Schule als „erster Arbeitsplatz“ für junge Menschen sei. Und dieser Arbeitsplatz lässt sich nun sehen: moderne Biologieräume im Erdgeschoß, wo Apfelgrün als Farbtupfer die weißen Wände erfrischt, und ebenso zeitgemäße Räume für Chemie und Technik im Untergeschoß, wo die Farbe Blau das Weiß begleitet. Nun, in der neuen Umgebung lassen sich auf 1.100 Quadratmetern „Fakten und Formeln leichter lernen“, gab sich Jochner-Weiß optimistisch. 

Eine Hoffnung, die wohl auch einer der Architekten des Projektes trägt, Wolfgang Zach. Man habe die „Räume in eine technische Eleganz tauchen“ wollen, sagte Zach, der findet, dass „die Fächer stärker wahrgenommen“ werden sollten. Einen symbolischen Schlüssel übergab der Architekt Kerscher dann aber nicht, die Räume werden seit diesem Schuljahr ja schon genutzt. Das Kind wird also bereits fleißig geschaukelt. „Der Schulleiter hat schon alle Schlüssel“, grinste Zach. Und so gab es eben eine große Torte mit zuckrigem Schlüsseldekor für den Direktor. 

Bevor es jedoch an den Anschnitt des Gebäcks ging, wurden die neuen Räume noch von Imam Benjamin Idriz und der evangelischen Pfarrerin Sandra Gassert gesegnet. Beide Geistliche betonten dabei, dass sich Religion und Wissenschaft keineswegs ausschließen. „In jeder Zelle, in jedem Molekül ist ein Stück Gott“, erklärte Gassert. 

Ob die Schüler ein Stück Gott unter dem Mikroskop entdecken, ließ sich bei der anschließenden Begehung der neuen Räume nicht herausfinden, weil sie gerade Neongelb aus dem Inneren von Kastanien herstellten oder mit Bunsenbrennern hantierten. Statt klassischer Tafeln, die mit Kreide beschriftet werden, projizieren nun Kameras die Vorlagen vom Pult auf eine Leinwand, die sich allein mit Fingerberührung beschriften und säubern lässt. Doch die Räume sind nicht nur technisch feinstens ausgestattet, auch optisch. So bereitet der Biologiehörsaal in seiner Gestaltung die Schüler auf ihre Zukunft an der Universität vor, und in der Chemiesammlung gehen künftig keine Lehrkräfte auf der Suche nach Material verloren. Jede Schublade ist beschriftet, alles ist fein säuberlich sortiert. Ein ordentliches Kind wurde da zur Welt gebracht. ra

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