Besuch bei der Breze

Nigerianerinnen suchen Inspiration in Eberls Backstube und in der Off-Mühle

Etwas gewöhnungsbedürftig: Begeisterung löste der Sauerteig von Josef Eberl beim Besuch aus Nigeria nicht aus. Doch das, was aus dem Teig in seltsamer Form gebacken wird, gefiel den Frauen durchaus.

Bichl/Sindelsdorf – Etwa 15 Zentimeter misst sie im Durchmesser, sie glänzt in einem warmen Braun und zahlreiche Salzkörner tummeln sich auf ihrem Laugenmantel. Ganz genau nahmen die Besucherinnen aus Nigeria die Brezn in Augenschein, die der Bichler Bäcker da für sie gebacken hat.

Ein wenig fragend blicken die acht Frauen schon auf das Laugengebäck, das sich, warum auch immer, zu einer Schleife formt. Brezn dürften die Frauen wohl noch nie in der Hand gehalten haben, denn sie kommen aus einem Land, in dem Lebensmittel nicht zu Schnörkeln geknotet werden: aus Nigeria. Lehrerinnen, Bäuerinnen, Vertreterinnen von Nichtregierungsorganisatio­nen, die von der Regierung unabhängig sind und die die Lebensbedingungen der Menschen verbessern wollen, kamen nach Bayern, um zu erfahren, wie hier gewirtschaftet wird. 

Der Bayerische Bauernverband hatte die Damen eingeladen, sich hier umzusehen und Eindrücke zu sammeln. Da lag es nahe die afrikanische Delegation auch mit der Solideargemeinschaft Oberland vertraut zu machen. Und schon standen sie mit neugierigen Blicken und Kopfhörern auf den Ohren bei Josef Eberl in der Backstube. Der „Beck vo Biche“, wie er sich selbst nennt, ist einer der Motoren der Solidargemeinschaft und der unter dem Label „Unser Land“ vermarkteten Produkte. Bevor Eberl an der Reihe war, erläuterte Marianne Wagner von „Unser Land“ den Frauen aus Nigeria zunächst einmal, welches Konzept hinter diesem regionalen Netzwerk steckt. Und der Besuch lauschte aufmerksam der Übersetzung, die über die Kopfhörer in die Ohren drang. 

Dann ging es hinter die Theke mit Dinkelbrötchen und Vollkornsemmeln und schließlich auch hinter die Kulissen, wo Josef Eberl den Weg vom Getreide zum Teig bis zum gebackenen Produkt aufzeigte. Während die Damen beim Verkosten des rohen Sauerteigs noch ein wenig die Nase rümpften, verständlich bei all dem Salz, der die Geschmacksknospen auf eine harte Probe stellte, mundeten ihnen im Anschluss die frisch aufgegangenen Laugenbrezn umso mehr. Doch nicht nur das in ihren Augen seltsam geformte Backwerk sorgte für große Faszination, fast noch mehr zeigten sich die Besucherinnen von der immensen Vielfalt an Brot-, Semmel- und Gebäcksorten beeindruckt, die in einer bayerischen Bäckerei zum Standard gehören, in Nigeria aber undenkbar wären. 

In der Produktionskette einen Schritt zurück ging die Delegation dann in Sindelsdorf: Wie aus Mehl Brot wird, erklärte Martin Sonner von der Off-Mühle, wobei die Frauen das Getreide, den Schrot und das Mehl ganz genau begutachteten. la/ra

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