Neubau von zwei Wohnhäusern im Spannungsfeld zwischen Gewerbe und Säubach

Verzwickte Gemengelage

Interessantes, aber nicht problemfreies Projekt: Die alte Bausubstanz zu Beginn der Rewe-Kurve sollen abgerissen werden und Platz machen für bis zu 15 Wohnungen. Davor muss aber noch einiges geklärt werden.

Penzberg – Es ist ein Mischgebiet, in welchem das eine das andere nicht beeinträchtigen darf: Dort, wo Gewerbe und Wohnen aufeinandertreffen, zu bauen, ist nicht ohne Auflagen möglich. Ein solcher Fall beschäftigt gerade den Bauausschuss. 

Wo früher eine Schlosserei untergebracht war, nämlich unmittelbar vor der Rewe-Kurve an der Bichler Straße, sollen schon bald zwölf bis 15 Wohnungen entstehen. Ein entsprechender Antrag zur Änderung des geltenden Bebauungsplans lag nun dem Bauausschuss vor. Doch das Gremium segnete das Vorhaben nicht ohne Weiteres ab. Das Kernproblem: Wohnen und Gewerbe treffen hier aufeinander. 

Noch befinden sich auf dem Grundstück an der Einmündung von Karlstraße, Bichler Straße und Schwadergraben ein zweigeschoßiges Wohngebäude, ein eingeschoßiges Betriebsgebäude sowie teilweise noch offene Nebengebäude. Geplant ist, diese durch ein dreigeschoßiges (hin zur Karlstraße) sowie ein viergeschoßiges (am Säubach) Wohngebäude mit Tiefgarage zu ersetzen, das zwölf bis 15 barrierefreie Wohnungen Platz bietet. 

Ohne Probleme ist dies aber nicht zu realisieren, denn es handelt sich hier um ein Mischgebiet, in dem Wohnen nur mit Auflagen möglich ist. Denn zwei benachbarte Kfz-Betriebe sowie der Rewe-Supermarkt dürfen in ihrem Bestand nicht beeinträchtigt werden. Hardi Lenk (SPD) etwa wollte wissen, ob die Bauverwaltung hier nicht von Konflikten ausgehe. Tut sie aber, wie Stadtbaumeister Justus Klement ausführte. Details dazu sollen durch eine schalltechnische Untersuchung geklärt werden. Aber Klement machte auch klar: „Die Gewerbebetriebe dürfen durch das Wohngebäude keine Einschränkungen haben.“ Johannes Bauer (Grüne) indes sorgt sich auch um die künftigen Bewohner der geplanten Gebäude: „Wir haben hier eine wahnsinnige Lärmbelästigung durch die Nähe zur Straße“, sagte er. Dem Bauausschuss könne es jedenfalls nicht darum gehen, „die Kalkulationen des Eigentümers zu optimieren, es geht hier schon auch um gesundes Wohnen“. 

Bauer mahnte zudem vor dem Verlust des aktuell zehn Meter breiten Uferstreifens durch das geplante Heranrücken des Neubaus an den dort vom Schwadergraben abzweigenden Säubach: Denn der Hochwasserschutz könnte dazu im Widerspruch stehen. Tatsächlich will der Antragsteller den neuen Baukörper näher an den Säubach heranrücken, um durch den geringeren Abstand zur Ufersaumbegrünung eine bessere Ausnutzung des Areals zu erreichen. Diese Angst vor Hochwasserproblemen teilt die Bauverwaltung an dieser Stelle nicht. Dennoch: Auch Thomas Keller (SPD) will den zehn Meter breiten Grünstreifen lieber im Bebauungsplan festsetzen, was der stellvertretende Bauamtsleiter Günther Fuchs zur Kenntnis nahm. Seine Empfehlung: Den Empfehlungsbeschluss an den Stadtrat weiterreichen, Details würden ohnehin noch im Zuge der weiteren Planung festgeschrieben. Die Auflagen, etwa die schalltechnische Untersuchung sowie die Neusituierung der überbaubaren Grundstücksflächen wird das Bauamt jedenfalls an den Planer weiterreichen. 

Den Gebietscharakter, also Mischgebiet oder Allgemeines Wohngebiet, könne man zum jetzigen Zeitpunkt ohnehin noch nicht festlegen, machte Bürgermeisterin Elke Zehetner deutlich. Sie erinnerte aber schon auch daran, „dass wir die Aufgabe haben, Wohnraum zu schaffen“. Zumal die Eigentümer sig­nalisiert haben, die Richtlinie zur sozialgerechten Bodennutzung (SoBoN) zu akzeptieren. Heißt im konkreten Fall: je Quadratmeter zusätzlicher Geschoßfläche für Wohnnutzung werden Folgekosten für die Herstellung von Kinderbetreuungseinrichtungen (für Kinder bis zehn Jahren) in Höhe von knapp 68 Euro fällig. Zudem müssen drei Prozent der Geschoßflächenmehrung für sozial gebundenen Wohnungsbau zur Verfügung gestellt werden. Laut Zehetner muss der Schallschutz ungeachtet dessen aber „groß geschrieben werden“. Die Planungen sehen hier vor, die Wohnungen eher zum Innenhof hin auszurichten. Was jedoch zur Folge haben könnte, dass dann zur Straße hin die wenig attraktiven Hausflure und Zugänge zu sehen sind. Laut Bauverwaltung soll das Gebäude an der Karlstraße übrigens so gesetzt werden, dass die derzeit vorhandene Gehsteigbreite vergrößert werden kann und Fußgänger so einen deutlich größeren Abstand zum Straßenverkehr erhalten. Und: Die Stellplätze würden im rückwärtig entstehenden Innenhof sowie in einer Tiefgarage untergebracht. arr

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