Besorgnis wächst

HAP in der Krise

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Penzberg - Hörmann Automotive Penzberg (HAP), zweitgrößter Arbeitgeber der Stadt, steckt tief in der Krise. Betriebsrat und IG Metall sehen das Werk an der Seeshaupter Straße als „massiv gefährdet“ an. Von der Hörmann-Konzernzentrale heißt es, man arbeite mit Hochdruck an einem Zukunftskonzept.

Die Hauptkritik von Betriebsrat und der Gewerkschaft ist, dass die Geschäftsführung die „Investitionszusagen verweigert“ und gleichzeitig erwartet, dass die Belegschaft „auch weiterhin Lohnverzicht üben soll“. Beide sehen daher die beabsichtigte Beschäftigungssicherung bei Automobilzulieferer HAP „massiv gefährdet“.

Die Spitze in Penzberg blockt sofort ab. „Keine Auskunft“, sagt Geschäftsführer Robert Krul und verweist an die Konzernzentrale in Kirchseeon. Dort ist man immerhin auskunftsfreudiger und nimmt kein Blatt vor dem Mund: „Das Werk Penzberg der Hörmann Automotive ist im zweiten Halbjahr 2018 in die Verlustzone geraten und erwartet auch für das Jahr 2019 hohe Verluste.“ Ursachen für die negative Entwicklung seien der stark wachsende Preisdruck von Wettbewerbern aus Osteuropa und die weiter gestiegenen Personalkosten, denen keine Produktivitätsfortschritte in den vergangenen Jahren gegenüber stehen.

Um die Wettbewerbsfähigkeit der Fertigung zu verbessern, habe Hörmann Automotive als Gesellschafter Investitionen von 16,4 Millionen Euro für Maschinen und Betriebsmittel genehmigt. Größte Einzelinvestition ist ein automatisiertes Laser-Abkant-Zentrum. Seit dem Erwerb des Penzberger Werks im Jahr 2008 seien dort 41,2 Millionen Euro investiert worden, heißt es von der Konzernzentrale. Und: Seit zwölf Jahren seien Ergänzungstarifverträge mit Entgeltverzichten der Belegschaft vereinbart worden. Nur durch die Absenkung des Lohn- und Entgeltniveaus habe ein ausgeglichenes Ergebnis erwirtschaftet und die Wettbewerbsfähigkeit gesichert werden können, um mehr als 600 Arbeitsplätze in Penzberg zu erhalten. Das Management, so die Konzernzentrale, arbeite derzeit an einem Zukunftskonzept für die Neuausrichtung. Dadurch soll das Werk Penzberg, das „heute relativ einfache Produkte aus Stahl fertigt, an ein technologisch und wettbewerblich stark verändertes Marktumfeld angepasst werden“.

Bürgermeisterin Elke Zehetner verfolgt mit großer Besorgnis die Entwicklung bei HAP und den sich andeutenden Verlust vieler Arbeitsplätze. „Ich werde versuchen mit allem, was mir an Macht zur Verfügung steht, den Betrieb des Werkes in Penzberg aufrecht zu erhalten“, erklärt sie.

Ebenso in Sorge sind die Penzberger SPD und die SPD-Stadtratsfraktion. „Beim zweit größten Arbeitgeber in der Region ist der Großteil der insgesamt 700 Arbeitsplätze in Gefahr“,fürchtet SPD-Ortsvorsitzender Bayram Yerli. Ortsverein und SPD-Fraktion erklären sich solidarisch mit der Belegschaft und unterstützen sie bei ihrem Kampf um den Erhalt der Arbeitsplätze. Die Stadt Penzberg war HAP im Sommer noch entgegengekommen. Damit HAP eine Lackieranlage und ein Logistikzentrum errichten kann, war es nötig, dass die Stadt den Bebauungsplan für Kirnberg ändert. Der Bebauungsplan steht nunmehr vor dem Abschluss. Um so mehr ist die SPD verwundert, „dass die Konzernzentrale nicht mehr in die Zukunft des Standorts investieren will“. Die SPD und Bürgermeisterin Elke Zehetner appellieren an die Eigentümerfamilie, sich zu Ihrer Verantwortung zu bekennen.

Für den heutigen Mittwoch ist eine Protestkundgebung der Belegschaft in Kirchseeon geplant. Am 5. Dezember um 15 Uhr ist dann eine Kundgebung in Penzberg vorgesehen. Der genaue Ort wird noch bekannt gegeben. akr

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