Transparenz und Toleranz

Kochels Bürgermeister Holz blickt mit gemischten Gefühlen auf das Jahr 2019 zurück

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Die ­Demonstration am Walchensee war nicht nur für die Bürger ein Novum, sondern zog auch neue Töne im Gemeinderat nach sich, wo nun öffentlich kontrovers diskutiert wird.

Kochel – Das scheidende Jahr war kein einfaches für die Gemeinde Kochel, das wurde beim Jahresrückblick von Thomas Holz deutlich. Bei dem Resümee des Bürgermeisters ging es heuer nicht nur um die Auflistung zahlreicher begonnener oder erfolgreich beendeter Projekte. 

Holz blickte auf ein arbeitsreiches Jahr zurück, in dem alleine zehn Bebauungspläne zu beraten waren, der Fuß- und Radweg zwischen Ried und Pessenbach vollendet wurde und auch der Breitbandausbau im gesamten Gemeindegebiet zu einem glücklichen Abschluss kam. Weitestgehend abgeschlossen sind zudem die Arbeiten am Feuerwehrgerätehaus, auf den Weg gebracht ist eine neue Beschilderung der nördlichen Ortsteile sowie das Wanderwege-Konzept, bei dem bereits erste Höhenwege digital erfasst wurden. „Unsere Gemeinde blüht“, werden Schilder künftig an noch mehr Flächen kundtun, versprach Holz, denn nicht nur mit Blühstreifen, sondern auch durch eine bewusst extensive Bewirtschaftung des Kurparks sorge Kochel für Biodiversität. Auf der 35.000 Quadratmeter großen Grünfläche könnten sich schon seit vielen Jahren, „bevor man dazu Biodiversität sagte“, viele Pflanzenarten, Insekten und Kleintiere entwickeln, betonte der Rathauschef. 

Noch länger beschäftigen wird die Kommune die Sanierung der ehemaligen Hausmülldeponie am Kochler Festplatz. Nachdem das Landrats­amt sich für die Sanierungsvariante der Drainagelösung entschieden hatte, seien Detailplanungen und weitere Untersuchungen auf dem Gelände vorangegangen, erläuterte Holz. Auf die Ausschreibung der 1,1 Millionen Euro teuren Baumaßnahme im nächsten Jahr folge bis spätestens Anfang 2021 der Beginn der eigentlichen Arbeiten, kündigte er an. Besonders betonte der Bürgermeister die Transparenz, welche man durch über 440 erstellte Beschlussvorlagen mit insgesamt fast 3.400 Seiten Information in größtmöglichem Umfang sichergestellt habe. „Die besten Entscheidungen für die Gemeinde werden dann getroffen, wenn alle, vom Verwaltungsmitarbeiter über die Sitzungsleitung bis hin zum Gemeinderat, den gleichen Informations­stand haben“, fand Holz. Auch die Bürger hätten Zugang zu Grundlagen und Ergebnisse der Gremiumsarbeit, heuer in Form von rund 280 Seiten öffentlich einsehbarer Niederschrift. 

Persönlich war 2019 ein bewegtes Jahr für Thomas Holz. Auf die Freude über die Geburt seiner Tochter folgte Trauer durch den unerwarteten Verlust seines Vaters. „Mir fiel und fällt es bisweilen heute noch nicht leicht, wieder zur Tagesordnung zurückzukehren“, erklärte der 43-Jährige und dankte seiner Familie, allen Mitarbeitern in Gemeinde und Verwaltungsgemeinschaft sowie seinen beiden Stellvertretern für die Entlastung und Rückenstärkung. Oft habe man ihn von diversen belastenden Themen befreit und ihn „nicht so hart angefasst in der Zeit“. 

Nicht verschont wurde der Bürgermeister allerdings von den Wogen, die das Walchensee-Konzept schlug. Wie schon in der vergangenen Sitzung berichtete er auch in dieser über den Sachstand der aktuellen Entwicklungen (Bericht folgt) und zeigte auf, „wie intensiv an dem Thema gearbeitet wird“. Der im Zuge der Walchensee-Demonstration geäußerte Vorwurf, bei der Problemlösung gehe zu wenig voran, hat offenbar Spuren hinterlassen, was an der Wahl der Dankesworte sichtbar wurde. Holz bedankte sich bei den Gemeinderäten für die konstruktive und „weitgehend angenehme“ Zusammenarbeit und betonte, dass „dieses am Wohl der gesamten Gemeinde orientierte Miteinander“ auch heuer wieder zahlreiche wichtige Projekte ermöglicht habe. 

Für das kommenden Jahr wünscht sich Holz die „Weiterführung einer sachlichen und konstruktiven Zusammenarbeit ohne Verfolgung persönlicher Interessen und ausschließlich zum Wohl der Gemeinde“. Und er bat angesichts des beginnenden Wahlkampfes um einen ehrlichen und respektvollen Umgang miteinander. „Ich gehe davon aus, dass wir auch nach dem 15. März zum Großteil wieder in dieser Runde zusammensitzen werden“, sagte er. 

In das gleiche Horn blies Rathausvize Thomas Eberl. „Wir müssen alle mal was aushalten, zum Beispiel einen unglücklichen Kompromiss“, meinte er und wünschte sich Toleranz, einen fairen Umgang miteinander und eine konstruktive Zusammenarbeit. „Ich hoffe, dass es uns auch noch in den letzten Monaten vor der Wahl gelingt, die Aufgabe als Team zu bewältigen.“ Große Worte, mit denen die beiden Bürgermeister aber auf der gleichen Linie liegen wie diejenigen, aus deren Richtung Kritik laut wurde. Auch die Initiatoren der Walchensee-Demo betonten, es gehe ihnen nicht um einzelne Personen, sondern um das Wohl der gesamten Bürgerschaft. Und die Kochler SPD erklärte Transparenz sowie einen gleichberechtigten, toleranten und fairen Umgangsstil zum Inhalt ihres Wahlprogramms. Zumindest begrifflich herrscht in der Zwei-Seen-Gemeinde also durchaus Harmonie. cw

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