Abschluss, nicht Abschied

59 Absolventen verlassen die Katholische Stiftungshochschule Benediktbeuern

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Fachkräfte von morgen: Insgesamt 59 Absolventen verabschiedete die KSH, mit einem guten Gesamtnotendurchschnitt von unter 2,0.

Benediktbeuern –Wo einst wohl bodenlange Röcke und Mieder, ausladende Kniehosen und Spitzenkragen durch den Raum schritten, zeigten sich nun Dirndl und Ballkleider, Hemden und Sakkos: Im Barocksaal der Katholischen Stiftungshochschule feierten 59 Absolventen ihren erfolgreichen Abschluss.

Ein Studium bedeutet lernen, doch in Benediktbeuern bedeutet es auch kennenlernen, und zwar Menschen. Das betonte bei der Abschlussfeier der Absolventen der Katholischen Stiftungshochschule (KSH) wohl niemand so ausdrücklich wie Miriam Röcker, die ihren Bachelor nun in der Tasche hat. In ihrer Rede flocht sie Anekdoten ein, die viel Spielraum zu amüsanten Spekulationen boten, aber auch zeigten, dass es das Zwischenmenschliche ist, an das sich die ehemaligen Studenten der Fächer Sozia­le Arbeit und Religionspädagogik und kirchliche Bildungsarbeit erinnern werden. 

Es kann schon mal passieren, dass das Fahrrad verschwindet, mit dem man zum Kloster gefahren ist, weil einer am Abend mit ein paar Promille im Blut nicht nach Hause laufen wollte. Es kann auch schon mal sein, dass im Seminar das Handy klingelt, nicht das eines Studenten, sondern das des Dozenten. Glaubt man zumindest Miriam Röcker, die bei der Bachelorabschlussfeier eine humorgespickte Rede über die vergangenen sieben Semester hielt, die sie gemeinsam mit weiteren 58 Absolventen nun erfolgreich abschloss. Wobei, eigentlich müsste es „Absovent*innen“ heißen, ganz geschlechterkorrekt. Denn Seitenhiebe auf die an Versessenheit grenzende Bemühung der Hochschule, genderkorrekt zu sein, ließ Röcker nicht aus. 

Damit lockerte die ehemalige Studentin den recht trockenen Beginn der Feier im Barocksaal auf, die sich einem Gottestdienst in der Hauskapelle anschloss. Den Anfang machte die KSH-Vizepräsidentin Martina Wolfin­ger, die – ganz traditionell – die Absolventen beglückwünschte, einen kurzen Rückblick auf das erste Semester gewährte und den jungen Menschen Vertrauen, Mut und gutes Networking nahelegte, ehe Gerhard Kral eine Rede über das Volksbegehren zur Bienenrettung hielt, als ob er nachträglich zum Unterschreiben appellieren wollte, ohne direkten Bezug zum Anlass des Tages. Obwohl: Die Zukunft, in welche die Absolventen nun starten, soll natürlich eine Zukunft mit Insekten und Vögeln sein. Und der Naturschutz wird in Benediktbeuern, dort, wo die Abgänger die vergangenen dreieinhalb Jahre verbrachten, bekanntermaßen großgeschrieben. Doch das Räuspern und Schnaufen im Publikum entging dem Professor nicht, der der zunehmenden Unruhe grinsend entgegnete: „Bin gleich fertig“. 

Dann stapelten sich die Zeugnisse vorne auf der Bühne, auf welche die Professoren Carsten Wippermann und Oliver Dyma die Absolventen in kleinen Gruppen heraufriefen, um ihnen die Mappen zu übergeben. Zwischen den Reden erklangen Musikeinalgen von Studenten der KSH. Und wie es so üblich ist, sollte es eine bedeutungsschwangere Songauswahl sein, welche die Absolventen in die postakademische Welt entlässt: Tyrone Wells „Time of our lives“, die Coldplay-Ballade „The scientist“ und U2s hymnisches „Beautiful day“. Doch als Abschied betrachtete Miriam Röcker ihren Abschluss und den ihrer Kommilitonen keineswegs. Schließlich seien Freundschaften entstanden, „die ein Leben lang halten“ und die sich durch räumliche Distanz nicht so einfach trennen lassen. Mit einem „Auf Wiedersehen“ verließ Röcker das Rednerpult ­– zwei Worte, die sie wohl ganz bewusst wählte. ra

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