Das Moor entkusseln

Am Freiwilligentag engagieren sich Kinder und Erwachsene bei der Pflege des Breitfilzes

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Mit vereinten Kräften entfernten die Kinder Birken aus dem Breitfilz. Die Bäume entziehen dem Boden Wasser und gehören hier eigentlich nicht hin.

Penzberg – Normalerweise freut sich die Ortsgruppe Penzberg des Bund Naturschutz über jedes Bäumchen, das in der Erde wurzelt. Nicht jedoch im Breitfilz, wo es das ein oder andere Stämmchen gibt, das dem Hochmoor alles andere als behagt. Am Freiwilligentag ging es diesen nun an die Wurzeln.

Während das Breitfilz zumeist in Verbindung gebracht wird mit der Kleingartensiedlung, welche die Stadt im Augenblick unter großen Anstrengungen ordnen will, wissen nun einige Kinder, dass das eigentliche Filz hinter den Parzellen ein Naturparadies ist: Etwa 100 Hektar groß, zählt es zu den letzten intakten Hochmooren im Voralpenraum. Doch auch solche Kleinode wollen gepflegt werden, wie am vergangenen Samstag im Rahmen des landkreisweit ersten Freiwilligentags: Eine Gruppe von 17 Kindern mitsamt Begleitung von Erwachsenen folgte der Einladung der Ortsgruppe Penzberg des Bund Naturschutz (BN) zu einer mehrstündigen Arbeitstour. 

Bis der Einsatzort erreicht war, mussten die Teilnehmer – darunter Mitglieder der Terre-des-Hommes-Arbeitsgruppe, des BN und der AWO-Mittagsbetreuung von der Birkenstraße – erst einmal über die durchnässten Moorwiesen waten. Dabei gab es schon jede Menge wissenswerte Details zu hören. Denn der Biologe Helmut Hermann vom BN-Kreisverband erläuterte die Flora und Fauna, die in einem solchen Hochmoor anzutreffen ist. So erfuhren die Kinder etwa, dass die Moore eine ganz wesentliche Rolle beim Klimaschutz einnehmen, puffern sie doch hervorragend Kohlendioxid und bei starken Niederschlägen auch Unmengen von Wasser. Fatal also, dass ausgerechnet die Moore in der Vergangenheit trocken gelegt wurden, um sie zum Torf­abbau zu bewirtschaften. „Mit dem Breitfilz haben wie eines der letzten intakten Hochmoore“, so Hermann. Und das müsse eben nicht, wie andere Moore der Region, renaturiert und wiedervernässt werden. Doch damit dies auch so bleibt, gilt es, wie am Freiwilligentag geschehen, Pflegemaßnahmen durchzuführen. So finden sich einige Birken im Moor, die dem organischen Material Flüssigkeit entziehen. „Die müssen raus“, sagt Hermann, schiebt aber sofort hinterher: „Freilich machen wir hier keinen Kahlschlag.“ Die Kinder haben ihre helle Freude, als Hermann ihnen den dafür gebräuchlichen Fachausdruck verrät: „Wir entkusseln das Moor.“ 

Schnell haben die Kinder den Dreh raus, finden die jungen Birken und schneiden sie mit den mitgebrachten Astscheren ab. Das Schnittmaterial wird auf einen großen Haufen geschleppt, „das wird Kreuzottern ein Zuhause bieten“, betont Hermann. Apropos: Zwei Kreuzottern bekommen die Kinder auch zu Gesicht: eine tote, in ein Glas eingelegte, hatte Hermann als Anschauungsobjekt mitgebracht. Und dann huschte auch noch ein quicklebendiges Exemplar ins Gebüsch. Als dann auch noch eine der größten Spinnenarten in Deutschland, die Gerandete Jagdspinne entdeckt wurde, war das Interesse nicht nur der Kinder groß. Zur verdienten Brotzeit gab es dann noch Geschichten rund ums Moor und Moorgeister – und nach einem arbeitsintensiven Vormittag blickten alle Akteure zufrieden auf ihr Tagwerk. dd

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