Knospen für Kittel

Bergknappen verteilten Zweige gegen Spenden

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Michael Haas und Monika Uhl (von links) tauschten Barbarazweige gegen Bares.

Penzberg – Optimal ist die Uniform der Penzberger Bergknappen für heiße Temperaturen nicht, ein dicker Stoff so schwarz wie der finsterste Schacht. Da liegt es nahe, dass die Knappen bei im Sommer unter ihren Silberknöpfen ordentlich schwitzen. Bald aber könnte das Transpirieren ein Ende haben.

 In einem großen Behältnis stehen die Zweige des Apfelbaums und der Forsythie. Von ihren rosafarbenen und goldgelben Blüten ist noch nichts zu erkennen. Nur Plastikblüten, die aus dem Bündel herausblitzen, lassen erahnen, welche Pracht in wenigen Wochen aus den Knospen sprießen wird. Doch nichtsdestotrotz herrscht reger Andrang auf das Behältnis, um das sich die Bergknappen sammeln. Sie verteilen die zarten Triebe am Barbaratag. „Barbara ist die Schutzpatronin der Bergleute“, erklärt Bergknappen-Chef Michael Haas, und holt zur Legende über die junge Frau aus, die als Heidin zum Christentum konvertierte, den Zorn ihres Vaters auf sich lud, dank Gottes Hilfe Zuflucht in einer Bergspalte fand und schließlich den Märtyrertod starb. Doch die Berg­knappen verteilen die Zweige nicht nur, um auf ihre Schutzpatronin aufmerksam zu machen, sie hoffen auch auf reichlich Spenden bei dieser Aktion. Denn bei den Knappen stehe die Überlegung im Raum, dünnere Kittel für den Sommer anzuschaffen, sagt Haas. In ihrer jetzigen Montur kommen die Mitglieder nämlich bei heißen Sommertemperaturen gehörig ins Schwitzen. An die 20 leichtere Kittel sollen es daher werden, nicht ganz billig, denn sie „müssten geschneidert werden“, meint der Vorsitzende. 

Eine Stunde lang stehen die Knappen bei winterlichen Temperaturen also vor dem Wasserbehälter mit blütenlosen Barbarazweigen und lächeln die Passanten an. Da zahlt sich der dicke Stoff der Uniform aus. Nach und nach verlassen die Ästchen den Bottich, nach und nach füllt sich das Spendenkästchen. Am Ende kommen 180 Euro zusammen. Das reicht bei Weitem nicht für 20 geschneiderte Kittel, doch es sollen noch mehr Aktionen folgen, sagt Haas. Nicht nur, um Spendengelder zu sammeln, sondern auch, um den Verein wieder „bekannter zu machen“ und Nachwuchs zu gewinnen, grinst Haas, der mit seinen Kollegen neben dem großen Bund Barbarazweige auch einen kleinen Stapel Mitgliedsverträge auf den Stadtplatz mitgebracht hat. ra

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