Eine Herzensangelegenheit

„Frühstück am Bauernhof“: Landfrauen werben für regionale Produkte

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Werben für das Frühstück am Bauernhof: Thomas Müller vom Bauernverband sowie die Kreisbäuerinnen Christine Singer (2. von links) und Lisa Krötz (rechts) mit den Gastgeberinnen Rosina Promberger, Martina Guglhör, Katharina Benedikt und Christine Schönach (ab 3. von links).

Großweil - Sich einen Schluck frische Milch genehmigen, während es wenige Meter entfernt vom Esstisch muht, dort, wo die Milch noch vor kurzem in der Mache war: Ein besonderes Frühstück servieren die Landfrauen ihren Gästen, um auf die Bedeutung der Landwirtschaft aufmerksam zu machen.

Die bayernweite Aktion „Frühstück am Bauernhof“ wurde 2018 von den Landfrauen im Bayerischen Bauernverband zu ihrem 70-jährigen Jubiläum ins Leben gerufen und findet heuer in dieser Form erstmals statt. Am 18. und 19. Mai bieten Betriebe in ganz Bayern ein genussvolles Frühstück in ländlichem Ambiente mit Produkten aus der Region. Mit der Aktion möchten die Landfrauen mit Gästen aus Stadt und Land ins Gespräch kommen, Wissenswertes rund um den Bauernhof weitergeben und den Blick der Verbraucher für die elementare Funktion der Landwirtschaft schärfen. 


„Das tut echt weh“

Zu den Aufgaben der Landfrauen gehört seit jeher auch die Öffentlichkeitsarbeit. Auf Messen und Ausstellungen, bei Erntedankfesten und Aktionstagen suchen sie den Dia­log mit dem Verbraucher und informieren praxisnah über die moderne Landwirtschaft. Die Diskussion in letzter Zeit, auch im Rahmen des Volksbegehrens zur Artenvielfalt, habe gezeigt, dass bei der Öffentlichkeitsarbeit noch viel getan werden müsse, findet Kreisbäuerin Christine Singer. „Wir Landwirte erhalten unsere schöne Kulturlandschaft, gehen gut mit unseren Tieren um und machen unsere Arbeit mit großer Verantwortung und Leidenschaft“, betont Singer. Die Landwirte hätten aber das Gefühl, dass die Menschen ihre Arbeit kaum schätzten und als selbstverständlich ansähen, „das tut echt weh“, schiebt sie hinterher. 

Von den Kühen bis zur Milch

Mit dem Angebot „Frühstück am Bauernhof“ wollen die Bäuerinnen ihren Gästen nun in einem genussvollen Rahmen mit Erzeugnissen vom eigenen Hof und aus der Region zeigen, wie sehr ihnen die Landwirtschaft und die Erzeugung regionaler Lebensmittel am Herzen liegt. Viele Höfe bieten dazu ein individuelles Rahmenprogramm an. Katharina Benedikt vom Bio-Bauernhof Zum Mesmer in Ohlstadt und Christine Schönach vom Eschenloher Höllensteinhof bieten zum Beispiel Hofführungen an. Zwischen 40 und 48 Milchkühe haben die beiden, die es als Erlebnisbäuerinnen gewohnt sind, meist Schulklassen mit der Arbeit und den Erzeugnissen auf dem Bauernhof vertraut zu machen. „Die Kinder lieben meine Probierstationen mit verschiedenen Milchprodukten“, schmunzelt Bio-Bäuerin Benedikt und will diese auch ihren Gästen am Aktionstag in der heimischen Bauernstube anbieten. In Eschenlohe gewährt „Bauer Jakob“ als ausgebildeter Landerlebnisreiseführer Einblicke in die Wirtschaftsweise auf dem Höllensteinhof und beantwortet Fragen zur Landwirtschaft in der Region. 

Auf dem See in den See blicken

Auf dem Promberger Hof, der auf malerischer Anhöhe im Großweiler Ortsteil Zell liegt, gibt es neben 48 Milchkühen auch Pensions- und Schulpferde. Während die Erwachsenen nach dem Frühstück zu einem Spaziergang über den Hof eingeladen sind, findet für die kleinen Gäste ein Kinderprogramm mit einer Reitlehrerin statt. Der Hof von Martina Guglhör wiederum liegt in Seehausen am Staffelsee. Die Guglhörs haben nur vier Milchkühe, betreiben dafür aber die Fischerei. Ihr Frühstück findet auf dem Wasser statt: Während die Gäste auf der MS Seehausen schmausen, erhalten sie Einblicke in die Fischerei und erfahren Wissenswertes über den Staffelsee mit seinen sieben Inseln. Auch Kreisbäuerin Christine Singer und die frisch gekürte bayerische Milchkönigin Trixi Scheitz werden mit an Bord sein. 

Verbraucher in der Verantwortung

Wird das Angebot angenommen, kann sich Singer gut vorstellen, die Aktion fest ins Jahresprogramm aufzunehmen. Denn „miteinander zu sprechen statt übereinander“, sei wichtiger denn je, stellt die Kreisbäuerin fest. „Wenn man Landwirtschaft hört, denkt man nicht mehr zuerst an kostbare Lebensmittel, sondern an Negatives wie Nitrat und Me­than“, beklagt sie. Dass die Landwirte den Stempel der Umweltverschmutzer aufgedrückt bekommen, sei eine Katastrophe, dabei sei Umweltschutz doch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. „Wer beim Klimawandel zuerst an Kühe denkt, statt an Industrie und Flugverkehr, der denkt nicht mehr in Zusammenhängen“, kritisiert Singer, die sich wünscht, dass die Verbraucher bereit sind, selbst ebenfalls Verantwortung zu übernehmen. „Wer 30 Prozent Biolandwirtschaft fordert, der muss auch selbst Bioprodukte einkaufen“, sagt sie. 

Braune Gülle, rotes Tuch

Thomas Müller, als Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes zuständig für die Landkreise Garmisch-Partenkirchen, Weilheim-Schongau und Starnberg, kann da nur beipflichten. „Wir müssen ins Bewusstsein bringen, dass es ohne Landwirte unsere Kulturlandschaft nicht mehr gäbe“, sagt er. Den Dia­log zwischen Bauern und Verbrauchern hält auch Müller für immens wichtig. So könne etwa das Thema Gülleausbringung, für viele Bürger ein rotes Tuch, als wichtiger Nährstoffkreislauf für das Grünland als CO2-Filter und Nährstoffspeicher erklärt werden, betont Müller, der im Übrigen auf die „spitzenmäßigen Nitratwerte“ der hiesigen Landkreise hinweist. 

Wer am „Frühstück am Bauernhof“ teilhaben und mit den Landfrauen ins Gespräch kommen will, muss sich vorher bei den jeweiligen Gastgeberinnen anmelden, von denen er auch die Kosten, Uhrzeiten und das Rahmenprogramm erfährt. Am 18. Mai laden die Familien Prom­berger in Großweil, Schönach in Eschenlohe sowie Guglhör in Seehausen, am 19. Mai die Familien Benedikt in Ohlstadt und Doll vom Wieshof in Weilheim-Marnbach ein. Betriebe aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen nehmen nicht an der Aktion teil.  cw

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