DAV diskutiert in Benediktbeuern über den Konflikt zwischen Mountainbikern, Wanderern und der Natur

Spagat im Sattel

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Diskutierten über eine nachhaltige Zukunft des Mountainbike-Sports: Karsten Dufft vom Deutschen Olympischen Sportbund, Antje Bornhak und Simon Keller vom DAV, Moderator Michael Düchs, Georg Mair vom Almwirtschaftlichen Verein, Silvia Georg vom DAV und Marc Woodtli von Up-Cycles (von links).

Benediktbeuern – Das Profil der Sohle findet Halt auf dem unebenen Boden, der Wanderer hält inne, genießt die Aussicht, die ihm die 1.500 Meter-Höhe ermöglicht. Ein Montainbiker kommt ihm entgegen, den steinigen Hang herab. Ein Aufeinandertreffen, das der DAV zum Thema einer Diskussion machte.

Der Allianzsaal war bis auf den letzten Platz besetzt: Auf Einladung des Deutschen Alpenvereins (DAV) trafen sich über 200 Mountainbiker, Touristikvertreter und Kommunalpolitiker, um über ein Thema zu sprechen, das in der Öffentlichkeit sehr kontrovers diskutiert wird: Mountainbiken. Dabei galt der Blick nicht nur den Konflikten mit Wanderern, Grundstücksbesitzern und Wegehaltern, sondern vor allem einer natur- und sozialverträglichen Ausgestaltung dieses Sports, um drohende Verbote zu verhindern. Der DAV steht dabei vor einem „echten Spagat“, wie Landrat Josef Niedermaier sagte, müsse der Verein doch die Interessen von Bergsport und Naturschutz, von Mountainbikern, Wanderern sowie Alm- und Forstwirtschaft unter einen Hut bringen. 

Nach Vorträgen zur Entwicklung und gesellschaftlichen Relevanz des beliebten Bergsports diskutierten die Teilnehmer in Workshops über Themen wie Umwelt- und Naturschutz, rechtliche Grundlagen, den zunehmenden Trend zum E-Mountainbike sowie Kommunikation und Medien. Am Ende waren sich alle Anwesenden einig: Eine nachhaltige Entwicklung des Mountainbike-Sports ist eine große Herausforderung, aber auch möglich. Als wichtigste Aufgabenstellungen für das Projekt wurden neben der Klärung rechtlicher Fragen, die Entwicklung und Umsetzung von Lenkungskonzepten, wie Ausweisung und Beschilderung von Wegen, benannt. Um auch die Mountainbike-Szene außerhalb des DAV zu erreichen, wurde die Öffentlichkeitsarbeit als ganz entscheidender Parameter erkannt. 

„Im Spannungsfeld wird der Berg­radsport immer bleiben“, ist Moderator Michael Düchs, bekannt aus dem BR-Format „Bergauf bergab“, überzeugt. Als der BR sich in einer Ausgabe dem Mountainbiking widmete, habe es teils vehemente Zuschauerkritik für die „hirnlose Raserei“ und „Kulisse für Egotrips ohne Respekt vor der Natur“ gehagelt, berichtete Düchs. Aufhalten lässt sich dieser Sport dennoch nicht, bestenfalls lenken, wie Marc Woodtli anhand seiner Erfahrungen aus der Schweiz feststellte. Mit bewusst aufgestellten Ladestationen lotst man dort zumindest die E-Biker in erlaubtes Terrain. Wobei die motorbetriebenen Bergradfahrer innerhalb der Community kaum auf große Akzeptanz stoßen. Auch die DAV-Jugend ringt beim E-Mountainbike noch um eine Haltung, wie Simon Keller einräumte. „Einerseits wollen wir aus eigener Kraft unterwegs sein, andererseits ist ein E-Mountainbike auch für uns interessant, sobald wir es uns leisten können“, erklärte Keller, schließlich könne man mit diesem Transportmittel viel besser an die Wand gelangen. 

Spontanen Applaus erhielt Antje Bornhak für ihre Feststellung, dass das Hinterfragen des Verhaltens doch wichtiger als die Unterscheidung in Ausrüstung mit oder ohne Motor sei. Um den Mountainbiker, der häufig „nicht in den Bergen so­zialisiert ist, sondern aus dem urbanen Bereich kommt“, zu naturverträglichem Verhalten zu bringen, setzt die ehemalige Profimountainbikerin auf Bildung. Oftmals werde die freie Natur mit einem Bikepark verwechselt, hier will Bornhak mit Information und Sensibilisierung ansetzen, auch wenn sie weiß, dass das Engagement der DAV-Mitglieder alleine nicht ausreicht. „Wer verdient denn am Bikeboom?“, fragte sie und forderte Industrie und Medien auf, sich ihrer enormen Verantwortung zu stellen. Mountainbike-Magazine etwa dürften ihren Lesern keine Touren in natursensiblen Gebieten vorschlagen. 

Ob man mit Bildungsmaßnahmen auch die Problem-Mountainbiker erreicht, bleibt fraglich. Schließlich räumten selbst anwesende „Vorzeige-Biker“ den Rausch an der Geschwindigkeit und das Verfallen in den Rennmodus ein. „Wenn die Jungs unterwegs sind, ist ihr Hirn ausgeschaltet“, brachte es Silvia Geor­gi unter zustimmendem Gelächter auf den Punkt. Die vom Kick getriebenen Scheuklappen-Raser sind auch Georg Mair ein Dorn im Auge. „Wir sind schon immer kompromissbereit gewesen“, versicherte der Vorsitzende der oberbayerischen Heubauern, bislang habe es aber leider oft geheißen, „dass wir übertreiben würden.“ Dass nun von Seiten des DAV das Problem ernsthaft gelöst werden soll, lobte Mair ausdrücklich. 

„Wir sind in der richtigen Richtung unterwegs“, resümierte Hanspeter Mair vom DAV, der bei den anstehenden Aufgaben auch Kommunen und Staatsregierung einbinden und in die Mountainbike-Szene über soziale Medien „kommunikativ hineinwirken“ will. Die Herausforderung sei zu schaffen, ist sich DAV-Urgestein Nicholas Mailänder sicher. Man müsse nur die Erkenntnisse aus der vor 20 Jahren ähnlich konfliktbehafteten Sparte Felsklettern nutzen, die da lauteten: „Kommunikation, Ausbildung und Infrastruktur.“ cw

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