Holz stocksauer auf Bauamt

Verkehrschaos in Kochel: Bürgermeister klagt über fehlendes Entgegenkommen

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Nichts geht mehr: An Wochenenden, wie dem vergangenen, bilden sich vor den Toren Kochels und in der Gemeinde kilometerlange Staus.

Kochel – Motorenlärm, Abgase, genervte Mienen: An den Wochenenden in Kochel kein seltenes Szenario, zumindest bei schönem Sommerwetter. Doch heuer wird sich dieses Szenario wohl auch im Herbst zeigen: eine Baumaßnahme steht an, und die verspricht ein hohes Verkehrsaufkommen in der Gemeinde.  

Bei dem Bilderbuchwetter am vergangenen Wochenende hatte die Gemeinde Kochel einmal mehr mit einem enormen Verkehrs­aufkommen und kilometerlangen Staus zu kämpfen. Die Badesaison war noch nicht endgültig vorbei, die Wandersaison bereits eröffnet, was für eine gewaltige Zahl an Ausflüglern sorgte. Während sich die Situation normalerweise im Laufe des Herbsts beruhigt, können die Anwohner in Kochel und Walchensee heuer nicht aufatmen. Denn die Baumaßnahme zur Errichtung eines Steinschlagzauns bei Oberau mit einwöchiger Vollsperrung der B 2 ab dem 8. Oktober und neunwöchiger Halbsperrung ab dem 14. Oktober wird der Ausweichstrecke durch das Zwei-Seen-Gebiet täglich tausende Fahrzeuge bescheren. 

Dass die Sicherungsarbeiten an der B 2 notwendig sind, steht für Kochels Bürgermeister Thomas Holz außer Frage. Auch die einwöchige Vollsperrung aufgrund der Vielzahl an zu fällenden Bäumen akzeptiert er klaglos. Was Holz aber die Zornesröte ins Gesicht treibt, ist die Unnachgiebigkeit, mit welcher das Staatliche Bauamt Weilheim seine Bitte ablehnt, die Baustelle an den Wochenenden zu räumen und die halbseitige Sperrung wenigstens von Freitagmittag bis Sonntagabend aufzuheben. „Ich bin sehr enttäuscht, dass überhaupt nicht auf unsere Anliegen eingegangen wird“, klagte Holz am Dienstag vor dem Gemeinderat. Während man bis dato eigentlich gut mit dem Bauamt zusammengearbeitet habe, zeige sich nun, dass die Behörde „nur mit Zahlen hantiert, aber von den Entscheidungsträgern nie einer bei uns vor Ort war“. 

Zum Beispiel am vergangenen Sonntag: Da hätten die behördlichen Mitarbeiter am eigenen Leib erleben können, wie absurd das Ergebnis ihrer Rechnerei, nämlich eine „im Durchschnitt nicht zu große Belastung“ auf der B 11 im Zwei-Seen-Gebiet, in der Realität anmutet. „Dabei war dieser Sonntag nur ein Vorgeschmack auf das, was noch auf uns zukommt“, stellte Holz mit Verweis auf den hinzukommenden Schwerlastverkehr fest. So war der Rathauschef auch nicht sonderlich schockiert über die Hochrechnung von Josef Seemüller (Bayernpartei), der in einer stichprobenartig durchgeführten Verkehrszählung vor seinem Hof in Pessenbach auf 20.000 Fahrzeuge innerhalb von 16 Stunden kam. „Wohlgemerkt nur auf der B 11“, betonte Seemüller, auf der Staatsstraße aus Richtung Großweil dürfte die Zahl ähnlich hoch sein. Die ersten Auswertungen einer angeordneten Verkehrszählung zeigten sogar noch höhere Werte, entgegnete Holz, aber diese seien laut Aussage des Staatlichen Bauamtes für eine Bundesstraße nicht ungewöhnlich. 

Der Rathauschef weiß um die große Belastung, welche seine Bürger bereits jetzt ertragen müssen. Früher habe es „vielleicht zwei bis drei Ausnahmetage“ gegeben, inzwischen seien die Zustände nicht mehr zu ertragen. „Wenn die Münchner Sender schönes Wetter vorhersagen, dann ist bei uns dicht“, maulte Holz, der die ihm geschilderten Berichte über eineinhalbstündige Fahrtzeiten zwischen Kochel und Walchensee gar nicht benötigt, da er an dem verkehrsträchtigen Sonntag selbst im Stau feststeckte. „Es darf nicht sein, dass Einheimische sich an solchen Tagen nicht mehr aus dem Haus trauen“, betonte er und forderte, dass dringend Entlastung geschaffen werden müsse. 

Als kleine Gemeinde könne man die Entscheidungen übergeordneter Behörden nicht korrigieren, bedauerte Holz. Die Verkehrslage während der Sperrung will er aber genau im Auge behalten und bei der Behörde „weiterhin lästig bleiben“, denn die Gemeinde sei immerhin Untere Sicherheitsbehörde und als solche dafür zuständig, dass der Rettungsdienst zügig alle Gemeindeteile erreiche. Im Rettungshubschrauber sieht Holz im Übrigen keine Alternative, denn je nach Wetterlage könne dieser nicht immer fliegen. Isidor Gerg (CSU) schlug diesbezüglich vor, an den Wochenenden vorsorglich einen Rettungswagen am Walchensee zu stationieren, was der Bürgermeister eine Überlegung wert fand. 

Ohne Erfolg blieb bislang die auf Anregung der SPD-Fraktion an die Deutsche Bahn herangetragene Bitte um Inbetriebnahme der Bedarfshaltestelle „Kainzenbad“ in Garmisch-Partenkirchen, um während der Baumaßnahme wenigstens einen Teil der Wanderer auf die Schiene zu bringen. Die Werdenfelsbahn interessiert sich offenbar wenig dafür, und die Bayerische Eisenbahngesellschaft ist bislang eine Antwort schuldig geblieben. cw

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