In Penzberg unterhält man sich am Bahnhof nun mit einem Bildschirm

Per Knopfdruck nach München

Auskunft aus dem Allgäu: Im Video-Reisezentrum kaufen Wolfgang Jakob und Elke Zehetner ein Zugticket – bei Vanessa Schmid in Kempten.

Penzberg – Die Deutsche Bahn zeigt sich in Penzberg wieder gesprächsbereit - und zwar über Display, Mikrofon und Lautsprecher. Denn von nun an ist nicht mehr der Schalter das Ziel von Fahrkartenkäufern, sondern eine Video-Kabine mit Kontakt nach Kempten.

Er ist grün, rund und bringt Reisende kilometerweit: Wer künftig am Penzberger Bahnhof in den Zug einsteigen möchte, muss zunächst einen Knopf im neuen Video-Reisezentrum drücken. Dann erscheint ein Gesicht auf einem Bildschirm und eine Stimme ertönt aus Lautsprechern, mit Allgäuer Dialekt. 

Der Fahrdienstleiter hat sich verabschiedet, das Gebäude hat seine Funktion verloren: „Das ist kein Bahnhof mehr, sondern ein Haus“, so Bürgermeisterin Elke Zehetner. Doch Fahrkarten werden nach wie vor verkauft, sogar von Angesicht zu Angesicht. Auch wenn zwischen den Gesichtern eine Entfernung von über 90 Kilometern liegt. Wer das neue Video-Reisezentrum betritt und auf das grüne Knöpfchen drückt, wird mit einem Verkäufer in Kempten verbunden, audiovisuell. Dann erhält er nicht nur Auskünfte, sondern auch die gewünschte Fahrkarte. 

„Jetzt sind wir wieder persönlich da“, freut sich Wolfgang Jakob, Leiter des Verkaufsbezirks Südbayern der Deutschen Bahn, bei der Eröffnung des Zentrums. Über das Display sollen dieselben Informationen „face to face“ wie am Schalter gegeben werden, erklärt Jakob. Ob das funktioniert, hat Elke Zehetner sogleich getestet und unter den Augen zahlreicher Mitglieder des Stadtrats Tickets nach München für 20 Erwachsene und zehn Senioren bei Vanessa Schmid in Kempten in Auftrag gegeben. Nach einem kurzen Gespräch erscheint auf dem Bildschirm vor der Rathauschefin das Ticket, zu ihrer Rechten leuchtet der Zahlautomat auf und die Fahrkarte möchte aus dem Automaten. 

Durch den Abzug des Fahrdienstleiters sei „eine schmerzliche Lücke entstanden“, meint Hedwig Schubert von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft. Umso glücklicher ist sie, dass der personengeführte Verkauf nun fortbesteht. Und obwohl die Beratung aus der Ferne erfolgt, wissen die Mitarbeiter über lokale Gegebenheiten Bescheid: „Sie kennen sich mit der Region aus“, betont Schubert. Auch Mitglieder des Seniorenbeirates prüften das knapp 45.000 Euro teure Zentrum, denn der Kartenkauf am Display soll für ältere Reisende kein Hürdenlauf sein. „Es ist ganz einfach“, sagt Hilde Kurz. „Es wird einem alles vorgegeben, man muss sich nur drehen und die Scheckkarte“ einstecken, schmunzelt ihr Kollege Hans-Werner Neumann. Sieben Tage, 70 Stunden in der Woche, wartet der grüne Knopf nun darauf, gedrückt zu werden. ra

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