Roche wendet ab 2019 bei Neueinstellungen den bayerischen Tarifvertrag an

Gleiche Arbeit, anderer Lohn

Ein Unternehmen, unterschiedliche Tarifverträge: Roche fährt zweigleisig.

Penzberg – Dass es auch heutzutage noch Gehaltsunterschiede zwischen Mann und Frau in den verschiedenen Branchen gibt, ist kein Geheimnis. Im Penzberger Roche-Werk aber ist es nicht das Geschlecht, das schon bald unterschiedliche Summen auf den Gehaltsschecks bedingt, sondern ein Tarifvertrag.

Wer bei Roche im Nonnenwald ab dem 1. Januar eine neue Stelle antritt, wird schlechter bezahlt als seine Kollegen, die dort schon tätig sind. Der Grund: Im Penzberger Werk löst mit Beginn des neuen Jahres der bayerische Tarifvertrag den bisher gültigen aus Baden-Württemberg ab. Die Folge: Gehaltseinbußen, die zwischen 10 und 15 Prozent liegen. Während man auf Unternehmensseite diesen Schritt mit einer Angleichung an die bayerischen Verhältnisse verteidigt, ist man im Betriebsrat zwiegespalten: Auf der einen Seite hält der Betriebsratsvorsitzende Dieter Sonnenstuhl diesen Schritt für falsch, auf der anderen Seite ist er froh, dass man zahlreiche Zugeständnisse erzielen konnte. 

Dass Roche in Penzberg bisher nach dem baden-württembergischen Tarifvertrag, dem am besten dotierten der Chemie- und Pharmabranche, entlohnt hat, ist historisch bedingt. Als sich Boehringer Mannheim weit vor der Übernahme durch Roche in den siebziger Jahren in Penzberg niederließ, war Bayern alles andere als ein Hightech-Standort. Um die Mitarbeiter aus Baden-Württemberg für einen Wechsel nach Bayern zu gewinnen, musste man sie bei Boehringer mit den besseren tariflichen Konditionen ködern. Nun aber ist Bayern genau so attraktiv wie Baden-Württemberg, weshalb sich Roche zur Angleichung an weiß-blaue Verhältnisse entschloss: „Als erfolgreiches Unternehmen müssen wir unsere Kostenstrukturen regelmäßig überprüfen, um dauerhaft wettbewerbsfähig zu sein. So bleiben wir ein sicherer und stabiler Arbeitgeber“, sagt Roche-Sprecher Johannes Ritter. 

Der Betriebsratsvorsitzende Sonnenstuhl nimmt das zähneknirschend zur Kenntnis. Zumal eine derartige Änderung der tariflichen Bindung eine Entscheidung des Unternehmens ist, die den Arbeitnehmervertretern keine Mitsprache einräumt. Deshalb wurde von der Gewerkschaft IG BCE auch eine Tarifkommission eingesetzt, die mit der Spitze des Penzberger Werks verhandelt hat. Und dabei, so Sonnenstuhl, „haben wir einiges erreichen können“. Roche-Sprecher Ritter formuliert das so: „Die Regelung, dass wir ab 1. Januar 2019 nach dem bayerischen Tarifvertrag vergüten, gilt nur für Mitarbeitende, die neu in das Unternehmen eintreten. Für die bestehenden Mitarbeitenden ändert sich nichts. Sie erhalten Bestandsschutz.“ Dieser Bestandsschutz, und das ist Sonnenstuhl wichtig, gilt auch für die Azubis, die im September ihre Lehre bei Roche begonnen haben, sowie all jene, die derzeit noch in einem befristeten Arbeitsverhältnis stehen, eines Tages aber in ein unbefristetes wechseln. 

Glücklich ist Sonnenstuhl mit dieser Regelung dennoch nicht: „Künftig haben wir in einem Labor zwei Kollegen, die genau dieselbe Arbeit machen, aber unterschiedlich entlohnt werden.“ Außerdem habe man bislang neuen Mitarbeitern mit der Aussicht auf den baden-württembergischen Tarifvertrag einen zusätzlichen Anreiz auf eine Beschäftigung in Penzberg bieten können. „Diese Option fällt nun in Zeiten des Fachkräftemangels leider weg“, bedauert Sonnenstuhl. la

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