Vom Allgäu lernen

Penzberger Bahnhofsfreunde lassen sich in Leutkirch inspirieren

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„So ein Bahnhof, das ist eine Sache des Gefühls“: Christian Skrodzki (3. von rechts) erklärte der Penzberger Delegation, was in Leutkirch mit einem Genossenschaftsmodell alles ermöglicht wurde.

Penzberg/Leutkirch – Ein weiteres Mal haben sich die Penzberger Bahnhofsfreunde auf den Weg gemacht, um Anregungen und Rat einzuholen, wie man den hiesigen Bahnhof zu einem attraktiven Ort der Begegnung umfunktionieren könnte. Inspiration fanden sie dabei rund 150 Kilometer von Penzberg entfernt.

Ziel war diesmal Leutkirch im Allgäu, wo vor sieben Jahren der erste genossenschaftlich betriebene Bahnhof entstanden ist. Unter seinem Dach sind eine Gastronomie mit Brauerei, eine Bürogemeinschaft sowie ein Präsentations- und Veranstaltungsraum für nachhaltige Wirtschaft untergebracht. 

Der Genossenschaftsvorsitzende Christian Skrodzki führte die sechs Abgesandten der Penzberger Initiative zwei Stunden lang nicht nur durch ein Gebäude, das in kürzester Zeit drei Denkmalpreise und die Auszeichnung „Land der Ideen“ eingeheimst hat. Er gab auch umfassend Einblick in die Entwicklung des Projekts. Für den gebürtigen Leutkircher war es kein Pro­blem, damals 660 Mitglieder für eine Genossenschaft zu gewinnen, die einen oder mehrere Anteile im Wert von 1.000 Euro erwarben. In nur sieben Wochen hatten er und seine Mitstreiter eine Million Euro zusammen. Nachdem die Stadt Leutkirch den Erwerb des Bahnhofsgebäudes auf Erbpachtbasis möglich gemacht hatte (ein solches Modell wäre auch für Penzberg denkbar), konnte der denkmalgeschützte Bau mit Hilfe staatlicher Fördergelder und eines finanzstarken späteren Pächters in nur zwei Jahren fertiggestellt und als Bürgerbahnhof eingeweiht werden. 

Wo das Geheimnis für den Erfolg dieser Gemeinschaftsaktion liege? Der gelernte Bankkaufmann Skrodz­ki lacht: „Wer da an Dividende denkt, der hat schon verloren. So ein Bahnhof, das ist eine Sache des Gefühls.“ Bereits als Schüler hat er an einem Modell dieses königlichen Prachtgebäudes von 1889 mitgebaut. „Das Modell hat mitgeholfen, dass 1980 das gesamte Areal unter Ensembleschutz gestellt wurde. Und 30 Jahre später haben wir daraus ein Bürgerschloss gemacht“, strahlt Skrodzki. Dem Geschäftsmann, dessen Medienagentur selbst in Räumen der Bürogemeinschaft im Obergeschoß des Bahnhofs untergebracht ist, sieht freilich auch das Zahlenwerk: Um etwa die Originalböden zu retten, hat die Genossenschaft damals 17 Arbeitslose beschäftigt, die den Handwerkern zur Seite gestellt wurden. „Alle Seiten haben davon profitiert“, sagt Skrodzki. 

Als die Penzberger in der „Leutkircher Kulturbrauerei“ einkehrten, sahen sie, was sie sich auch für ihre Stadt wünschen: gefüllte Räume, in denen Menschen jeden Alters bei kleinen Gerichten zusammensitzen. 

Die Exkursion war damit jedoch noch nicht zu Ende, denn es standen noch die Besichtigung von zwei kleinen Brauereien auf dem Programm. Im Gasthof Ochsen in Kisslegg und im Landgasthof Hubertus in Apfeltrang warteten zwei weitere lange Führungen durch Sud­häuser, in denen für den Hausgebrauch gebraut wird. 

Ganz gleich ob in der modernen großen Anlage im Neubau hier oder dem schon lange dienlichen Kon­strukt in einem winzigen Keller dort, von beiden Sudstätten nehmen die Penzberger mit, was sie auch in Leutkirch gespürt haben: Begeisterung bringt einen alten Bahnhof zum Blühen und eine Brauerei bringt ihn zum Erfolg. la

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